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Michael Rentz über das Internetportal "nachhaltig-predigen.de"

Predigen mit "Umweltkurve"

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Ein Evangelium liegt auf dem Ambo.
Radolfzell - Bewahrung der Schöpfung, das Schonen natürlicher Ressourcen, eine gerechte Wirtschaft - all das sind Themen, die Christen oft bewegen. In Predigten finden diese Gedanken bislang zu wenig Resonanz, beobachten die Projektpartner von "nachhaltig predigen" aus 20 Bistümern und Landeskirchen sowie der von ihnen beauftragte Projektleiter Michael Rentz. Damit sich das ändert, koordiniert der selbstständige Wissenschaftler, Physiker und Philosoph seit 2011 das ökumenisch angelegte Internetportal www.nachhaltig-predigen.de . Im Interview erläutert er, wie es zu der Idee kam, die bundesweit Kreise zieht.

Frage: Herr Rentz, wie kam es zur Idee, "nachhaltige" Predigten anzubieten?

Rentz: Das Projekt "nachhaltig predigen" geht zurück auf eine Sitzung des Sachausschusses "Bewahrung der Schöpfung" im Bistum Mainz im Jahr 2005. Roland Horne, der Leiter der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz - eine Stabsstelle des dortigen Umweltministeriums, die sich um gesellschaftliche Kooperation bei der Nachhaltigkeit in Rheinland-Pfalz bemüht - hielt dort einen Vortrag und warb in kirchlichem Umfeld um Kooperation. Ich war damals Mitglied dieses Sachausschusses und griff die Idee gerne auf. Damals beklagten sich Pfarrer immer wieder, dass es zwar eine Leseordnung gebe, aber ohne Bezüge zum Umweltschutz. Das ergab den Denkansatz für "nachhaltig predigen".

Ein Mann sitzt an einem Computer.
Michael Rentz sitzt an einem Laptop.

Frage: Wer sind die Autoren?

Rentz: Bei uns schreiben Theologinnen und Theologen aus den am Projekt beteiligten Bistümern und Landeskirchen. Sie machen das unentgeltlich und in ökumenischer Eintracht. Das bedeutet: Wer die Predigtanregungen für einen bestimmten Sonntag übernimmt, schaut sich die evangelischen und katholischen Bibelstellen für den betreffenden Tag an und schreibt die Anregungen für die Seelsorger beider Konfessionen.

Frage: Im kommenden Kirchenjahr geht es bei Ihnen schwerpunktmäßig um "Suffizienz" - ein sperriger Begriff. Worum geht es genau?

Rentz: So viel vorweg: Die Predigtanregungen unserer Autoren orientieren sich nicht in erster Linie an dem jeweiligen Schwerpunktthema des Jahres. Denn das würde den Rahmen für die Bibelstellen zu eng stecken. Es handelt sich bei dem Schwerpunktthema um ein zusätzliches Informationsangebot des Portals. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Suffizienz "genügen", "ausreichen". Es liegt auf der Hand, dass eine global nachhaltige Entwicklung viel mit "immer mehr, immer schneller" zu tun hat. Suffizienz fragt zurück: Wie viel davon muss eigentlich zu einem guten Leben wirklich sein? Und wir fragen dazu: Was hat das mit unserem Christsein zu tun?

Frage: Ist es nicht schwierig, in jeder Predigt eine "Umwelt- und Nachhaltigkeitskurve" hinzubekommen?

Rentz: Das ist auch nicht der Sinn der Sache. Natürlich gibt es in der Leseordnung Bibelstellen, die mit dem Thema "Nachhaltigkeit" nichts zu tun haben. Die Autorinnen und Autoren schreiben nur zu den Bibelstellen, in denen sie einen Bezug erkennen. Dazu braucht es natürlich eine theologische Ausbildung, aber auch Erfahrung in den Bereichen Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung. Es bleiben trotzdem mehr als genug Bibelstellen übrig.

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