Offenbarung für Liebespaare
Als Lichtblick in einer von bedrückender Nachrichtenlage geprägten Zeit erschienen mir die Worte von Familienbischof Heiner Koch zu Ehe und Familie. "Ja, ihr seid Kirche", sagte er – und zeichnete im Interview nicht nur ein wiedererkennbares Bild der Wirklichkeit heutiger Beziehungen, sondern sprach davon, "wie wir junge Menschen begeistern können, sich das Sakrament der Ehe zu spenden".
Begeistern - da trifft Erzbischof Koch einen neuen, ungewohnten Ton. Denn als Mutter von Kindern, die sich in einem Alter befinden, das man früher als "heiratsfähig" beschrieben hätte, weiß ich, dass die Sehnsucht nach der geglückten, lebenslangen Beziehung ein wichtiges Thema für junge Leute ist. Dass die Kirche irgendetwas zu diesem Thema zu sagen haben könnte, ist den meisten jedoch fremd.
Anders ist es mit den Zeichen der Kirche: Ein jungverliebtes Paar erzählte neulich, es sei aus einer Intuition heraus zu einem Pfarrer gegangen, um sich segnen zu lassen. Einfach so. Dieser war völlig hilflos bei dieser Anfrage und suchte erst einmal in seinen Büchern, "ob dafür irgendetwas vorgesehen" sei. Da könnte etwas neue Spontaneität doch durchaus helfen. Die katholische Kirche könnte hier einiges von Freikirchen lernen, die schon Liebespaare einladen, um über Themen zu sprechen, die einen auf Wolke sieben interessieren. Die also nicht nur "Ehekurse" anbieten, sondern Veranstaltungen wie "Inputs für Verliebte", "Startersets für's neue Glück" und "Die Liebe vertiefen".
Im Zentrum dieser Kurse steht die Überzeugung, dass Liebe mit Gott besser gelingt als ohne. Dass in diesem Zusammenhang viele überhaupt zum ersten Mal von Gott erfahren, ist kein Nebeneffekt solcher Kurse, sondern missionarischer Auftrag. Dass sie von Laien, die selbst wissen, wovon sie sprechen, gegeben werden, macht sie umso interessanter. Dass sich in solchen Kursen, die überkonfessionell angelegt sind, auch viele katholische Pärchen finden, zeigt, dass katholischerseits hier noch eine Lücke klafft, die gefüllt werden sollte. Erzbischof Kochs Ausführungen gehen genau in diese Richtung. Gerade die gelassene Hinführung auf das sakramentale Verständnis der Ehe könnte nämlich für die Jugend der Postmoderne ein echter Bringer, oder kirchlich gesagt: eine Offenbarung sein.
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.