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Gartenschau-Beauftragter Everdiking über Religionen auf der igs

"Raus aus den Kirchenmauern"

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Hamburg - Am Sonntag endete die "internationale gartenschau 2013" (igs) in Hamburg. Erstmals hatten sich die fünf großen Weltreligionen Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus beteiligt. Der Beitrag von katholischer und evangelischer Kirche war ein "Lebenspfad" mit sechs Stationen von Geburt und Taufe über Firmung bzw. Konfirmation, das Mahl, und Ehe und Partnerschaft bis zum Tod. Der Beauftragte des Erzbistums Hamburg, Claus Everdiking, zog im Interview eine positive Bilanz.

Frage: Herr Everdiking, wie zufrieden sind Sie nach mehr als fünf Monaten mit dem Kirchen-Engagement auf der igs?

Everdiking: Sehr zufrieden. Mögen auch die Besucherzahlen hinter den Erwartungen der Veranstalter zurückgeblieben sein - wir messen unseren Erfolg nicht an wirtschaftlichen Zahlen. Der christliche "Lebenspfad" hatte unzählige Besucher, die begeistert waren von dem Konzept. Unser Ziel war es, die Relevanz des Glaubens für das Leben aufzuzeigen, von der Taufe bis über den Tod hinaus. Das ist uns eindrucksvoll gelungen. Zudem hatten wir 550 Veranstaltungen im "Garten der Religionen", darunter 400 Andachten und Gottesdienste und 26 "Lebenspfad"-Gespräche mit Prominenten wie Erzbischof Werner Thissen, Bischöfin Kirsten Fehrs, Alt-Bürgermeister Henning Voscherau oder Schauspieler Sky du Mont.

Frage: Was kam mehr und was weniger an?

Everdiking: Die Neugier der Besucher war auf alle Gärten groß. Aber lassen Sie mich für unseren Garten sprechen. Hier hat den Gästen gefallen, dass sie jederzeit Ansprechpartner hatten, die ihnen die Symbolik erklären und Fragen zum Glauben beantworten konnten. Wir hatten rund 200 ehrenamtliche Mitarbeiter im Einsatz, die jeweils für etwa eine Woche hier waren. Das ist gut angekommen. Wer wollte, konnte nach dem Durchlaufen des Pfades ein Segensbändchen am Arm mit nach Hause nehmen. Wir haben 50.000 Stück davon verteilt. Etwas weniger Zuspruch hatte vielleicht der Paradiesgarten der Muslime. Zwar war das Engagement der Islam-Verbände bei den Vorbereitungen gut. Während der igs aber ist es nicht gelungen, den Garten mit Leben zu füllen.

Frage: Wie lief die Kooperation unter den Religionen insgesamt?

Everdiking: Die Kooperation war durchweg gut. Wir haben ja schon im Vorfeld vier Jahre am Konzept gearbeitet und dabei viel voneinander gelernt. Und das hat sich bei der igs fortgesetzt. Jeder kennt zwar seine eigene Religion ganz gut, aber weiß so gut wie nichts von den anderen Religionen. Das ist anders geworden. Wir haben mehr Verständigung und Toleranz geschaffen.

Claus Everdiking ist der Gartenschau-Beauftragte des Erzbistums Hamburg.

Frage: Wie haben sich die geringer als erwarteten Besucherzahlen ausgewirkt?

Everdiking: Auf die Kooperation untereinander und mit den Veranstaltern der igs gar nicht. Als Religionsvertreter fühlten wir uns sehr willkommen auf der Schau. Die Stimmungslage der igs-Mitarbeiter war aber nicht immer so gut, das haben wir gemerkt. Finanziell kommen wir auch gut weg. Jede Religionsgemeinschaft hatte 40.000 Euro von der igs zur Gestaltung ihres Gartens erhalten. Darüber hinaus haben evangelische und katholische Kirche sich die Kosten je zur Hälfte geteilt. Und wir sind so gut ausgekommen mit dem Geld, dass wir sogar einen Teil wieder zurückzahlen können. Das ist auch ein Ergebnis des großen ehrenamtlichen Einsatzes.

Frage: Hat das gemeinsame Engagement von katholischer und evangelischer Kirche Auswirkungen auf die Ökumene in der Stadt?

Everdiking: Für uns Christen in Hamburg ist es wichtig, das Gottesgedächtnis gemeinsam wach zu halten. Glaubwürdig sind wir dabei nur, wenn wir gemeinsam auftreten. Das ist schon seit langem Praxis. Das praktizieren wir auch auf den Hochzeitstagen oder wenn wir Katholiken uns beim Evangelischen Kirchentag wie im Mai beteiligen. Insofern war die igs ein weiterer Meilenstein für die Ökumene in Hamburg.

Frage: Ist ein "Lebenspfad" auf der igs eine moderne Form der Verkündigung?

Everdiking: Als Christen müssen wir raus aus den Kirchenmauern. Wir müssen für jedermann ansprechbar sein. Mit dem Garten auf der igs hatten wir die Chance, Wesentliches aus dem christlichen Glauben zu erzählen. Die Chance haben wir, wie ich denke, gut genutzt. Das Team der nächsten Gartenschau 2015 in der Havelregion war schon hier, um von unseren Erfahrungen zu lernen.

Frage: Es gibt eigens für den "Lebenspfad" geschaffene sakrale Kunstwerke wie ein Glas-Kreuz und eine Plexiglastafel mit dem Vaterunser in 80 Sprachen. Was passiert damit?

Everdiking: Das Ökumene-Kreuz wird künftig in der Hauptkirche St. Petri stehen, die auch unsere Ökumene-Kirche in Hamburg ist. Die Vater-Unser-Wand geht ins Benediktinerkloster Nütschau. Und den aus Hölzern verschiedener Kirchengemeinden geschaffene Mahltisch, an dem wir zahlreiche Andachten gefeiert haben, bekommen die Alsterdorfer Anstalten.

Frage: Was machen Sie ab kommenden Montag?

Everdiking: Ich bin stellvertretender Leiter der Stabsstelle Medien im Erzbistum Hamburg. Als solcher gebe ich auch das Magazin "Katholisch in Hamburg" heraus. Außerdem bin ich verantwortlich für die Nacht der Kirchen hier, für die ökumenische Impulsreihe St. Petri und muss mich um die Präsentation des Erzbistums beim Katholikentag 2014 in Regensburg kümmern.

Das Interview führte Johannes Schönwälder (KNA)

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