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Prälat Günter Assenmacher über den Umgang mit Missbrauch

Ohne Wenn und Aber

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Schachfigur
Bonn - Prälat Günter Assenmacher über den Umgang mit Missbrauch

Der Termin für "unser Pennsylvania" rückt näher. In drei Wochen sollen die Ergebnisse des sogenannten MHG-Forschungsprojektes auf den Tisch gelegt werden. Die Deutsche Bischofskonferenz hat diese interdisziplinäre Untersuchung 2013 in Auftrag gegeben. Die Personalakten aller in den Bistümern Deutschlands tätigen Priester, Diakone und männlichen Ordensleute wurden für einen bestimmten Zeitraum durchgesehen. Die unabhängige Forschergruppe hat die einschlägigen Akten daraufhin ausgewertet, was sie über sexuelle Gewalt durch Geistliche und den kirchlichen Umgang mit solchen Taten hergeben. Was sind die Ergebnisse? Wie werden sie gedeutet werden? Folgt auf die Aufdeckung der Skandale im Jahr 2010 und die damit verbundene Vertrauenskrise ein zweiter Tiefpunkt? Wie viel Zeit werden die Bischöfe haben, um dazu Stellung zu nehmen? Wie wird diese Stellungnahme aussehen?

Zwei Tage brauchte der Vatikan, um zu der Pressekonferenz der Grand Jury vom 15.August und ihrem erschreckenden Bericht über sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania Stellung zu nehmen. Was sagte der Vatikan dazu: vergogna e dolore, shame and sorrow, Scham und Trauer. Zwei Worte. Kein Wenn. Kein Aber.

Wenn und Aber, das geht hier gar nicht. So wichtig die differenzierte Beurteilung eines jeden einzelnen Falles ist und bleibt. Aber hier wären Wenn und Aber ein weitere Verletzung, ein weiterer Schlag ins Gesicht der Opfer; jener Menschen, die bislang meist gar nicht in den Blick kamen; die Jahre, Jahrzehnte brauchten, um den Mut zu finden, über das von ihnen Erlittene zu sprechen;  um die Sprache für das unsagbar Schlimme zu finden, das ihnen zugefügt wurde; Menschen, denen so oft selbst von ihren Nächsten nicht geglaubt, die von den Autoritäten nicht wirklich wahr- und ernstgenommen, sondern beiseitegeschoben wurden, weil die Kirche ihre Versäumnisse und ihre Pflicht ihnen gegenüber nicht erkannte, die Taten nicht offenlegte, die Täter nicht angemessen zur Rechenschaft zog und bestrafte, sondern vor allem eigenes Ansehen wahren wollte.

Da geht kein Wenn und Aber. Das muss man von Pennsylvania, von Chile, Irland und Australien lernen. Noch andere werden folgen. Scham und Trauer. Kein Wenn. Kein Aber.

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