Sozialpfarrer Meurer: Kirche und Demokratie brauchen Beteiligung
Die Kirche braucht nach Ansicht des Kölner Sozialpfarrers Franz Meurer wie die Demokratie vor allem Beteiligung, geteilte Verantwortung und eine enge Verbindung zum Alltag der Menschen. Im Kolping-Podcast "Gesellig" spricht sich der langjährige Pfarrer in Höhenberg und Vingst für offene Gemeinden aus, die nicht um sich selbst kreisen, sondern in ihren Stadtteil hineinwirken. "Man muss von den Menschen her denken", betont Meurer.
Der Priester warnt vor kirchlichem Machtanspruch und dogmatischer Selbstgewissheit: "Keiner hat etwas gegen einen Bischof oder einen Pfarrer, außer der meint, er hätte die Wahrheit gepachtet." Theologisch verstehe er Wahrheit nicht als Besitz einzelner Personen oder Ämter, sondern als Ergebnis gemeinschaftlicher Suche: "Die Wahrheit ist ein Produkt der Gemeinschaft." Wer behaupte, genau zu wissen, wie Gott sei, gebe Anlass zur Vorsicht.
Zentral ist für Meurer der Umgang mit Meinungsverschiedenheiten. Auch innerhalb einer Gemeinde müsse es möglich sein, in wichtigen Fragen gegensätzliche Positionen zu vertreten. "Gemeinschaft heißt nicht, die gleiche Meinung zu haben", erklärt er. Das gelte auch für ihn und seine Rolle als Pfarrer. Er trage auch Projekte mit und unterstütze sie, von denen er nicht überzeugt sei – aktuell etwa das Kirchenasyl, das seine Gemeinde eingerichtet hat. "Natürlich helfe ich bei der Finanzierung und habe die Wohnung besorgt." Er sei aber persönlich ein Gegner von Kirchenasyl. "Als Einziger habe ich immer dagegen gestimmt. Grundsätzlich ist Kirchenasyl wichtig, aber zurzeit bei uns nicht. Das führt nur der AfD Wähler zu. Wir sind ein Rechtsstaat, da braucht man kein Kirchenasyl", betont Meurer.
Vielfalt leben statt nur fordern
Gemeinschaft bedeutet für Meurer nicht, gleicher Meinung zu sein. "Wir müssen immer besser darin werden, Vielfalt nicht von anderen zu fordern, sondern bei uns zu leben", betont der Priester. Wer Vielfalt wolle, müsse sie zunächst in den eigenen Strukturen etablieren und andere Auffassungen nicht lediglich dulden, sondern als normalen Bestandteil einer Gemeinschaft anerkennen. Kirche und Demokratie folgen für Meurer damit demselben Grundprinzip: Menschen müssen erleben, dass ihr Beitrag zählt und dass sie Verantwortung übernehmen können.
Franz Meurer war 34 Jahre lang Pfarrer in Höhenberg und Vingst, zwei der ärmsten Stadtviertel Kölns. Über die Stadtgrenzen hinaus ist er als Sozialpfarrer bekannt. Anfang Oktober ging der 75-Jährige in den Ruhestand.