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Am Sonntag findet die "Große Viktortracht" in Xanten statt

Nur wenige Male im Jahrhundert

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Xanten - Bei der vorletzten "Viktortracht" hatte Deutschland gerade ein paar Wochen die Fußball-WM verloren, durch das sogenannte Wembleytor. 1966 war das. Und bei der letzten, 1991, war die Deutsche Einheit erst ein knappes Jahr vollendet. Nur ein paar Mal im Jahrhundert geschieht, was die Xantener am Sonntag wieder zelebrieren: die "Große Viktortracht", eine Reliquienprozession zu Ehren des römischen Märtyrers Viktor.

Sie ist zugleich Höhepunkt der Feiern zum 750. Jahrestag der Grundsteinlegung des gotischen Xantener Doms. Geleitet wird die Feier vom Kölner Kardinal Joachim Meisner, den Papst Franziskus eigens zu seinem Vertreter bei der Zeremonie ernannte.

Aus dem Mund älterer Niederrheiner klingt es bis heute nach: "Komm, wir fahren nach Santen." Santen? So ist im Mittelalter der seltsame Ortsname mit dem X entstanden: "ad sanctos", zu den Heiligen, pilgerte man. Ad sanctos - Santen - Xanten. Dort, wo laut Überlieferung der Märtyrer und römische Legionär Viktor begraben liegt, steht eine der zentralen Kirchen des Bistums Münster, ein weithin sichtbarer katholischer Leuchtturm in einem überwiegend protestantischen Territorium: die Stiftskirche St. Viktor.

Xantens Stellung sollte architektonisch gefestigt werden

Friedrich von Hochstaden hieß der Propst des Xantener Stifts, der den mächtigen Bau 1263 ins Werk setzte. Xantens Stellung als eines der führenden Stifte der Region sollte auch architektonisch gefestigt werden. Es galt, sich im gotischen Bauboom des 13. Jahrhunderts nicht den Rang von Bonn oder Köln ablaufen zu lassen, den anderen Orten der Thebäischen Legion.

Diese legendäre Legion aus dem 3./4. Jahrhundert bestand der Überlieferung nach aus christlichen Soldaten, die sich weigerten, gegen andere Christen zu kämpfen. Dafür erlitten sie und ihre Anführer auf ihrem Zug von St. Moritz bis ins Rheinland selbst als Glaubenszeugen das Martyrium - in Xanten laut der Legende die heiligen Viktor und Mallosus mit 330 Gefährten.

In der vergangenen Woche wurde der rund 100 Kilo schwere Viktorschrein, ein kunstvoll verziertes Reliquiar aus vergoldetem Silber, aus seiner Verankerung im Hochaltar gelöst. Ein Kölner Goldschmied ist seitdem damit beschäftigt, das oxidierte Silber gründlich zu reinigen und den mittelalterlichen Schrein wo möglich zu restaurieren. Am Sonntag wird dieser dann auf den Schultern von Trägern die Prozession bis hoch zum Fürstenberg absolvieren. Der Weg zu dem legendären Ort des Martyriums der Thebäer muss frei von Stolperfallen sein.

Tausende Schaulustige und Prozessionsteilnehmer werden in der Kleinstadt am Niederrhein erwartet, die in der Spätantike die drittgrößte römische Siedlung nördlich der Alpen war. Seit dem 8. Jahrhundert ist hier das Viktorstift verbürgt, eine geistliche Gemeinschaft, die durch Zustiftungen über weitreichenden Grundbesitz verfügte. Es ist vor allem diesem Wohlstand der Xantener Stiftsherren zu verdanken, dass der gotische Kirchenbau noch vor der Reformation fertiggestellt werden konnte.

Im Februar 1945 fielen weite Teile des Doms in Schutt und Asch

Bei Bombenangriffen am Ende des Zweiten Weltkriegs jedoch fielen im Februar 1945 weite Teile des Doms in Schutt und Asche. Zum Abschluss des Wiederaufbaus - Anlass der Viktortracht 1966 - wurde die Krypta als Gedenkstätte für die lokalen Märtyrer des Nationalsozialismus eingerichtet: die seligen Karl Leisner und Nikolaus Groß, Gerhard Storm, Heinz Bello und andere.

Spätestens seit der berühmten Xantener Predigt von Bischof Clemens August Graf von Galen, der 1936 der Gottlosigkeit der NS-Regierung den Mut und das Beispiel frühchristlicher wie zeitgenössischer Glaubenszeugen entgegenstellte, gehört dieses Gedenken fest zur Theologie des Xantener Doms. Propst Klaus Wittke: "Die Pilger und die Heiligen, die Lebenden und die Verstorbenen, die Bekenner von heute und von einst bilden hier eine Gemeinschaft im Gebet."

Von Andreas Brüggemann (KNA)

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