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Getaufte gehören dazu

Seewald: Sakramentale Struktur der Kirche kein Argument gegen Reformen

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Professor Michael Seewald spricht zum Staatsempfang zum 75-jährigen Bestehen des Landeskomitees der Katholiken in Bayern
München - Nicht nur geweihte Amtsträger gestalten die Kirche. Als Reformblocker taugt die Weihe daher nicht, betont Dogmatiker Michael Seewald.

Zur sakramentalen Struktur gehören für den Münchner Dogmatiker Michael Seewald auch die Laien. Wenn in Reformdiskussionen mit dem Argument der sakramentalen Struktur nur "Reservationsdomänen des geweihten Amtes" angesprochen würden, greife das zu kurz, sagte der Theologe am Montag in München. "Denn die Getauften sind keine Fremdkörper in der sakramentalen Struktur der Kirche. Sie sind Inhaber eines Priestertums eigenen Wesens, wie das Konzil sagt (LG 10), nämlich eines gemeinsamen Priestertums, das in der Taufe wurzelt", so Seewald.

Das Zweite Vatikanum (1962–1965) setze das gemeinsame Priestertum kraft Taufe und das Priestertum des Dienstes kraft Weihe zueinander in Beziehung. "Die Unverzichtbarkeit des ordinierten Amtes – der Grund, aus dem heraus die Kirche geweihte Amtsträger (Bischöfe, Priester, Diakone) braucht – besteht daher nicht in erster Linie in der Wahrnehmung amtlich reservierter Repräsentationsakte, sondern darin, dass aus der Mitte der Kirche heraus Menschen dazu bestellt werden, sicherzustellen, dass das, was allen Getauften geschenkt ist, nämlich priesterliches, prophetisches und königliches Sein, auch zu priesterlichem, königlichem und prophetischem Handeln führt", betonte der Dogmatiker.

Auch Laien können leiten, verkündigen und Liturgie feiern

Dass Ordinierte durch ihre sakramentale Weihe dazu bestellt seien, Leitung auszuüben, Verkündigung wahrzunehmen und der Liturgie vorzustehen, bedeute nicht, dass Laien dazu nicht in der Lage wären: "Nur das Zueinander der Getauften und derjenigen aus der Gemeinschaft der Getauften, die eine sakramentale Weihe empfangen haben, schafft jene Dynamik im Heiligungsdienst, im Lehramt und in den Leitungstätigkeiten der Kirche, die Christus sakramental vergegenwärtigt."

Dabei betonte Seewald, dass dieses Verhältnis nicht immer harmonisch sein müsse. Es dürfe in der Kirche auch gestritten und um den rechten Weg gerungen werden. Spannungen seien daher nicht nur einheitsgefährdend. "Sie können auch eine der vielen Gestalten sein, in denen Christus in der Kirche gegenwärtig wird: durch Getaufte als Träger eines Sakramentes und durch Geweihte als Träger eines Sakramentes", so Seewald weiter. Die Kirche brauche "Institutionen, die für die Einheit sorgen, aber auch Institutionen, die die Vielfalt darstellen, es ermöglichen, kontroverse Positionen zu beziehen und die Tugend der offenen Rede zu pflegen". Ein Beispiel dafür sei das Landeskomitee der Katholiken in Bayern. Das Konzil habe die Vorstellung einer pilgernden Kirche, die "sucht und sinnt". Suchen und Nachsinnen seien daher keine "Ablenkungen oder Verwässerungen des eigentlichen Auftrags der Kirche", sondern gehörten zum Heilsdienst der Kirche konstitutiv dazu.

Seewald hielt den Festvortrag beim Staatsempfang zum 75-jährigen Bestehen des Landeskomitees der Katholiken in Bayern in der Münchner Allerheiligen-Hofkirche. Das heutige Landeskomitee wurde 1951 als "Landesausschuss der Katholischen Aktion in Bayern" gegründet und später im Nachgang des Zweiten Vatikanischen Konzils umbenannt. Es repräsentiert die in katholischen Räten, Verbänden und Vereinigungen engagierten Katholikinnen und Katholiken im Freistaat. Das Gremium besteht aus insgesamt knapp 90 gewählten, entsandten und berufenen Personen.

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