Seehofer: Ringen um die Zukunft
Am Freitag hatte der zweitgrößte deutsche Buchhändler in Augsburg überraschend Insolvenz angemeldet. Die Verlagsgruppe gehört der katholischen Kirche.
Der CSU-Chef äußerte sich zuversichtlich zu den Zukunftschancen des Unternehmens, dem die Zahlungsunfähigkeit droht. Der vom Gericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz stehe dafür, dass "eher Gestaltung angesagt ist und nicht Zerstörung".
Runder Tisch zu Weltbild
Ebenfalls am Wochenende befasste sich ein vom Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) einberufener Runder Tisch mit der Weltbild-Krise. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di waren sich alle Beteiligten einig, dass nur eine dauerhafte Fortführung des Unternehmens Ziel des Insolvenzverfahrens sein könne. "Wir fühlen uns in unserer Position gestärkt, dass Weltbild eine Zukunft hat, wenn jetzt alle an einem Strang ziehen", sagte Betriebsratsvorsitzender Peter Fitz.
An der mehrstündigen Unterredung nahmen Betriebsräte, Gewerkschafter sowie Vertreter der lokalen Wirtschaft und der Agentur für Arbeit teil. Seehofer und die Gewerkschafter appellierten an die kirchlichen Eigentümer, ihre Verantwortung für die Beschäftigten wahrzunehmen.
Zdarsa sagt Unterstützung zu
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags hatte der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa eine umfassende Unterstützung zugesagt. Seine Diözese werde Hilfen für die Mitarbeiter "solidarisch und auch materiell mittragen". Auch Weltbild-Aufsichtsratschef Peter Beer versprach, die Gesellschafter wollten nun soziale Härten abfedern.
Vor Weihnachten hatten die Eigentümer eine Liquiditätshilfe von 65 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Diese Zusage war am Donnerstag zurückgezogen worden. Laut Beer hat sich der prognostizierte Kapitalbedarf mittlerweile mehr als verdoppelt. Einen derart hohen Betrag aus Kirchensteuermitteln aufzuwenden, hätten die Eigentümer nicht verantworten können, so der Münchner Generalvikar. Zudem bestünden weiter Risiken, ob sich Weltbild auch nach einer Umstrukturierung auf dem Markt behaupten könne.
1,6 Milliarden Umsatz
Dazu kommen laut Beer Verbindlichkeiten in dreistelliger Millionenhöhe, die selbst bei einer erfolgreichen Neuaufstellung von Weltbild zusätzlich abzubauen wären. Mehrere große Zeitungen bezifferten den aktuellen Schuldenstand des Medienhandelshauses am Wochenende auf 190 Millionen Euro.
Weltbild gehört zwölf deutschen Bistümern, der Katholischen Soldatenseelsorge Berlin und dem Verband der Diözesen Deutschlands. 2012 setzte das Unternehmen nach eigenen Angaben 1,6 Milliarden Euro um. (KNA)