Ruf nach Glaubensfreiheit in aller Welt
In Deutschland forderten die Bischöfe am Karfreitag mehr Einsatz für weltweite Gerechtigkeit und Religionsfreiheit. Es könne keinen Frieden zwischen den Religionen geben, "wenn wir nicht gemeinsam für die Religionsfreiheit aller Menschen eintreten", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in München.
Kriege, Hunger, Terror
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bezeichnete den Karfreitag als eine Generalabsage an jegliches Töten von Menschen. Wer glaube, im Namen Gottes töten zu müssen, könne sich nicht auf Gott berufen.
Der Karfreitag steht im Zeichen des Leides und erinnert an die Kreuzigung Jesu. Die Liturgie an Karfreitag ist in ihrer Form im Kirchenjahr einmalig.
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann verwies auf die Kriege in Nahost, den Hunger in Afrika sowie Terror in Europa. Trotz allem Schmerz könne der Karfreitag mit der Erinnerung an den Tod Jesu aber zum "Hoffnungstag ganz eigener Art" werden. Gott wolle auch den Mensche nahe sein, die heute mit Gewalt und Tod konfrontiert seien.
An die jüngsten Anschläge in Ägypten erinnerte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Alle Christen sollten die Stimme erheben für die Achtung der Religionsfreiheit und die Würde der Person.
Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße rief die Gläubigen dazu auf, zu ergründen, aus welcher Wahrheit heraus sie ihr Leben und die Gesellschaft gestalten wollen. Es gebe "genügend Beispiele dafür, wie die Wahrheit verstellt oder entstellt wird, durch vermeintliche Wahrheit, durch falsche Wahrheit, durch gefakte Positionen", sagte er beim ökumenischen Kreuzweg in Lübeck.
Mit der Frage nach der Wahrheit setzte sich im Limburger Dom auch Weihbischof Thomas Löhr auseinander. Angesichts der neuen Medien könne heute alles gesagt und geschrieben werden. Doch Wahrheit und Unwahrheit stünden nie auf einer Stufe. "Fakten dürfen nicht verdreht, Personen nicht manipuliert und Gut und Böse, Wahrheit und Lüge nicht relativiert werden. Je bedrohlicher die Weltlage, umso mehr gerät die Wahrheit unter die Räder", so Löhr. Das erste Opfer des Krieges sei immer die Wahrheit.
Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck mahnte mehr Beteiligungsgerechtigkeit an. Heute gehe es darum, "den Gerechtigkeitsverlierern, den Armen am Rand, zu helfen", sagte er bei einem Kreuzweg auf der Halde Prosper Haniel in Bottrop.
Im Augsburger Dom ermutigte Weihbischof Anton Losinger die Christen, groß vom Menschen zu denken. Es sei christliche Überzeugung, dass die menschliche Würde in Gott ihren Ursprung habe. "Und wer Gott vergisst, der vergisst in Kürze auch den Menschen und seine Würde", warnte er in Anspielung auf den Terror im Nahen Osten.
In Würzburg sagte Bischof Friedhelm Hofmann, dem Geheimnis des Karfreitags könne man sich nur annähern, "wenn wir Gott sein Anderssein und sein Andershandeln zutrauen". Das Geschehen solle nicht nur zum Mitleiden und zu konsequenzloser Anteilnahme führen, sondern zum "Erahnen der unendlichen göttlichen Liebe".
Nicht abstumpfen
Nach Worten des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, kann der Karfreitag lehren, "gegenüber dem Leiden der Menschen in der Welt nicht abzustumpfen, sondern dem Horror von Sterben und Gewalt an viel zu vielen Orten dieser Erde ins Gesicht zu schauen". Auch wenn es schwierig sei, sollten Christen "das Leiden der Menschen im persönlichen Umfeld wahrnehmen", es aushalten und mittragen, schreibt er in seiner Feiertagsbotschaft. (gho/KNA)