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Die Chöre am Fuldaer Dom gestalten die Vollversammlung musikalisch mit

Singen für die Bischöfe

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Mitglieder des Fuldaer Domchors bei einem Konzert im Dom.
Fulda - Wie viele Schläge hat der Ton, Tim?" Der Junge ist ein wenig überrumpelt, guckt angestrengt in die Noten. Es dauert in paar Sekunden, bis die etwas unsichere Antwort kommt: "Äh...fünf?" Domkapellmeister Franz-Peter Huber nickt zufrieden: "Stimmt". Weiter geht’s im Takt.

Rund 25 Jugendliche sitzen auf den pinkfarbenen Stühlen des modernen Proberaums der Chöre am Fuldaer Dom. Der Jugendkathedralchor hat eine Einzelstimmprobe. Versammelt ist der Alt des A-Chors, in dem Jungen und Mädchen im Alter von zwölf bis 20 Jahren singen. "Singt dem Herrn ein neues Lied" heißt das nächste Stück, das sie anstimmen.

Nach einigen Takten unterbricht der Domkapellmeister: "Bitte das Ganze nochmal im Stehen. Das klingt ja viel zu schlapp hier in der ersten Reihe", sagt er mit einem Augenzwinkern. Die Jugendlichen erheben sich. Und tatsächlich: Beim nächsten Durchgang klappt es schon viel besser.

Wie bei ihnen, so stehen auch zwei Stunden später bei der Probe des Erwachsenenchores Stücke für die Vollversammlung der deutschen Bischöfe auf dem Programm. Denn jedes Jahr, wenn sich im Herbst die Spitzen der 27 Bistümer in Fulda treffen, sorgen die Chöre am Fuldaer Dom für die feierliche musikalische Gestaltung des Gottesdienstes zu Beginn und der Andacht am Schluss der Tagung.

Gabriel Huber und Philipp Schäfer (v.l.) singen im Jugendkathedralchor am Fuldaer Dom.
Gabriel Huber und Philipp Schäfer (v.l.) singen im Jugendkathedralchor am Fuldaer Dom.

"Viele coole Leute"

Gabriel Huber (13 Jahre) und Philipp Schäfer (12 Jahre), die beide im Alt des Jugendkathedralchors singen, sind schon seit mehreren Jahren an der Domsingschule. Wenn sie an die Vollversammlung denken, fällt ihnen sofort das Bild der feierlich in den Dom einziehenden Bischöfe ein. Das finden sie ziemlich beeindruckend – und natürlich finden sie es auch nicht schlecht, dass sie für die Auftritte vor den Oberhirten schulfrei bekommen. Begeisterung für das Singen haben die beiden jedenfalls: "Die Proben im Chor machen Spaß und hier gibt es viele coole Leute", finden beide.

Doch hinter der Freude am Musizieren bei der Vollversammlung und zu den vielen anderen Anlässen im Kirchenjahr steckt auch viel Arbeit. Allein 13 bis 16 Stunden Probe hält Domkapellmeister Franz-Peter Huber wöchentlich, und er wird noch von weiteren Musikern unterstützt, die nebenamtlich für die Domsingschule arbeiten. Die Chöre sind unterteilt in neun Einzelgruppen: Angefangen bei der musikalischen Früherziehung, über drei Jugendchöre mit unterschiedlichen Altersstufen bis hin zum Domchor mit den Erwachsenen.

"Je altersspezifischer wir die Proben anbieten, desto besser können wir die Stimmen der einzelnen fördern. Das gilt natürlich besonders für die Jugendlichen", erklärt Huber. Die Singstunden sind je nach Ensemble ein bis zwei Mal wöchentlich angesetzt, vor den Auftritten bei Gottesdiensten oder Konzerten kommen Sonderproben hinzu. Alle Chorsänger haben außerdem die Möglichkeit, in Kleingruppen regelmäßig Stimmbildung zu bekommen.

Singend den Horizont erweitern

"Das kann schon mal stressig werden und manchmal müssen wir für den Chor auch andere Sachen absagen", sagen Leonie Krahl (18 Jahre) und Leah Lomb (16 Jahre) aus dem Jugendkathedralchor. "Aber wenn es wirklich Spaß macht, dann fällt es auch nicht so schwer, Prioritäten zu setzen". Ähnlich sieht das auch Chorleiter Huber: "Wer in unseren Chören singt, muss schon wissen, worauf er sich einlässt", sagt der Mann mit der Brille und den langen dunklen Haaren und lacht. "Aber die Chorsänger bekommen ja auch viel zurück".

Franz-Peter Huber ist Domkapellmeister der Chöre am Fuldaer Dom.
Franz-Peter Huber ist Domkapellmeister der Chöre am Fuldaer Dom.

Bei den Jugendlichen sei das zum einen die musikalische Ausbildung. Aber auch von den Erwachsenen bekomme er die Rückmeldung, dass das Singen in der Gemeinschaft Spaß mache, die Sängerinnen und Sänger durch die anspruchsvolle Chorliteratur ihren Horizont erweiterten und nicht zuletzt auch die internationalen Chorfahrten Gelegenheit böten, einmal "über den Tellerrand hinauszuschauen", wie der 49-jährige Huber es ausdrückt.

Dass die Chormitglieder eine gewisse musikalische Vorbildung haben, ist bei den Proben spürbar. "Was ist das für eine Tonleiter?", "Wohin kommt die Pause?" - der Chorleiter spart im Alt des A-Chors nicht mit Fragen, doch alle sind schnell beantwortet. Und am Abend schreiben sich auch die Mitglieder des Domchors mit Bleistiften Notizen in die Noten: Hier ein "Piano" für Leise, dort ein "Forte" für laut.

"Ein toller Ausgleich"

In deren Reihen sitzt Corina Huppmann, von Beruf Betriebswirtin, seit 2006 beim Domchor und inzwischen sogar im Vorstand: "Singen ist einfach ein toller Ausgleich. Man kann dabei sehr gut abschalten, das erdet richtig", sagt sie. Für die Katholikin hat bei ihrer Entscheidung, in den Domchor zu gehen, auch der religiöse Aspekt eine Rolle gespielt: "Natürlich hätte ich auch in einen Konzertchor gehen können. Aber da würde etwas fehlen".

Bei den feierlichen Gottesdiensten an hohen Feiertagen dabei zu sein, hat eine ganz besondere Wirkung auf die 28-Jährige. Ähnliches hat Huber auch bei vielen Jugendlichen beobachtet: "Im Alltag finden sie in ihrer Altersgruppe oft wenige Jungen und Mädchen, denen der Glaube auch etwas sagt. Manchmal habe ich fast das Gefühl, dass sie sich ein wenig dafür genieren. Und das ist hier, unter lauter Gleichgesinnten, natürlich anders".

Von Gabriele Höfling

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