Remenyi: Beschränkung der Weihe "nicht nur irrig, sondern toxisch"
Der Fundamentaltheologe Matthias Remenyi sieht die theologischen Argumente für die Begrenzung des Weihesakraments auf heterosexuelle Männer als "irrig" und "toxisch" an. In einem Beitrag für das aktuelle Themenheft der Zeitschrift "Herder-Korrespondenz" stellt der Würzburger Theologe fest, dass die zentralen Argumente für die Weihevoraussetzungen seit langem ausgetauscht sind. "Es handelt sich jeweils längst nicht mehr um eine Frage des theologischen Wissens, sondern der handlungsleitenden Rezeption von Wissen. Es geht längst nicht mehr um das bessere Argument. Es geht um Diskurshoheit und Macht", so Remenyi.
Grundsätzlich sei zu fragen: "Was ist von einem sakramentalen Zeichen – sei es die Maskulinität, sei es die Heteronormativität des Geweihten – zu halten, das von der Mehrzahl der Menschen nicht nur nicht mehr verstanden, sondern auch als diskriminierend wahrgenommen wird?" Zwar wiesen lehramtliche Texte zurück, dass es sich bei der Weihe um Diskriminierung handle. Das überzeugt Remenyi aber nicht: "Wer wollte allen Ernstes behaupten, ein homosexueller Mann sei nicht in der Lage, korrekte Beziehungen zu Männern und Frauen aufzubauen?", greift er ein Argument für den Ausschluss heraus. Die dahinterliegende Theologie befördere Heuchelei und Doppelmoral, "weil völlig zu Recht und aus guten Gründen homosexuelle Männer in großer Zahl geweiht werden und ein guter Teil unseres Klerus selbstredend schwul ist".
Auch bei der Frage nach der Weihe von Frauen konstatiert Remenyi Diskriminierung: Wenn es keine hinreichend guten theologischen Gründe gebe, Frauen die sakramentale Weihe zu verweigern, dann sei "ein Festhalten an dieser Weigerung als eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung einzig aufgrund des Geschlechts" einzuordnen. "Leider wird man auch für weite Teile der bis heute wirksamen misogynen theologischen Tradition das Attribut toxisch in Anschlag bringen müssen, insbesondere was die subkutan immer noch virulente sexualisierte Geschlechtermetaphysik und das damit verbundene patriarchale Gottesbild anbelangt", so Remenyi weiter.
Traditionsargumente verfangen nicht
In seinem Beitrag geht der Fundamentaltheologe auf drei zentrale Argumente gegen die Weihe von Frauen ein, die in der von Papst Paul VI. (1963–1978) approbierten Erklärung "Inter insigniores" (1976) angeführt werden: der positive Stifterwille Jesu, die Praxis der Apostel und die durchgängige Lehrmeinung der Kirche. "Jedes dieser drei Argumente ist hochgradig umstritten", betont Remenyi. Es ließe sich nicht nachweisen, dass für die jesuanische und apostolische Praxis "mehr als nur unhinterfragt übernommene kulturelle Gepflogenheiten maßgeblich gewesen sein" könnte, zumal es ein unzulässiger Anachronismus sei, den Kreis der zwölf Apostel mit dem sich erst im Laufe der Jahrhunderte entwickelnden kirchlichen Amtspriestertum gleichzusetzen.
Als entscheidenden Grund für den Ausschluss macht Remenyi eine "zutiefst misogyne Tradition" aus, die Frauen als minderwertig und nur mittelbar gottesebenbildlich gesehen habe. Erst in jüngster Vergangenheit sei diese Begründung durch das Argument ausgetauscht worden, dass das Geschlecht des Priesters "notwendiger Ausdruck der sakramentalen Repräsentanz sei, weil zwischen sakramentalem Zeichen (dem Priester) und dem Bezeichneten (Christus) eine natürliche Ähnlichkeit (similitudo naturalis) gegeben sein müsse". Noch in "Inter insigniores" sei dieses Argument als nachrangig betrachtet worden. Wenig überzeugend findet Remenyi auch metaphorische Deutungen, die Christus als Bräutigam sehen, der seiner Braut, der Kirche, gegenübertritt. Das sei nur eines "von vielen Kirchenbildern und weder historisch noch systematisch von besonderer Bedeutung", so der Theologe. Zudem werde die Brautmetaphorik in der Schrift und in der Tradition deutlich fluider und Geschlechterstereotype aufbrechend verwendet.
Nach geltender Lehre der Kirche kann die Weihe nur ein getaufter Mann empfangen. Der Katechismus begründet diese Lehre damit, dass Jesus "Männer [viri] gewählt [hat], um das Kollegium der zwölf Apostel zu bilden […], und die Apostel taten das gleiche, als sie Mitarbeiter wählten". Papst Johannes Paul II. (1978–2005) stellte in seinem Apostolischen Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" (1994) fest, dass "die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben".