Ruf nach Offenheit
Ausdrücklich dankte der Mainzer Bischof dem von Papst Franziskus nach dem Rücktritt von Tebartz-van Elst als Leiter des Bistums Limburg eingesetzten Weihbischof Manfred Grothe für Offenheit und Ehrlichkeit. Mit Grothe habe man einen Mann gefunden, der "den Karren wieder aus dem Dreck ziehen" könne. Dieser leitet das Bistum seit dem 26. März, dem Tag des Rücktritts von Tebartz-van Elst.
Grothe sieht seine Aufgabe als "Geschenk"
Grothe seinerseits bezeichnete seine Aufgabe als ein "Geschenk im besonderen Sinne". Er erlebe, dass das Bistum Limburg weit mehr sei als negative Schlagzeilen rund um eine Badewanne, sagte der Paderborner Weihbischof. Er wisse nicht, so Grothe, wie lange er Apostolischer Administrator des Bistums Limburg sein werde. Aber seine Zeit sei begrenzt. Er wolle sie dazu nutzen, dass die Menschen im Bistum wieder zur Freude am Glauben fänden.
Zum Podiumsthema betonte Grothe in seiner Begrüßung der rund 150 Gäste des Empfangs, die Kirche brauche die Beobachtung durch die Medien. Er unterstrich, der Kirche wie den Medien gehe es um ein menschenwürdiges Leben. Wo dieser Auftrag verfehlt werde, brauche es Korrekturen auf der einen wie auf der anderen Seite.
DBK-Sprecher: Image der Kirche ziemlich angekratzt
In einem "Impuls" zum Auftakt des Empfangs äußerte ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler, das Interesse an Themen rund um die Institution Kirche halte sich in Grenzen. Hier müssten die Kirche und die Gläubigen selbst gegensteuern. Die Kirche brauche die Medien dringender denn je, so Himmler. Dem Papst bescheinigte er, die Bedürfnisse einer vernetzt kommunizierenden Welt erkannt zu haben. Durch starke Zeichenhandlungen mache Franziskus verständlich, wie er sein neues Amt verstehe, nämlich dienend, menschlich und dialogisch.
In einer vom früheren Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", Hans Werner Kilz, moderierten Diskussionsrunde räumte der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, ein, das Image der Kirche in Deutschland sei ziemlich angekratzt. Er bescheinigte ihr zugleich, sie habe schon vor dem Fall Tebartz-van Elst gelernt, sich der Wahrheit zu stellen.
Florin: Kirche nicht vollständig erklärbar
Der Ressortleiter der "Rhein-Main-Zeitung" der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Peter Lückemeier, sagte, die Angst vor Medien sei nirgendwo so weit verbreitet wie bei Gewerkschaften und Kirche. Mit Blick auf die Berichterstattung in Sachen Tebartz-van Elst sagte der Chefredakteur des Hessischen Rundfunks (HR), Alois Theisen, es habe Auswüchse gegeben. Es gebe aber keinen Sittenverfall in den Medien.
Die Redaktionsleiterin der Zeit-Beilage "Christ und Welt", Christiane Florin, verwies auf die mystische Dimension von Kirche. Sie biete manchmal ganz großes Gefühls-Kino und habe oft auch einen "Rest Unerklärbarkeit", den auch die Medien nicht ganz aufschlüsseln könnten. Im Hinblick auf die Affäre Tebartz-van Elst sagte sie, Journalisten sollten keine psychologischen Ferndiagnosen stellen. Kernaufgabe der Medien sei Aufklärung von Verfehlungen. (luk/KNA)