Nachfolger gesucht
Zollitsch ist aber nicht der einzige deutsche Oberhirte, dessen Abschied absehbar ist. Die Bischofskonferenz steht insgesamt vor einem umfangreichen Generationswechsel. Und der betrifft neben dem Vorsitzenden etliche prägende Persönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte - allen voran die Kardinäle Joachim Meisner (79, Köln) und Karl Lehmann (76, Mainz).
Der Rücktritt des Passauer Bischofs Wilhelm Schraml (78) wurde zwar schon 2012 angenommen, doch bis zur Wahl eines Nachfolgers vertritt er sich als "Apostolischer Administrator" selbst. Nicht besetzt ist seit Oktober 2012 der Bischofsstuhl in Erfurt, nachdem Bischof Joachim Wanke (72) aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war.
Die Konzils- und Nachkriegsgeneration geht von Bord
Allmählich dem Ruhestand entgegen gehen in den nächsten Monaten und Jahren auch Erzbischof Werner Thissen (74, Hamburg) und Bischof Heinrich Mussinghoff (72, Aachen). Die Steuermänner aus der Konzils- und Nachkriegsgeneration gehen also nach und nach von Bord. Und hinter all den Personalien steht auch die Frage im Raum, was diese für den inhaltlichen Kurs der Kirche in Deutschland bedeuten.
Wer könnte etwa nach Zollitsch den Vorsitz übernehmen? Bei den auch in Kirchenkreisen beliebten Personalspekulationen fallen häufig die Namen der Kardinäle Reinhard Marx (59, München-Freising) und Rainer Maria Woelki (56, Berlin). Beide allerdings sind schon allein durch die Kardinalswürde kirchenpolitische Schwergewichte. Darüber hinaus sind sie durch schwierige Strukturreformen in ihren Erzbistümern stark in Anspruch genommen. Marx ist zudem Präsident der EU-Bischofskommission COMECE und Mitglied der Kommission, die Papst Franziskus einberufen hat, um ihn bei der anstehenden Reform der Kurie zu unterstützen.
Hinter vorgehaltener Hand werden deshalb auch andere Namen ins Spiel gebracht - meist aus der "mittleren Generation" des deutschen Episkopats. Zum Beispiel Bambergs Erzbischof Ludwig Schick (63) oder Franz-Josef Bode (62, Osnabrück). Kirchenpolitisch gelten sie bei vielen als "eher liberal", was ihre Wahlchancen je nach Lesart und allgemeiner Großwetterlage schmälern oder auch befördern könnte.
Bischof Ackermann in der "Pole Position"?
Bis zur Wahl im Frühjahr könnte auch schon die wichtige Frage entschieden sein, wer Kardinal Meisner in Köln beerbt und damit eine "Pole-Position" einnimmt. Hier werden Bischöfe aus der "jüngeren Generation" genannt. Für Triers Bischof Stephan Ackermann (50) etwa könnten seine Verdienste als "Missbrauchsbeauftragter" sprechen, für den Essener Oberhirten Franz-Josef Overbeck (49) seine Mitarbeit in der Steuerungsgruppe beim Dialogprozess. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (53) galt lange als möglicher Kandidat, hat aber derzeit mit Diskussionen über den teuren Neubau seines Diözesanzentrums und über Aussagen zu einem Erste-Klasse-Flug nach Indien zu kämpfen.
Eine wichtige Rolle in Personalentscheidungen spielt der Nuntius, also der Botschafter des Papstes. Doch Erzbischof Jean-Claude Perisset erreicht 2014 selbst die Altersgrenze von 75 und muss deshalb sein Rücktrittsgesuch stellen.
In diesen spannenden Zeiten gibt es bisher wenige Hinweise darauf, welchen Personalkurs der Papst und die zuständige Bischofskongregation in Deutschland verfolgen wollen. Im Vergleich zu Benedikt XVI. kennt sich Franziskus in der deutschen Kirchen- und Bischofslandschaft kaum aus. Und da er seinen Vorgänger mitunter um Rat bittet, ist nicht ausgeschlossen, dass der emeritierte Papst in diesen Dingen um seine Meinung gefragt wird. Ob dies wiederum die Chancen von Kurienerzbischof Georg Gänswein auf einen Bischofssitz in Deutschland fördern oder mindern würde, steht auf einem anderen Blatt.
Von Gottfried Bohl (KNA)