Studie: Verkauf von Kirchen ist heikel
Nach einer Studie geht eine große Mehrheit kirchlicher Immobilienverantwortlicher von einer steigenden Zahl Gebäudeverkäufen aus. 90 Prozent der befragten Verwaltungseinheiten haben in den vergangenen fünf Jahren bereits Kirchen, Pfarr- und Gemeindehäuser, Kindergärten oder andere kirchliche Immobilien verkauft, wie aus der am Freitag in Kassel veröffentlichten Studie der Evangelischen Bank hervorgeht. Mehr als zwei Drittel der Verantwortlichen (69 Prozent) gehen davon aus, dass es künftig mehr Immobilienverkäufe aus kirchlicher Hand geben wird.
"Die Zahlen verdeutlichen, dass die Kirche sich mit dem Thema Immobilien bereits auseinandergesetzt hat, aber noch vor großen Herausforderungen steht", sagte Christian Ferchland, Vorstand der Evangelischen Bank. Der Studie zufolge belasten Instandhaltung und laufende Kosten der Gebäude die Haushalte der Gemeinden. Besonders betroffen seien Gemeindehäuser und Kirchen, die im Gegensatz zu Kindergärten, Pfarrhäusern und Pastoraten deutlich schwächer genutzt würden. Doch gerade der Verkauf von Kirchen ist heikel: "Die Vor- und Nachteile oder auch die Reputationsschäden, die durch den Verkauf der Immobilien aus dem Bestand der Kirche entstehen würden, müssen immer in Betracht gezogen werden", sagte Ferchland.
Nach Angaben der Evangelischen Bank wurde aus jeder zweiten befragten Landeskirche oder Diözese ein Immobilienleerstand gemeldet, wobei Kindergärten, Pfarrhäuser und Pastorate einen höheren Nutzungsgrad hätten als etwa Gemeindehäuser und Kirchen.
145 Immobilienverantwortliche der Kirche befragt
Für die Studie wurden 145 Immobilienverantwortliche überwiegend aus aus einzelnen Kirchenkreisen, aber auch Landeskirchen sowie sieben katholischen Bistümern mit rund vier Millionen Gläubigen befragt. Nach den Angaben nahmen 12 von 20 Evangelische Landeskirchen teil, denen rund 10 Millionen der bundesweit etwa 22 Millionen Protestanten angehören. 87 Prozent der befragten Kirchenkreise befinden sich in den alten Bundesländern, schwerpunktmäßig in Bayern und Baden-Württemberg.
Wenn Kirchengemeinden Gebäude verkaufen, haben sie aus Sicht des katholischen Bonner Liturgiewissenschaftlers Albert Gerhards dauerhaft wenig Einfluss auf die künftige Verwendung des Gebäudes. Hinzu komme ein weiteres Problem, wie der Theologe am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte: "Je mehr zweckentfremdete Kirchen es gibt, desto weniger werden die Gebäude künftig mit der ursprünglichen Bedeutung identifiziert." Deshalb bevorzugten einige katholische Bischöfe einen Abriss.
Gerhards kritisierte, dass eine übergeordnete Instanz fehle und Pfarreien mit solchen Entscheidungen oft allein gelassen würden. "Jedes Bistum wurschtelt stattdessen selbst vor sich hin." Aus Angst, ein Gebäude falle aus der Finanzierung durch die Kirchensteuer, erfolgten oft "Schnellschüsse" und Entscheidungen für einen Abriss. (bod/dpa/KNA)