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Kardinal Reinhard Marx wird 60 Jahre alt

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Marx schwingt die Faust und redet beherzt.
München - Sechzig Jahre und kein bisschen weise", sang einst der Schauspieler Curd Jürgens kritisch über sich selbst. Über den Münchner Kardinal Reinhard Marx, der am 21. September ebenfalls diesen runden Geburtstag feiert, lässt sich das nicht sagen. Der verriet erst jüngst sehr philosophisch in einem Interview: "Ich werde im Alter suchender." Rückblickend betrachtet bestehe die Welt eben nicht nur aus Schwarz und Weiß, man werde sensibler für Zwischentöne.

Doch einer wie Marx, der sich auch gut hätte vorstellen können, in die Politik zu gehen, wird weiter ein Mann des deutlichen Wortes bleiben. Und dieses wird gern gehört. Die Gewerkschafter schätzen den Austausch mit dem Spezialisten für Sozialethik genauso wie Wirtschaftsnobelpreisträger oder CSU-Chef Horst Seehofer (CSU). Dem gratulierte der Münchner Erzbischof nach der Landtagswahl in Bayern zur absoluten Mehrheit und verband dies mit der Mahnung, dass das "C" im Namen der Regierungspartei auch verpflichte.

In der Pflicht sieht sich der Kardinal gleichfalls, und das auf immer mehr Baustellen. Da ist die Struktur- und Ordinariatsreform in seinem Erzbistum. 2012 wurde er zudem zum Präsidenten der EU-Bischofskonferenzen Comece gewählt, zu einer Art "katholischen Mister Europa".

Neuerdings soll Marx Papst Franziskus bei der Reform der Kurie beraten, als einziger deutscher Kardinal in einem exklusiven Achterclub. Anfang Oktober ist die erste Sitzung anberaumt. Katholiken sollen wieder stolz sein auf Rom und nicht in erster Linie Negatives mit dem Vatikan verbinden, lautet seine Marschroute.

Marx kniet vor Benedikt als er ihm den Kardinalsring überreicht.
Im Konsistorium vom 20. November 2010 nahm Papst Benedikt XVI. Reinhard Marx als Kardinalpriester mit der Titelkirche San Corbiniano in das Kardinalskollegium auf.

Marx ist ein Mann der Kommunikation. So war es für ihn kein Problem, nach der Renovierung des Erzbischöflichen Palais aus der Rokoko-Zeit die Presse von sich aus ins Haus zu bitten. Die Journalisten konnten sich ein Bild davon machen, wie nach den Empfehlungen des Denkmalschutzes alles saniert wurde. Selbst eine moderne Porträtgalerie der Münchner Erzbischöfe wurde neu in Auftrag gegeben.

Stimme und Statur

Mit seiner raumfüllenden Stimme und seiner stattlichen Statur wirkt der Westfale oft wie das pure Selbstbewusstsein, das aber auch nicht unerschütterlich ist. In einem soeben veröffentlichten Buch bekennt er, dass ihn das Jahr 2010 mit dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle mitgenommen hat: "Ich kann mich an einen Abend erinnern, an dem ich wirklich nicht mehr wusste, was in unserer Kirche los ist."

Trotz dieser gelegentlichen Selbstzweifel gilt Marx in der katholischen Kirche als Führungsspieler mit natürlicher Autorität. Das heißt aber nicht, dass die Mitbrüder ihm automatisch überall hinfolgten. Derzeit bekommt der Kardinal dies schmerzlich im Endlosstreit über die Zukunft des Weltbild-Konzerns zu spüren.

Neuerdings plädiert Marx für eine Amtsführung, in der sich Bischöfe nicht als "Herren der Gläubigen" verstehen und diese quasi als "Untertanen" behandeln. Auf die Frage im jüngsten Zeit-Interview, ob er im Laufe der Zeit die Laien mehr schätzen gelernt habe, sagte er nachdenklich: "Ja, wahrscheinlich ist das so."

Bayernhymne im Gesangbuch

Mit bayerischer Folklore hatte der Mann aus dem Westen von Anfang an keine Berührungsängste. Bereitwillig ließ er sich bei den Gebirgsschützen aufnehmen. Begeistert schwingt er im Bierzelt auf dem Oktoberfest den Taktstock für die Blaskapelle, den Trachtenhut auf dem Kopf.

Auch sorgte er dafür, dass die Bayernhymne künftig im Kirchengesangbuch seiner Erzdiözese steht. Und als er 2010 nach seiner Kardinalserhebung aus Rom zurückkehrte, äußerte er demonstrativ in Freising am Grab des Bistumspatrons Korbinian den Wunsch, in München zu bleiben.

Ob dies ein frommer Wunsch bleibt, wird sich zeigen. Voraussichtlich im nächsten Jahr wird der Bischofsstuhl von Köln vakant. Dann ist da noch die Nachfolge von Erzbischof Robert Zollitsch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zu klären. Der letzte Münchner Kardinal, der diese Funktion innehatte, war Julius Döpfner (1913-1976) - auch ein anerkannter Multitasker mit römischer Erfahrung.

Von Barbara Just und Christoph Renzikowski (KNA)

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