Schwere Stunden im Verlag
Wenn die Mitarbeiter der Bereiche Verwaltung und Logistik das Angebot zum Wechsel in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft annehmen, müssten derzeit keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden, sagte Geiwitz. Am Standort Augsburg sind derzeit knapp 1.800 Mitarbeiter tätig; mehr als jeder Zehnte hat schon von sich aus gekündigt. Dauerhaft sollen rund 1.000 Mitarbeiter bleiben.
Bereits am Freitag werde 582 Beschäftigten das Angebot gemacht, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, bestätigten am selben Tag die Arbeitnehmervertreter. Wer sich bis 28. März dafür entscheide, werde nicht gekündigt und behalte seine Sozialleistungsansprüche. Bis Spätherbst könnten weitere 74 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Wer in die Transfergesellschaft wechsle, könne bis zu 90 Prozent seines bisherigen Nettogehaltes erhalten. Üblicherweise liege die Höhe nur bei 60 bis 70 Prozent, führte der Rechtsanwalt des Betriesrates, Michael Huber, aus.
Betriebsrat dankt den kirchlichen Gesellschaftern
Der Weltbild-Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz dankte zugleich den kirchlichen Gesellschaftern. " Die katholische Kirche hat ihr Wort gehalten und unterstützt die Mitarbeiter , die ausscheiden und die im Unternehmen verbleiben, mit ihrem Geld." Die Mittel sollen demnach in einen Treuhandfonds fließen, mit dem Abfindungen und Maßnahmen der Transfergesellschaft ermöglicht werden. Mit den Gesellschaftern sei ein Höchstbetrag in zweistelliger Millionenhöhe vereinbart worden, der bei unter 40 Millionen Euro liege.
Der Augsburger Verdi-Sekretär Thomas Gürlebeck betonte: "Das ist das Maximale, was wir erreichen konnten." So werde das Callcenter nicht wie geplant abgebaut, sondern fortgeführt, wenn auch mit weniger Personal. Ein Erfolg sei es aus Sicht der Gewerkschaft, dass auch in der Führungsriege Einschnitte erfolgen sollen. Geiwitz nannte die personelle Verkleinerung im Logistik-Bereich nur einen ersten Schritt.
Insolvenzverwalter: "Vorsichtig optimistisch"
Der Insolvenzverwalter bezeichnete es als sinnvoll, an einem Vertrieb mit Online-Handel und Geschäften vor Ort festzuhalten. Er strebe weiterhin eine Gesamtlösung für Weltbild an und plane keine Zerschlagung und somit Veräußerung einzelner Bereiche. "Der Weg bis zum Gelingen einer gesamtheitlichen Sanierung der Verlagsgruppe ist noch hart und der Ausgang des Verfahrens noch nicht gewiss, ich bin jedoch vorsichtig optimistisch", sagte Geiwitz.
Als deutlich "zu hoch und zu diffus" bewertete er die Aufwendungen im Marketingbereich. Auch gelte es, das Werbebudget zu senken. Der Ausbau der digitalen Angebote und des im Markt erfolgreichen e-Book-Lesegeräts "tolino" blieben wichtiger Teil des Zukunftspakets. Betriebsrat und Gewerkschaften betonten, wie wichtig es sei, das Unternehmen als Ganzes fortführen und dadurch dauerhaft Arbeitsplätze zu erhalten. Durch eine stärkere Vernetzung der Vertriebswege Internet, Filialgeschäft und Logistik habe das Unternehmen gute Chancen.
Verhandlungen mit Investoren beginnen erst
Laut Geiwitz sind mehrere unverbindliche Angebote für Weltbild eingegangen, Verdi sprach von fünf möglichen Interessenten. Die Verhandlungen würden allerdings erst beginnen, betonte Geiwitz. Das Ergebnis sei bis zum Ende völlig offen.
Die bayerische Sozialministerin Emilia Müller (CSU) zeigte sich erleichtert, dass Weltbild als Ganzes erhalten werden solle, auch wenn der Abbau von mehr als 650 Arbeitsplätzen ein harter Schlag für die Betroffenen sei. Die Staatsregierung könne die Transfergesellschaft aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützen. Wichtig sei aber auch, dass die katholische Kirche den Arbeitsplatzverlust mit abfedere. Weltbild gehört noch zwölf katholischen Bistümern, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Katholischen Soldatenseelsorge Berlin. (som/KNA/dpa)