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Kilian Martin über Heiligenwallfahrten

Siegeszüge der Volkskirche

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Schachfigur
Bonn - Kilian Martin über Heiligenwallfahrten

Im Zeitalter des Kirchenaustritts setzen unsere diözesanen Heiligenfeste ein starkes Zeichen für die Kirche in Deutschland. Während auf der einen Seite immer mehr der Gemeinschaft der Kirche den Rücken kehren, ziehen auch dieses Jahr wieder Zehntausende zu den Heiligenfesten ihrer Bistümer. Derzeit versetzt der Heilige Liborius die Bischofsstadt Paderborn über 1.500 Jahre nach seinem Tod wieder in Ausnahmezustand.

Ausgerechnet im Zug zu den Gräbern und Gebeinen unserer toten Vorbilder wird die Lebendigkeit der Kirche sichtbar. Kaum eine andere Ausprägung katholischer Frömmigkeit lässt jahrhundertealte Traditionen so selbstverständlich in unsere Zeit hineinreichen. Dabei haben die vergangenen Jahrzehnte das Wesen der Heiligenverehrung deutlich verändert; zum Positiven! Vorbei die Zeiten, in denen ungelehrte Schäfchen an der Grenze zum Aberglauben zu den mysteriös erscheinenden Figuren alter Zeiten pilgerten. In der Heiligenverehrung verbinden sich heute Auferstehungsglaube und der Wunsch nach klaren Bekenntnissen.

Die Wallfahrt Tausender zu den Reliquien unserer Heiligen ist eine Abstimmung mit den Füßen. Kein Aberglaube und kein blinder Gehorsam leiten die Gläubigen. Es ist ein Bekenntnis zur lebendigen Tradition der Kirche.

Und dies kann uns Christen wirklich im Glauben stärken. Viele unserer Heiligen waren Erstverkünder des Christentums in einer Gesellschaft, die oft unbarmherzig mit den Bekennern des Christusglaubens umging. Dass etliche den Märtyrertod starben, darf für uns keine Randnotiz sein. Ihr Vorbild im Leben, Glauben und Sterben ist in einer säkularisierten Welt wichtiger denn je. Als Wallfahrer verehren wir diese Zeugnisse.

Die Heiligenwallfahrten in unseren Bistümern setzen so das eine, klare Zeichen: Die Kirche lebt und sie ist eine Kirche des Volkes. Auf den Festen wie dieser Tage in Paderborn wird Lebensfreude und Freude am Glauben spürbar, die hoffentlich ansteckend wirkt. Die Heiligenfeste unserer Diözesen sind Siegeszüge der Volkskirche in einer säkularisierten Gesellschaft.

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