Schneider tritt zurück
Schneider, seit 2010 oberster Repräsentant von 23,4 Millionen evangelischen Christen in Deutschland, begründete seinen Schritt mit persönlichen Gründen: "Die Begleitung meiner an Krebs erkrankten Frau macht diesen Schritt unerlässlich. Unserem gemeinsamen Weg will ich alle Zeit widmen", sagte er. Anne und Nikolaus Schneider sind seit 1970 verheiratet und haben drei Töchter. Die jüngste Tochter Meike starb 2005 an Leukämie. Sie hinterließ ein Tagebuch, in dem sie ihren Gefühlen während ihres Kampfes gegen den Krebs und ihrer unbändigen Freude am Leben Ausdruck gibt. Über das Leiden und den Tod seiner Tochter schrieb Schneider zusammen mit seiner Frau ein Buch.
Der in Duisburg geborene Schneider war bis 2013 auch Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und gehört seit 2003 dem Rat der EKD an. Wirtschafts- und Sozialethik, Ökumene von evangelischer und katholischer Kirche sowie der Dialog der Religionen stellen Schwerpunkte seines theologischen und kirchlichen Arbeitens dar. Von 1977 bis 1984 war er Pfarrer in Duisburg-Rheinhausen, wo er sich für die Erhaltung von Arbeitsplätzen in der Kohle- und Stahlindustrie einsetzte. 2012 wurde Schneider mit der Buber-Rosenzweig-Medaille, 2013 mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet.
Kardinal Marx zeigt sich betroffen und dankt für die Zusammenarbeit
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, zeigte sich nach der Ankündigung des Rücktritts zutiefst betroffen. "Die kommenden Monate sind sehr schwer, und da wollen Nikolaus und Anne Schneider Zeit füreinander haben. Davor habe ich großen Respekt", erklärte Marx am Montag in Bonn. Mit beiden sei er seit vielen Jahren herzlich verbunden und schätze sie als aufmerksame Gesprächspartner und treue Wegbegleiter.
"Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz bin ich dankbar für die bisherige Zusammenarbeit mit dem Ratsvorsitzenden der EKD", sagte der DBK-Vorsitzende. Es sei gut, dass man noch einige Monate habe, in denen ökumenische Fragen erörtert werden könnten. Schneider sei "ein verlässlicher Brückenbauer in der Ökumene". Für das vertrauensvolle Verhältnis sei der Münchener Erzbischof dankbar. "Mein Gebet wird ihn und seine Familie, vor allem seine Frau, begleiten."
Die Spitzen der EKD reagierten mit Bedauern und Respekt. Der stellvertretende Ratsvorsitzende, Landesbischof Jochen Bohl, dankte Schneider zugleich für seine Bereitschaft, gemeinsam in den kommenden Monaten einen geordneten Wechsel im Amt des Ratsvorsitzenden vorzubereiten. Bohl kündigte an, dass Mitglieder des Rates ab sofort Termine des Ratsvorsitzenden zur Entlastung von Schneider übernehmen werden. Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, erklärte: "Unsere Gedanken und Gebete begleiten Anne und Nikolaus Schneider in der kommenden Zeit."
Glück: Schneider "ein wichtiger Partner"
Mit Betroffenheit und großem Respekt hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, die Rücktrittsankündigung des Ratsvorsitzenden aufgenommen. "Wir haben über viele Jahre sehr vertrauensvoll mit Nikolaus Schneider zusammengearbeitet. Dafür möchten wir ihm herzlich danken", sagte Glück in Bonn. Er sei stets ein aufrichtiger Partner im ökumenischen Dialog gewesen, nicht zuletzt bei der Vorbereitung und Durchführung des 2. Ökumenischen Kirchentags in München 2010. Er sei aber auch ein wichtiger Partner im Gespräch der Christen mit Gesellschaft und Politik, "gerade in so wichtigen Fragen wie dem Schutz der Menschenwürde und der sozialen Gerechtigkeit", erklärte der ZdK-Präsident. "Wir wünschen dem Ehepaar Schneider für die schwere, vor ihnen liegende Zeit viel Kraft aus dem Glauben und Gottes Trost und Segen.
Als "verlässlichen Partner und wahren Freund" würdigte der Zentralrat der Juden in Deutschland Schneider. Die Nachricht und die traurigen Umstände des Rücktritts habe er "mit sehr großer persönlicher Betroffenheit zur Kenntnis genommen", teilte Zentralratspräsident Dieter Graumann in Berlin mit. "Wir, die jüdische Gemeinschaft, haben mit dem Ratsvorsitzenden immer gut und besonders vertrauensvoll zusammengearbeitet", betonte Graumann. "Seiner Frau und ihm wünschen wir von Herzen für die kommende Zeit viel Kraft und Zuversicht." (bod/KNA/dpa)