Recollectio-Haus mit weiteren Vorwürfen konfrontiert
Nach den Vorwürfen gegen Anselm Grün und das Recollectio-Haus richtet der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz neue Vorwürfe gegen das Haus. Der Beirat habe in den vergangenen Wochen "verschiedene Hinweise" erhalten, heißt es in einer Pressemitteilung. Demnach könnte es sich "bei dem geschilderten Fall um keinen Einzelfall gehandelt haben".
Außerdem habe der Betroffenenbeirat laut der Mitteilung auch Schilderungen über "anderweitige mutmaßliche Missstände im Kontext von sexuellem Missbrauch" im Recollectio-Haus bekommen. Der Beirat habe das Recollectio-Haus und besonders Grün um ein persönliches Gespräch gebeten. "Die Verantwortlichen lehnten dieses Angebot allerdings ab und bestanden auf der schriftlichen Vorlage der bestehenden Vorwürfe", heißt es in der Mitteilung. Auf Anfrage von katholisch.de teilte die Abtei Münsterschwarzach mit, sie habe sich offen für einen Austausch gezeigt. Auf die Bitte, die "zu klärenden Fragen bzw. Themenfelder schriftlich zu benennen", habe der Beirat nicht reagiert. "Bei der Abtei Münsterschwarzach hat prinzipiell die Bereitschaft bestanden, auch persönliche Gespräche zu führen."
Die Abtei Münsterschwarzach teilte zudem mit, dass ihr aktuell "keine Informationen über Missbrauchsfälle von Minderjährigen" vorlägen. "Sollte sich dies ändern, prüfen wir selbstverständlich den entsprechenden Sachverhalt."
Betroffenenbeirat will Vorwürfe an Wilmer weitergeben
Der Betroffenenbeirat plant laut der Mitteilung, die Vorwürfe nun an Bischof Heiner Wilmer als Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz weiterzugeben und ihn um "Aufklärung durch unabhängige Fachleute" zu bitten. Bis zur Überprüfung halte der Betroffenenbeirat es "nicht für sinnvoll", die Einrichtung "weiterhin mit Kirchensteuermitteln zu fördern sowie kirchlichen Mitarbeitenden den Aufenthalt dort zu empfehlen".
Im September waren Vorwürfe gegen Pater Anselm Grün als Geistlichen Leiter des Recollectio-Hauses aufgekommen. Diese kamen aus dem Jahresbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn. Demnach hatte sich in den 1990er Jahren im Recollectio-Haus, das zur Benediktinerabtei Münsterschwarzach gehört, ein mutmaßlicher Missbrauchstäter aufgehalten. Das verstieß damals noch nicht gegen die Aufnahmeregelungen.
Grün habe jedoch nach dessen Aufenthalt gegenüber dem betroffenen Bistum einen erneuten Einsatz des beschuldigten Priesters für möglich gehalten. Der Benediktiner bestritt den Vorwurf zunächst. Später räumte die Abtei Münsterschwarzach ein, dass es den Fall gegeben habe. Die Leiterin des Hauses, Corinna Paeth, sagte zu dem Vorfall, Grün habe für die Einschätzung damals nicht alle Informationen gehabt. Auch der frühere Leiter des Hauses, Wunibald Müller, zu dessen Zeit sich der Vorfall ereignete, verteidigte Grün.