"Ort des Gebets und Gesprächs"
Pünktlich, wie angekündigt, an diesem Samstag - wenn sich auch die veranschlagten Kosten von ursprünglich 5,5 Millionen Euro nicht einhalten ließen. Schuld daran sind hauptsächlich aufwändige Sanierungsarbeiten, wie Architekt Michael Frielinghaus und Diözesanbaumeister Tilman Staudt betonen.
Ein Grund: Auf dem rund 1.000 Quadratmeter großen Areal befinden sich denkmalgeschützte Gemäuer, ihnen voran die Alte Vikarie. Jetzt erstrahlt auch das 500 Jahre alte, früher einsturzgefährdete Fachwerkhaus in neuem Glanz. "Die Mehrkosten hängen vor allem mit den archäologischen Arbeiten, mit der Sanierung der knapp 50 Meter langen historischen Stadtmauer und der beiden historischen Gebäude zusammen", sagt Staudt. Erst bei den Arbeiten sei der teils desolate Zustand der Häuser und der Mauern erkannt worden. "Mit diesen Mehrkosten konnten wir zu Beginn unserer Planungen nicht rechnen."
Wenn die Stimmung trotzdem eher dem tristen Wetter in diesem Frühsommer entspricht, hat das auch mit einem Beitrag zu tun, der Anfang der Woche in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erschien. Mit scharfer Zunge wird darin Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst angegangen. Im Mittelpunkt steht die angebliche Prunksucht des obersten Limburger Seelsorgers, seine persönliche Lebensführung und ein abgehobener Leitungsstil.
Entscheidung vor Amtsantritt
Zumindest im Fall des neuen "Diözesanen Zentrums", das auch als Versammlungs- und Veranstaltungsort dienen soll, scheinen diese Vorwürfe nicht zu greifen. Die Entscheidung für das Projekt, das Kritiker immer wieder als überzogen, klotzig oder pompös bezeichneten, fällte das Limburger Domkapitel bereits Anfang 2007 und damit vor dem Amtsantritt von Tebartz-van Elst.
Zudem stellt sich die Frage, wie das historisch bedeutsame Areal im Herzen der Limburger Altstadt und vis-a-vis des Domes anderweitig hätte genutzt werden können. Es sei "beispielhaft", was das Bistum aus dieser Situation gemacht habe, bekräftigte denn auch Architekt Frielinghaus immer wieder.
Warum diese Anstrengungen in der Vergangenheit trotzdem auf so wenig Sympathie stießen, hängt vor allem mit der Anfangsphase des Großprojekts zusammen, wie die Beteiligten einräumen. "Heute würde ein solcher Entscheidungsprozess ganz anders kommuniziert." Ab Herbst sollen Führungen über das Gelände auf dem Domberg stattfinden, erstmals am 5. September von 10.00 bis 20.00 Uhr.
Gespräche mit dem Bischof geplant
Dann haben interessierte Privatpersonen Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild zu machen - und zum Schluss sogar mit dem Bischof selbst zu sprechen. Das Zentrum sei ein "Ort des Gebets und der Eucharistie, des Gesprächs und der Gemeinschaft", sagt er. "Alle, die hier eintreten, sollen herzlich empfangen werden."
Journalisten hingegen müssen bisweilen mehrfach anklopfen, um Näheres über die Lage im Bistum zu erfahren. Zwar wurden sie am Freitag zum wiederholten Mal zu einer Begehung des "Diözesanen Zentrums" eingeladen. Aber wer im Vorfeld nach den tatsächlichen Kosten für den Bau oder näheren Details zu den Einweihungsfeierlichkeiten fragte, wurde ein ums andere Mal vertröstet.
Schließlich gab es dann doch am Freitag eine Pressemitteilung: Der Bau des Diözesanen Zentrums St. Nikolaus habe 9,85 Millionen Euro gekostet, hieß es. 2,5 Millionen Euro davon seien aus Mitteln des Bistums aufgebracht worden. "Die übrigen Kosten trägt der Bischöfliche Stuhl." Das Projekt auf dem Domberg ist so gut wie abgeschlossen.
Von Joachim Heinz (KNA)