Neymeyr: Prädikat "christlich/unchristlich" ist falsch
Es müsse einen politischen Diskurs geben, angefangen von den Ursachen der Flucht bis hin zur Frage, wie Menschen, gerade auch die vielen Muslime in Deutschland, integriert werden können. Wenn so viele Menschen unkontrolliert ins Land kämen, "ist das ein Riesenproblem, das ich immer so gesehen habe und sehe", sagte der Bischof. "Und es arbeiten ja jetzt auch alle fieberhaft daran, wieder Ordnung in das System zu bringen."
Gleichzeitig betonte er, dass die Grundsatzentscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im vergangenen September nicht falsch gewesen sei, die Grenzen zu öffnen: "Ich fand es gut, menschlich mit den Geflüchteten umzugehen." Deutschland habe aufgrund seiner Geschichte eine besondere Verpflichtung, sich um die Menschen zu kümmern, deren Leben in ihrer Heimat bedroht sei.
Neymeyr gegen ZdK - auch mit AfD diskutiern
Neymeyr wandte sich gegen die Entscheidung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), AfD-Vertreter nicht zum 100. Katholikentag nach Leipzig einzuladen. "Es ist eine Wirklichkeit in unserer Gesellschaft, dass die rechten Parteien einen Aufschwung erleben, und es ist auch wichtig, mit ihnen zu diskutieren - sofern das vom Stil her möglich ist", betonte der Bischof. Er selbst habe sich mit AfD-Abgeordneten in Erfurt getroffen.
Zugleich bekräftigte Neymeyr nochmals seine Entscheidung, zu den Kundgebungen der AfD auf dem Erfurter Domplatz die Beleuchtung des Dombergs nicht einzuschalten. Bei Demonstrationen werde kein Mitgefühl mit den Geflüchteten zum Ausdruck gebracht, kritisierte der Bischof. Die Verdunkelung des Doms sei von vielen als Eingriff in die Meinungsfreiheit verstanden worden. "Das ist es aber nicht, da ja die Kundgebung dadurch nicht gestört wird. Aber dieses Zeichen hat schon viele beunruhigt - warum zieht sich Kirche hier zurück", berichtete Neymeyr. (KNA)