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Verlagsgruppe Weltbild kann wohl als Ganzes fortgeführt werden

Neuer Investor gefunden

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Blick auf eine Filiale des katholischen Verlags Weltbild.
Augsburg - Die Verlagsgruppe Weltbild kann wohl als Ganzes fortgeführt werden und bekommt Paragon Partners als Investor. Verdi rechnet zudem mit keinen weiteren Entlassungen.

Der Sprecher der Verdi-Betriebsgruppe, Tim Boßmann, zeigte sich erleichtert. Paragon sei seriös, mit weiteren Entlassungen als den vereinbarten rechne er nicht, sagte der Betriebsrat. Nach den Worten des Insolvenzverwalters handelt es sich um ein "echtes Eigenkapitalmodell, keinen Hedgefonds". Das Private-Equity-Unternehmen wird mit frischem Geld neuer Mehrheitsgesellschafter, Geiwitz bleibt stellvertretend für die Gläubiger mit einer Minderheit der Anteile beteiligt.

Boßmann sagte, dies sei ein "einzigartiger Vorgang", der zeige, "dass er an das Unternehmen glaubt". Beide Seiten wollten die Sanierung des Konzerns gemeinsam voranbringen und Weltbild so wieder auf einen stabilen Kurs zurückführen, hieß es.

Sämtliche Betriebsteile einschließlich der 170 Filialen in Deutschland sowie der Töchter in Österreich und der Schweiz werden laut Geiwitz in eine neue Gesellschaft überführt. Dies solle "voraussichtlich noch im Laufe dieses Monats erfolgen". Details des Betriebsübergangs und des Fortführungskonzepts würden derzeit ausgearbeitet. Die operative Verantwortung werde auf den Investor übergehen.

Möglicherweise Planungssicherheit für bis zu fünf Jahre

Paragon Partners wurde nach eigenen Angaben 2004 gegründet und verfügt über ein Eigenkapital von 650 Millionen Euro, das auch von institutionellen Anlegern wie Lebensversicherungen, Pensionskassen und Universitätsstiftungen stammt. Einer der drei Inhaber, Krischan von Moeller, hat Berufserfahrung im Verlagswesen. Er leitete von 1999 bis 2002 die Unternehmensentwicklung bei Georg von Holtzbrinck.

Für die Alt-Eigentümer sprach der Münchner Generalvikar und Weltbild-Aufsichtsratschef Peter Beer von einer "begrüßenswerten Entwicklung". Mit dem Einstieg von Paragon sei ein Weg gefunden worden, Weltbild als Ganzes zu erhalten und möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Der SPD-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, Markus Rinderspacher, sagte, er sehe die Kirche als bisherigen Weltbild-Eigner weiter in der Pflicht. Er hoffe zugleich sehr, dass ein neuer Investor dem Unternehmen eine stabile Zukunft bescheren werde.

Ein rundes Glashaus vor einem wolkenverhangenen Himmel. Am rechten Bildrand ist das Firmenlogo mit der Aufschrift "Weltbild".
Die Weltbildzentrale in Augsburg.

Die Beteiligungsgesellschaft investiert bevorzugt in Mittelständler im deutschen Sprachraum und ist bereits bei mehreren Handelsunternehmen engagiert. Nach Einschätzung von Branchenkennern könnte Weltbild dadurch für drei bis fünf Jahre Planungssicherheit erhalten, bevor es an einen anderen Investor weitergereicht wird.

Die Betriebsversammlung war bereits nach 20 Minuten zu Ende. Danach verließen viele Weltbild-Beschäftigte scherzend das Gebäude. "Wir haben so gekämpft", sagte eine Mitarbeiterin. "Das kriegen wir die nächsten drei Jahre hin, und dann starten wir durch."

Ausstieg der bisherigen Gesellschafter

Der Konzern hatte vor der Insolvenzanmeldung im Januar 6.300 Mitarbeiter im In- und Ausland. Dazu zählten auch die 1.700 Beschäftigten der Hugendubel-Filialen unter dem Dach der gemeinsam mit dem Münchner Familienunternehmen betriebenen Buchhandelsholding DBH, aus der Hugendubel inzwischen ausgeschieden ist. Im Zuge der Sanierung müssen 300 Mitarbeiter in den Weltbild-Buchhandlungen im Laufe der nächsten zwölf Monate gehen. Bereits in eine Transfergesellschaft gewechselt sind 582 Angestellte des Verlagshauses in Augsburg.

Nach dem jetzigen Stand der Neustrukturierung wird die Weltbild-Gruppe noch etwa 2.200 Beschäftigte in Deutschland sowie rund 450 in Österreich und der Schweiz haben. Weltbild gehörte bisher zwölf katholischen Bistümern in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Katholischen Soldatenseelsorge Berlin. Im Januar hatte die Geschäftsleitung bei den Eigentümern überraschend einen kurzfristig massiv erhöhten Finanzierungsbedarf angemeldet. Daraufhin leiteten die Gesellschafter den Ausstieg aus dem Unternehmen ein.

Zugleich kündigte die Kirche an, mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag soziale Härten unter den Mitarbeitern abfedern zu wollen. Dies geschieht unter anderem durch die Aufstockung der Entgelte bisheriger Weltbild-Beschäftigter, die in Transfergesellschaften gewechselt sind. Dort erhalten sie für maximal ein Jahr zwischen 85 und 100 Prozent ihres bisherigen Nettolohns und werden für neue Arbeitsplätze qualifiziert. (KNA)

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