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Ein Pro und Contra zur Länge von Gottesdiensten

Sollen Gottesdienste kurz und knapp sein?

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Die berühmte astronomische Rathausuhr in Prag.
Bonn - Sind Gottesdienste zu lang? Ja, findet katholisch.de-Redakteur Felix Neumann: Er mag es lieber auf den Punkt gebracht. Kollegin Julia Martin meint: Gottesdienste dürfen nicht in Hektik ausarten.

Pro: Aufs Wesentliche konzentrieren

"Ich habe diesen Brief nur deshalb länger gemacht, weil ich nicht Muße hatte, ihn kürzer zu machen": Was Blaise Pascal da in einem (langen) Brief schreibt, klingt paradox, trifft aber ins Schwarze: Länge ist kein Qualitätskriterium. Im Gegenteil: Etwas in die Länge zu ziehen ist einfach. Etwas auf den Punkt zu bringen ist schwierig.

Das gilt auch für die Liturgie. Wie der Religionssoziologe Detlef Pollack kürzere Gottesdienste mit dem Wettbewerb ums knappe Zeitbudget der Menschen zu begründen, ist das das schwächste Argument dafür. Vor der EKD-Synode schlug er eine Maximallänge von 50, 60 Minuten vor, "denn dass die Menschen wegbleiben, hat zwar auch damit zu tun, dass sie etwa mit der Art der Predigt unzufrieden sind, aber vor allem damit, dass sie am Sonntagvormittag schlichtweg anderes zu tun haben, das ihnen wichtiger ist."

Wenn das so ist, dann hilft es auch nicht, ein paar Minuten zu sparen. Was aber hilft: Eine würdige Liturgie, der man anmerkt, dass sie sorgfältig geplant und umgesetzt ist. Eine Predigt, die nicht einfach nur kurz, sondern präzise ist, die die Schrift erhellt und nicht bloß den Prediger glänzen lässt. Vertrauen auf die Kraft der Zeichen, der Rituale, ohne dass jedes Handeln noch einmal in Erklärungen verdoppelt wird. Worte, wenn sie nötig sind, und nicht als bloßes Füllmaterial.

Ein so gefeierter Gottesdienst kann kurz sein, ohne auf etwas zu verzichten. Werktagsmessen bei Jesuiten habe ich so erlebt: Sehr reduziert, eine ganze Eucharistiefeier in einer halben Stunde, und trotzdem wirkt nichts gehetzt und künstlich verknappt – weil die Kommunität aufs Wesentliche konzentriert feiert. Sonntagsabendmessen in der Bonner Schlosskirche habe ich so erlebt: Eher unter Pollacks 60 Minuten, aber ohne auf Antwortpsalm und anspruchsvolle musikalische Gestaltung zu verzichten – weil Zelebranten und Kirchenmusiker sorgfältig zusammenarbeiten.

Kürze ist weder Selbstzweck noch Qualitätskriterium bei Gottesdiensten. Aber ein Gottesdienst, der das Wesentliche auf den Punkt bringt: Das ist ein guter Gottesdienst.

Historische Uhr und Sonnenuhr an einem Kirchturm
Gleich drei Uhren sind am Turm der evangelischen Kirche St. Maria Magdalena in Erlangen angebracht.

Contra: Wider der Alltagshektik

Es klingt ganz einfach: kürzere Messe = bessere Messe. Wortgottesdienst, kurze Predigt, Eucharistiefeier, alle zufrieden. Ein gefährliches Pauschalurteil. Natürlich gibt es lange Gottesdienste, in denen der Priester in der Predigt abschweift und das Ganze unnötig in die Länge zieht. Aber genauso viel Unzufriedenheit hinterlassen Gottesdienste, in denen die Hektik spürbar ist. Mein persönlicher Rekord: 42 Minuten. Mit Predigt. Wir dürfen nicht in die Gefahr laufen, unsere Alltagshektik auf den Gottesdienst zu projizieren.

Menschen haben Sonntagvormittag schlichtweg anderes zu tun, sagt der Religionssoziologe Detlef Pollack. Und wenn sie dann doch kommen, sollen sie mit "Gottesdienst light" abgespeist werden? Das ergibt für mich keinen Sinn. Denn so rückt der Gottesdienstbesuch doch erst recht in die Sparte der "Pflichterfüllung" anstatt eine willentliche Hinwendung zu Gott zu sein.

Genau auf diese Begegnung mit Gott hat uns Papst Franziskus erst hingewiesen: Wir sollten fünf Minuten früher in der Kirche sein. Doch nicht, um zu reden, sondern um uns auf den Gottesdienst vorzubereiten. Danke Franziskus! Ich möchte ergänzen: Bitte lasst uns auch danach noch ein paar Minuten sitzenbleiben und nicht in der Sekunde aufspringen, wenn der Priester den ersten Fuß in die Sakristei setzt. Oder haben wir etwa schon verlernt, uns Zeit zum Beten zu nehmen? Ist der Gottesdienst letztlich nur ein Punkt im Terminkalender, hinter den wir möglichst schnell einen Haken setzen wollen? Das ist nicht der Sinn der Sache.

Was wir im Gottesdienst und in der Eucharistie feiern ist so groß, dass Zeit in diesem Moment gar keine Rolle spielen kann: In der Wandlung wird Gott wahrhaftig gegenwärtig. Wir gedenken des Todes und der Auferstehung Jesu. Bei dieser Feier öffnen wir bewusst unser Herz für Gott und seine barmherzige Liebe.

Je länger das dauert, desto besser. Gerade am Sonntag. Diesen Tag sollten wir doch besonders feiern. Mit Weihrauch, mit mehreren Strophen von "Ein Haus voll Glorie schauet" und vor allem ohne Blick auf die Uhrzeit.

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