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Smalltalk statt Debatte

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Günther Jauch
Berlin - Eigentlich stand das Thema "In Gottes Namen - Wie gnadenlos ist der Konzern Kirche?" schon am vergangenen Sonntag auf der Agenda von Günther Jauch. Doch dann hatte sich der Star-Talker der ARD kurzfristig für die vermeintlich quotenträchtigere Debatte um Rainer Brüderle und den allgegenwärtigen Sexismus entschieden. Doch gestern machte Jauch sein Versprechen aus der Vorwoche wahr und ließ über die christlichen Kirchen und ihr Rechtsempfinden diskutieren.

Geladen hatte er die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens, Caritas-Präsident Peter Neher, Martin Lohmann, Chef des katholischen Privatsenders K-TV, den Gynäkologen Bernhard von Tongelen sowie die Journalistin Eva Müller, die in der Vorwoche mit ihrer TV-Reportage "Gott hat hohe Nebenkosten" für Aufsehen gesorgt hatte.

Doch von deren Thema – dem Widerspruch zwischen christlicher Ethik und dem praktischen Gebaren konfessioneller Arbeitgeber – war bis Mitte der Sendung kaum die Rede. Stattdessen hob Günther Jauch zu Beginn noch einmal auf den tragischen Fall des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers ab, dem unlängst in gleich zwei Kölner Kliniken unter katholischer Trägerschaft eine angemessene Behandlung verweigert worden war.

Meisner kommt Jauch in die Quere

Dass der Kölner Kardinal Joachim Meisner sich in der Vorwoche bei der betroffenen Frau entschuldigt und die so genannte "Pille danach" zumindest teilweise für legitim erklärt hatte, war der Jauch-Redaktion offenbar merklich in die Quere gekommen. Denn abgesehen von Martin Lohmann, der – von Jauch in die Enge getrieben – erklärte, er würde auch seiner eigenen Tochter im Falle einer Vergewaltigung aus Respekt vor dem ungeborenen Leben ("Auch durch Gewalt gezeugtes Leben ist Leben.") von jener Pille abraten, fand sich in der Runde niemand, der diese radikale Position teilen wollte. So hatte die Diskussion lange Zeit etwas vom Einrennen offener Türen.

Erst in der zweiten Hälfte der Sendung kam das Thema der christlichen Arbeitgeber-Ethik zur Sprache. Anhand von ein paar exemplarischen Fällen listete Jauch auf, dass es hier in Einzelfällen zu einer durchaus bedenklichen Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit kommt. Und nun durfte auch endlich Eva Müller von ihren Recherchen in einschlägigen Milieus berichten. Wofür sie vom Studiopublikum mehrfach Beifall erhielt.

Keine Zeit für detaillierte Analyse

Doch für eine detaillierte Analyse dieser komplizierten Verhältnisse in Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern mangelte es hier wieder einmal an der nötigen Zeit. Zumindest wollte es Günther Jauch am Sonntag auch nicht wirklich genauer wissen. So triumphierte hier am Ende einmal mehr der gepflegte Smalltalk über die kontroverse Debatte. Doch die öffentliche Diskussion zu diesem Themenkomplex wird weiter zu führen sein. Wenn auch nicht unbedingt im Fernsehen.

Von Reinhard Lüke

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