Orientierung im Trend
Unter den rund 7.000 Ausstellern in diesem Jahr sind an die 100 christlichen Verlage. 35 von ihnen versammeln sich am Gemeinschaftsstand des "KM. katholischermedienverband". Hier finden die Besucher ein buntes Sammelsurium an Fachzeitschriften, zum Beispiel aus der Kunstgeschichte, Literatur, Sach- und Kinderbüchern. Aber auch Gebetbücher, die Neuausgabe zum Neuen Gotteslob oder Notensätze. Ein lilafarbenes Lavendelfeld schmückt "Ein Jahr voller Glück" von Anselm Grün, ein Porträt von Papst Franziskus gestaltet das Cover eines kleinen Gebetbuches für die Jackentasche. "Komm wir pilgern, Dein Jakobus" lautet die Aufforderung von Autor Peter Müller vor himmelblauem Hintergrund. Schließlich laden "50 Rezepte aus zwei Jahrtausenden" zum Kochen mit der Bibel ein.
Auch wenn es diese Vielfalt zunächst nicht erkennen lässt, so gibt es doch einige längerfristige Trends auf dem katholischen Buchmarkt. "Das sind Publikationen von und zu Papst Franziskus", weiß Konrad Höß, Geschäftsführer des KM. Er nennt die Titel "Gott ist immer für Überraschungen gut" oder Peter Hummels "Generation Franziskus": "Franziskus' Charisma und Blick für die Situation der Menschen weckt das Interesse vieler Leser." Das sei zwar nicht so ausgeprägt wie beim vorherigen Papst Benedikt XVI. Dies müsse jedoch vor folgendem Hintergrund verstanden werden: Mit Benedikt folgte ein deutschsprachiger Papst auf eine lange Amtszeit seines Vorgängers und löste damit einen "regelrechten Hype" aus. Darüber hinaus habe Franziskus nicht so viel publiziert wie sein Vorgänger, gibt Höß zu bedenken.
Brücke zu Kirchenfernen
Die Zunahme von Publikationen aus dem Bereich Lebenshilfe beobachtet der Geschäftsführer des Verbands bereits seit einigen Jahren. Die persönliche Lebensgestaltung, das "zu sich kommen", seien zentrale Themen. So finden Bücher zum Pilgern viele Leser. Aber auch Anregungen aus dem Ordensleben und seinen Regeln wie "Im Chaos Ordnung finden – Impulse aus der Tradition der Mönche" sind sehr nachgefragt. Auch bei kirchenfernen Lesern, bemerkt Höß. "In der Gesellschaft scheint es ein großes Bedürfnis nach Orientierung zu geben." Das erklärt einen weiteren, ebenfalls seit einiger Zeit andauernden Trend: Bücher von prominenten Personen oder Biografien, die Erfahrungen mit dem Glauben widerspiegeln. "Daran glaube ich. Christliche Standpunkte" heißt das Buch von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Das wäre vor zehn Jahren schon sehr außergewöhnlich gewesen", so Höß.
Glaube als Orientierungshilfe, als Brücke in die Gesellschaft auch zu jenen Lesern, die nicht eng mit der Kirche verbunden sind, versteht Höß als wünschenswerte Öffnung. Auch die großen Publikumsverlage, die nicht konfessionell gebunden sind, haben diesen Bereich mittlerweile für sich entdeckt. "Das ist natürlich positiv, dass sie das Thema unter die Leser bringen", findet Höß. Auf der anderen Seite wachse damit auch Konkurrenz für kleine katholische Verlage.
Und das bei der aktuellen wirtschaftlichen Lage, die nicht gerade "rosig" aussieht, wie es der KM-Geschäftsführer ausdrückt. Zumal mit der Insolvenz des Weltbild Verlages ein bedeutender Vertriebsweg weggebrochen sei. "Es ist schwieriger geworden für den Buchhandel und die Verlage." Es müsse knapper kalkuliert und schneller verkauft werden. Denn der Wettbewerb sei härter, gerade auch durch Buchketten oder Anbieter im Internet.
Bald Pilgerbuch mit App?
Doch an den Untergang des Buches angesichts der Digitalisierung glaubt Höß nicht. "Eine Prognose für die langfristige Entwicklung ist schwer." Er sehe aber eher eine Ausdifferenzierung in spezifische print- und onlineaffine Artikel. Hier fordert Höß einen Paradigmenwechsel im Denken der Verlage: "Ich kann nicht erst ein Buch machen und dann überlegen, was ich davon auf anderen Kanälen weiterverwenden kann." Es müsse mehr in Inhalten gedacht werden. Das heißt konkret ein Projekt mit Blick auf die "Ausspielkanäle" zu planen: welcher Inhalt eignet sich für welches Medium. "Zum Beispiel ein Pilgerbuch, das per App Informationen und Service vor Ort bietet und bei dem sich die Pilger über Social Media austauschen können", überlegt Höß.
Selbst für kleine Fachbuchhandlungen, bei denen Kompetenz und Beratung im Vordergrund stehen, sieht Höß trotz der großen Ketten gute Überlebenschancen. Dafür müssten sie sich auf ihr Selbstverständnis besinnen. Als Orte, zu denen die Menschen gerne kommen und sich wohl fühlen. Orte, die mehr als klassische Verkaufsstellen von Büchern sind. Dazu gehört: eine gute Atmosphäre und Möglichkeiten zum Austausch schaffen, kompetente Beratung liefern. Ökonomisch formuliert: Kundenorientierung und Kundenbindung. Als Vorbild nennt Höß den Klosterladen, der in die Region eingebettet ein authentisches Sortiment in einer angenehmen Umgebung bietet. "Orte des Besonderen" nennt sie der KMä-Geschäftsführer. Und als solche ein Konzept mit Perspektive – auch im Hinblick auf städtische Buchhandlungen und das Buch an sich.
Von Vanessa Renner
Der "KM. katholischermedienverband e.V." vereint rund 200 katholische Medienunternehmen, darunter Buchhandlungen, Buchverlage und Zeitschriftenverlage. Das Angebot reicht von Fachzeitschriften zu verschiedenen Gebieten über überregionale Tageszeitungen bis zu Mitgliedszeitschriften. Konrad Höß ist Geschäftsführer des KM.
Die Frankfurter Buchmesse öffnet am Wochenende ihre Tore für Privatbesucher. In den Messehallen stellen rund 7.000 Anbieter aus etwa 100 Ländern aus. Ehrengast ist in diesem Jahr Finnland. Bereits zur Eröffnung am Dienstagabend wurde der Gewinner des Deutschen Buchpreises, Lutz Seiler mit seinem Roman Kruso, bekanntgegeben. Die Messe endet mit der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, der in diesem Jahr an den Internetkritiker Jaron Lanier geht.