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Neuer Sportpfarrer Thomas Nonte über den Reiz seiner Arbeit

"So stelle ich mir das Paradies vor"

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Hunderte Fans des FC Bayern München jubeln und schwenken im Stadion Vereinsfahnen.
Köln - Seit März leitet Thomas Nonte den Arbeitskreis Kirche und Sport der Deutschen Bischofskonferenz und ist damit direkter Ansprechpartner für Amateur- wie Profisportler. Im Interview sprach der neue Olympiapfarrer über Gottesboten, Sportler-Ferraris und die Barmherzigkeit nach Fehltritten wie dem von Uli Hoeneß.

Frage: Herr Pfarrer Nonte, wer gewinnt am Dienstag das Halbfinale der Champions-League?

Nonte: Natürlich die Bayern. Messi kann man schlagen. Den nötigen Enthusiasmus hat die Mannschaft jedenfalls. Ich gebe aber zu, dass ich da auch als alter Bayern-Fan spreche.

Frage: Damit wird sich halb Fußball-Deutschland fragen, warum die Bischöfe ausgerechnet Sie zum Sportpfarrer machen wollten.

Nonte: Offen gesagt: Ich weiß es nicht. Ich mache selbst gerne Sport: Fußball, Tauchen, Bergsteigen. Aber bis vor kurzem wusste ich nicht einmal, dass es diese Aufgabe überhaupt gibt. Als mein Bischof mich in den USA anrief und mir die Stelle anbot - ich war gerade als Dozent in Berkely - da habe ich allerdings keine zwei Minuten gezögert und zugesagt.

Frage: Was hat Sie daran begeistert?

Nonte: Sport ist genial. Er zeigt das Spielerische unseres Lebens und ist eine Spielart der Schöpfung. Überall wo Menschen aktiv sind, sich engagieren, ihren Körper gestalten, im fairen Wettkampf miteinander - da zeigt sich Schöpfung. Für einen Seelsorger ist das Gespräch mit Sportlern etwas sehr Schönes. Ich war im Jahr 2000 beim "Tag der Sportler" in Rom, zu dem Johannes Paul II. eingeladen hatte. Die Tausenden jungen Sportler aus aller Welt auf dem Petersplatz, ihre Kameradschaft, ihre Lebensfreude haben mich tief beeindruckt. Jeder war ein Bote Gottes. So stelle ich mir das Paradies vor.

Thomas Nonte, seit März 2013 katholischer Sportpfarrer, steht vor einer antik anmutenden Sportlerstatue im Deutschen Sport __amp__ Olympia Museum in Köln.
Thomas Nonte, seit März 2013 katholischer Sportpfarrer, im Deutschen Sport __amp__ Olympia Museum in Köln.

Frage: Wie bereiten Sie sich konkret auf Ihren neuen Posten vor?

Nonte: Im Moment fühle ich mich wieder wie in meiner Zeit als Kaplan: Ich weiß nicht, was da auf mich zukommt. Ein sehr hilfreicher Partner ist mein evangelischer Kollege Thomas Weber, mit dem ich direkt gesprochen habe. In der Sportseelsorge funktioniert die Ökumene ausgezeichnet. Meine Erfahrung war immer: Am besten geht man auf die Menschen zu und fragt offen nach. Ich werde einfach versuchen, mich anzubieten wie ein guter Coach.

Frage: Im Profisport begegnen Ihnen Menschen, die unter Leistungsdruck leiden, deren Leben nach sportlichen Misserfolgen zu zerbrechen droht. Liegen Paradies und Hölle im Sport nicht allzu nah beieinander?

Nonte: Die Gefahr besteht. Denken Sie etwa an den Suizid von Torwart Robert Enke. Burn Outs gibt es genauso bei Profispielern und Trainern wie bei Ärzten - oder auch Pfarrern. Gerade im Sport sollten Kirchenmenschen Freiräume schaffen, in denen es nicht auf Erfolg ankommt, in denen Sportler ihre Schwächen und ihr Scheitern zugeben können. Nirgendwo ist die Kluft zwischen Sieg und Niederlage ja so messbar wie im Sport. Ob sie von den Sportlern als gnadenlos empfunden wird, hängt aber vor allem von den Reaktionen der Umwelt ab.

Frage: …und von den Gesetzen der Kommerzialisierung, die in manchen Sportarten längst absurde Züge angenommen hat. Muss ein 20-jähriger Fußballstar einen 250.000-Euro-Ferrari fahren?

Nonte: Die Kommerzialisierung ist überall auf dem Vormarsch. Im Sport wird das nur besonders deutlich, weil da alle hingucken. Es gibt einen Zeitgeist der materiellen Verführung, der natürlich auch bei Athleten greift. Logisch, dass da viele die Frage nach der Gerechtigkeit stellen. Aber reiche Sportler dürfen deshalb nicht zu Sündenböcken werden. Ich würde keinen einzelnen von ihnen kritisieren. Wer von uns würde denn Nein sagen, wenn ihm ein 5-Millionen-Jahresgehalt angeboten würde?

Doch gilt auch hier für mich, dass ein gerechtes Urteil der Justiz und zugleich eine barmherzige Gesellschaft sich nicht ausschließen

Thomas Nonte über den Fall Uli Hoeneß

Frage: Sportler, auch ehemalige, sind aber eher Vorbilder als Bankmanager. Was sagen Sie als Bayern-Fan zum Steuerbetrug "Ihres" Präsidenten Uli Hoeneß?

Nonte: Natürlich hat mich diese Nachricht betroffen gemacht - wie stets, wenn jemand einen Fehler gemacht hat. Doch gilt auch hier für mich, dass ein gerechtes Urteil der Justiz und zugleich eine barmherzige Gesellschaft sich nicht ausschließen. "Es menschelt bis Gott 'auf" habe ich bei den Schwaben gelernt.

Frage: Und was raten Sie einem Sportler, der Ihnen von seinem Dopingproblem erzählt?

Nonte: Als erstes würde ich sagen: "Gott sei Dank, dass du darüber sprechen willst". Und natürlich würde ich ihn davon überzeugen wollen, mit dem Betrug - und dem Selbstbetrug - aufzuhören. Auch durch die Vermittlung an Fachleute, Ärzte, Therapeuten. Mein Standpunkt wäre, dass er besser seine Karriere beendet, wenn er ohne Doping nicht weiterkommt. Aber ich finde genauso wichtig, dass man ertappte Doping-Sünder nicht ewig an den Pranger stellt, wie ich es persönlich etwa bei Erik Zabel erlebt habe. Jeder hat die Chance verdient, aus dem Gestrüpp wieder herauskommen. Das ist die schönste Botschaft, die ein Kirchenmann weitergeben kann.

Das Interview führte Christoph Schmidt (KNA)

Zur Person

Thomas Nonte (51) ist seit 1987 Priester des Bistums Osnabrück. Er studierte Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt und in Tübingen. Dort spielte er als junger Kaplan mit seinen Ministranten Fußball; auch Tauchen, Radfahren und Bergsteigen gehören zu seinen Hobbies. Zuletzt arbeitete Nonte als Dozent an der University of California in Berkeley. Seit März leitet er den Arbeitskreis Kirche und Sport der Katholischen Bischofskonferenz. (luk)

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