Ökumenischer Optimismus zum Auftakt der EKD-Synode
In Bonn hat am Wochenende die Tagung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) begonnen. Bis Mittwoch will das Kirchenparlament eine Bilanz der Feiern zum 500. Reformationsgedenken ziehen und über die Zukunftsperspektiven für die evangelische Kirche in einer säkularen Gesellschaft beraten. Zudem beschließt es den Haushalt der EKD; dabei sollen auch zusätzliche Mittel für die Mehrkosten des Reformationsgedenkens bewilligt werden. Die 120 Mitglieder der EKD-Synode repräsentieren 21,9 Millionen Protestanten in Deutschland.
Menschliche Begegnungen als "Triebkraft der Ökumene"
Zum Auftakt am Sonntag richteten sich die Blicke auf die Ökumene und das zu Ende gegangene Reformationsgedenken. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm meinte, "natürlich" gebe es auch nach dem Reformationsjahr 2017 noch gewichtige Hürden auf dem Weg zu einer sichtbaren Einheit in versöhnter Verschiedenheit. Diese seien aber "überwindbar und nicht notwendigerweise kirchentrennend". Eine gute Grundlage sei "das große wechselseitige Vertrauenskapital, das dieses Jahr gebracht hat, aber auch die Ermutigungen durch Papst Franziskus", betonte der bayerische Landesbischof. Menschliche Begegnung und das Vertrauen, das daraus wachse, seien eine "wichtige Triebkraft der Ökumene".
In der Flüchtlingsfrage räumte Bedford-Strohm Vermittlungsprobleme der kirchlichen Position ein. "Unsere öffentlichen Positionierungen zur Flüchtlingspolitik sind ganz offensichtlich von diesen Menschen als gesetzlich und moralistisch empfunden worden." Die Positionen halte er nach wie vor für richtig, auch wenn er wisse, dass es dazu auch in der Kirche unterschiedliche Auffassungen gebe. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) dankte den Kirchen für ihr Engagement in der Flüchtlingsfrage.
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki würdigte in einem Grußwort das Gedenkjahr als "positives Gegenbild" zu einer Geschichtsvergessenheit. Evangelische und katholische Christen stünden auf demselben "guten Grund". Darum könnten die Kirchen das Reformationsgedenken auch gemeinsam begehen: "Weil die Evangelische Kirche in Deutschland nicht Spaltung und Zwietracht zelebriert, sondern ein Fest Christi und seiner Gnade feiert, zu dem wir uns herzlich gerne haben einladen lassen." Als "ungeliebte ökumenische Gemeinsamkeit" benannte Woelki, "dass Gottes Wort in unserer Zeit seltener Frucht bringt und häufiger weggenommen wird, zugrunde geht und erstickt". Der Kardinal ging in seinem Grußwort nicht auf die Irritationen ein, die sein im Oktober veröffentlichter Aufsatz ausgelöst hatte, in dem er für mehr "Ehrlichkeit in der Ökumene" plädiert und vor vorschnellen Erwartungen eines gemeinsamen Abendmahls gewarnt hatte.
Sternberg: Gemeinsamkeiten nicht auf Abendmahl reduzieren
Aus Sicht des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat sich im Reformationsjahr ökumenisch "unglaublich viel getan". Die Wirkung dieses Jahres sei in der "säkularen Bedeutung der Ökumene" nicht zu unterschätzen. Mit Blick auf den geplanten Ökumenischen Kirchentag 2021 betonte Sternberg, Christen beider Konfessionen sollten sich davor hüten, Gemeinsamkeiten nicht allein in der Frage des Abendmahls zu sehen. "Wir haben eine Menge weiterer Fragen, die wir angehen müssen." Zunehmend würden die Kirchen nicht mehr als getrennte Kirchen wahrgenommen.
"Die Protestanten dürfen sich auch mal an dem freuen, was schön war", sagte Reformationsbotschafterin Margot Käßmann. Bei ihrer Bilanz verwies sie vor allem auf die Internationalität und Weltoffenheit der Veranstaltungen rund um den 500. Jahrestag von Martin Luthers Thesenanschlag. "Wir haben nicht gegen andere, sondern mit anderen gefeiert", sagte die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende. "Römische Katholiken, aber auch Reformierte, Orthodoxe, Mennoniten und Baptisten waren aktiv beteiligt." Sie hätten sich in eigenen Räumen präsentiert, mit täglichen Mittagsgebeten im Christuszelt und durch die Beteiligung an den inhaltlichen Veranstaltungen. Dies sei neu und ermutigend für die zukünftigen ökumenischen Gespräche und Beziehungen. (bod/KNA)