So hilft die Kirche
Verantwortlich sind die Kirchen, ihre Wohlfahrtsverbände und eine kirchennahe Wohnungsbaugesellschaft. Gemeinsam haben sie nach einer Lösung für die Flüchtlinge gesucht, die, aus Bayern kommend, am Brandenburger Tor rund zehn Tage ausharrten. Unter anderem demonstrierten sie für eine bessere Unterbringung und traten dafür sogar in den Hungerstreik. Sie beendeten den Protest erst, als sie unter Vermittlung der evangelischen Kirche zugesichert bekamen, für die nächsten drei Monate in Berlin bleiben zu können. Dennoch ging ihre Odyssee weiter: In den vergangenen Tagen konnten sie zunächst in einer Obdachlosenunterkunft der evangelischen Kreuzberger Heilig-Kreuz-Gemeinde bleiben.
Wichtiges Zeichen
Mit Nachdruck suchte die Gemeinde nach einem Ort, an dem die Flüchtlinge bis Ende Januar weiter wohnen können. Hilfe kommt nun von der "Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft", die der katholischen Kirche nahe steht. Unter anderem mit einem Wohnprojekt in Berlin-Neukölln machte sie sich bereits einen Namen. Das Unternehmen sanierte Häuser für zugewanderte Sinti und Roma und erhielt dafür einen Stadtentwicklungspreis.
Kurz vor dem Umzug trafen der Berliner Kardinal und "Caritas-Bischof" Rainer Maria Woelki und der Diakonie-Vorsitzende Nikolaus Schneider mit den 25 Flüchtlingen zusammen. Sie berichteten ihnen von den Lebensumständen in ihren Heimatländern, ihren Schicksalen und ihren Ängsten. Das für sie bereitgestellte Quartier sei ein wichtiges Zeichen und eine Art Erste-Hilfe-Maßnahme, betonte Woelki nach der Zusammenkunft.
Jetzt sei jedoch die Politik gefragt. Die Residenzpflicht für Flüchtlinge müsse in allen Bundesländern aufgehoben, ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert werden, forderten beide Kirchenvertreter. Und es müsse in "konkreten Situationen mit Menschen menschlich umgegangen werden", betonte Schneider. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland stand noch unter dem Eindruck seiner Jordanien-Reise vom Wochenende, bei er mit dem Hildesheimer Bischof Norbert Trelle ein syrisches Flüchtlingscamp besucht hatte.
Weitere Projekte geplant
Das Erzbistum Berlin will mit Blick auf steigende Flüchtlingszahlen weiteren Wohnraum zur Verfügung stellen: Es gebe ein leerstehendes Caritas-Altenwohnheim im Wedding, das rund 80 Menschen aufnehmen könne, berichtete Woelki. Das müss vorher sanier werden, leider stockten aber die Verhandlungen mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales. Eindringlich appellierte der Berliner Erzbischof an den Senat, schnell Lösungen zu finden.
Ein weiteres kirchliches Flüchtlings-Projekt könnte bald realisiert werden. Im brandenburgischen Schöneiche prüft derzeit der zuständige Kreis, ob das dortige katholische Bildungshaus Sankt Konrad für die Aufnahme von Flüchtlingen geeignet ist. "Wir würden uns freuen, wenn es so käme", betont der Sprecher des Erzbistums Berlin, Stefan Förner.
Von Birgit Wilke (KNA)