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Der zukünftige Erzbischof Stefan Heße hat sich seinem Bistum vorgestellt

Premiere für Heße

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Bonn/Hamburg - Von der Größe her müsste es passen", sagte Stephan Heße bei der Betrachtung seines künftigen Bischofsstuhls im Hamburger Mariendom. Mit einem schlichten "Moin" hatte er zunächst die vielen Fotografen vor der Kathedrale und schließlich die Gläubigen darin begrüßt, die zu seiner Vorstellung am Dienstag gekommen waren. Er sei überrascht gewesen, aber auch "innerlich berührt und aufgewühlt", sagte er anschließend über seine Wahl zum neuen Hamburger Erzbischof .

Bei seiner Vorstellung am Dienstag dankte er dem Domkapitel für das entgegengebrachte Vertrauen, das eine gute Grundlage für seinen Dienst sei. Und er dankte Papst Franziskus für die Ernennung. Er wolle "den Rückenwind nutzen", den Franziskus der Kirche durch seine Gedanken und Aufbrüche beschert habe, sagte Heße. Deshalb freue er sich auch, gerade durch diesen Papst zum Erzbischof ernannt worden zu sein.

"Ich danke ihm für die Impulse und möchte sie gerne auch in Hamburg fruchtbar werden lassen", sagte der 48-Jährige. Zum Beispiel beim Thema Ehe und Familie. Das habe Franziskus "für die Weltkirche angepackt". Die Entscheidungen der Synode im Herbst wolle er dann in die Pastoral mit einbringen. Zur Debatte um die wiederverheirateten Geschiedenen sagte der künftige Erzbischof: "Die jungen Leute sehnen sich nach festen Beziehungen." Sie spiegelten die Liebe und Treue Gottes zu den Menschen wieder. Wenn die Beziehungen dann zerbrächen, "gibt es keine einfachen schwarz-Weiß Antworten".

Heße will "transparent und gerecht sein", wenn er ab dem 14. März Erzbischof von Hamburg ist. Es gehe ihm darum, den Glauben zu erklären und zu begründen. Und gerade im säkularen Umfeld der Diözese sei es wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Glaube und Vernunft will Heße nicht gegeneinander ausgespielt wissen. Es gehe nicht darum, "den Verstand auf- und abzugeben", sagt er. Er wünsche sich für den Dialog "das klare und aufrichtige Wort" aller Beteiligten und dass die Menschen ihren Bischof nicht in Watte packen.

Den Journalisten sagte der bisherige Kölner Generalvikar, er habe den Eindruck, "in ein gut aufgestelltes Erzbistum kommen zu dürfen". Auch finanziell stehe das Bistum nicht schlecht da. Dennoch zähle es aber zu seinen dringlichsten Herausforderungen, sich mit dem Überschuss an Kirchengebäuden zu beschäftigen, die nicht alle unterhalten werden könnten. "Das bedeutet einen Aderlass." Gebäude seien jedoch nicht das wichtigste, sondern lediglich Mittel zum Zweck. "Wir müssen eine Kirche sein, an der deutlich wird, dass sie zu dem steht, was sie glaubt und dass sie Freude daran hat."

Ein Schlagwort ist für Heße daher die Neuevangelisierung. Die Botschaft der Kirche sei wichtig für die Menschen. Sie vermittle Sinn, Hoffnung, Perspektive. "Wir wollen jedem diesen Sinn anbieten, ihn aber nicht zum Glauben zwingen." Doch sei dieser Sinn auch keine abstrakte Antwort. Es gehe darum, "Christus lebendig zu halten im Tun", so der neue Erzbischof. Zum Beispiel durch den caritativen Dienst an den Menschen.

Deshalb ging Heße auch auf die Rolle seines künftigen Bistums in Sachen Flüchtlingspolitik ein. Neben Hamburg gebe es auch große Städte wir Rostock und Kiel, die "Tore zur Welt" seien. "Die Menschen, die hierherkommen, können uns nicht egal sein", so der neue Erzbischof. Kirche müsse sich daher auf die Seite der Flüchtlinge stellen. Mit Blick auf die Pegida-Demonstrationen sagte der bisherige Kölner Generalvikar: "Ausgrenzung, wie manche sie heute propagieren, löst das Problem in keiner Weise."

Als neuer Oberhirte einer Diaspora-Diözese stehen für Heße auch die Ökumene und der interreligiöse Dialog im Vordergrund: "Ökumene wird hier wie selbstverständlich praktiziert. Die bestehenden Kontakte möchte ich daher weiterführen." Wenn man Seite an Seite stehe, könne man Dinge sagen, die sonst nicht gehört würden. Und wenn die Kanzlerin sage, dass der Islam zu Deutschland gehöre, dann werde es Zeit, den Islam und andere Religionen besser kennenzulernen.

Er selbst wolle "nur sich selbst mitbringen" nach Hamburg, betonte Heße. Was das bedeutet: "Mir liegt sehr an einer geistlichen und theologischen Note." Sein Impulsgeber sei der Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar gewesen, über den er auch promovierte. "Ich habe meine Doktorarbeit über Berufung geschrieben", sagt er. Vieles von dem, was er dort geschrieben habe, begleite ihn seitdem. Er wolle als Priester ein geistlicher, betender Mensch sein, der "mitteilt, was er selbst empfangen hat". Denn eine Theologie, "die nicht geistlich ist und ins Gebet verläuft, ist unnütz und verfällt".

Sein "Ja" zu Hamburg nun zu leben, definierte Heße als eines seiner ersten Ziele. Vielleicht für die nächsten 27 Jahre, wenn die Gesundheit mitspiele. Dann wird der künftige Hamburger Erzbischof 75 Jahre alt und muss aus Altersgründen sein Rücktrittsgesuch einreichen. Doch auch danach hat das Erzbistum noch ein Plätzchen für Heße frei. Vielleicht nicht mehr auf dem Bischofsstuhl, dafür aber in der schönen Krypta des Mariendoms, wie Dompropst Franz-Peter Spiza mit nordisch kühlem Humor anbot.

Von Björn Odendahl

Das Erzbistum Hamburg in Zahlen

Gründung: 1995Fläche: 32.489 QuadratkilometerKatholiken: 399.771 (7 Prozent der Gesamtbevölkerung im Erzbistum)Gottesdienstteilnehmer: 37.101 (9,3 Prozent)Taufen: 2.244Erstkommunionen: 2.277Firmungen: 1.306Trauungen: 600Bestattungen: 2.112Eintritte und Wiederaufnahmen: 318Austritte: 5.812 Quelle: Katholische Kirche in Deutschland. Zahlen und Fakten 2013/14) , Daten: Jahreserhebung 2013

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