Synodaler Weg: Ipolt warnt vor Sonderweg – Timmerevers für Offenheit
Die beiden ostdeutschen Bischöfe Wolfgang Ipolt (Görlitz) und Heinrich Timmerevers (Dresden-Meißen) haben sich am Wochenende mit unterschiedlichen Akzentsetzungen zum bevorstehenden Synodalen Weg geäußert. Während Timmerevers in einem Hirtenbrief an die Katholiken seines Bistum zur Teilnahme an dem Reformdialog der katholischen Kirche in Deutschland aufrief, warnte Ipolt beim Neujahrsempfang seiner Diözese vor falschen Erwartungen an den Prozess.
Ipolt: Eine Synode oder auch ein synodaler Weg ist kein Parlament
Es gelte bei dem auf zwei Jahre angelegten Dialog zu unterscheiden "zwischen dem, was der Sendung der Kirche wirklich im Wege steht und dem, was uns vom Herrn aufgetragen ist und was wir nicht zur Disposition stellen können", sagte Ipolt am Samstag in Görlitz. Diese Unterscheidung werde auf dem geplanten Weg nicht einfach sein und könne zu einer wirklichen Zerreißprobe werden. Zwar äußerte der Bischof die Hoffnung, dass der Synodale Weg konkrete Folgerungen aus der im Herbst 2018 veröffentlichten Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz ziehe. Gleichzeitig warnte er jedoch vor einem deutschen Sonderweg: "Man konnte in der Planungsphase des Synodalen Wegs sich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass es bei diesem Vorhaben in manchen Punkten um einen deutschen 'Sonderweg' gehen sollte", so Ipolt wörtlich.
Der Bischof des gemessen an der Zahl der Katholiken kleinsten deutschen Bistums verwies in diesem Zusammenhang auf den Brief, den Papst Franziskus Ende Juni vergangenen Jahres an die Katholiken in Deutschland geschickt hatte. Darin habe das Kirchenoberhaupt betont, dass es in grundlegenden Fragen des Glaubens und der Moral in der katholischen Kirche keine unterschiedlichen Wege geben könne, die das Gut und die Einheit der Kirche gefährden oder verletzen würden. "Dazu kommt: Eine Synode oder auch ein Synodaler Weg ist kein Parlament, das einfach über Glaubenswahrheiten abstimmen kann", betonte der Görlitzer Bischof.
Timmerevers: Was sagt Gott uns heute?
Sein Dresdner Amtsbruder Timmerevers erklärte in seinem Hirtenbrief, der am Wochenende in den Gemeinden des Bistums Dresden-Meißen verlesen wurde, dass er den Synodalen Weg ausdrücklich unterstütze und die Menschen seines Bistums dazu einlade, diesen Weg mitzugehen. Als "größte Anstrengung, die wir unternehmen müssen", nannte der Bischof die Frage "Was sagt Gott uns heute?". Er betonte: "Wir brauchen eine große Offenheit. Was dabei konkret herauskommt, kann heute keiner sagen." Er sei dabei aber nicht ängstlich und vertraue darauf, "dass Gottes Geist in den Synodalen und in den gemeinsamen Beratungen der Getauften und Gefirmten wirkt".
Es sei ihm dabei "ein besonderes Anliegen, dass die wertvolle Perspektive und die bedeutsamen Erfahrungen der katholischen Kirche in der ostdeutschen Diaspora in diesen Prozess einfließen", so der Bischof weiter. "Aus unserer wechselvollen Geschichte und vor dem Horizont der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen verfügen wir über einen wertvollen Erfahrungsschatz." Es gehe darum, Menschen zu befähigen, ihre Zweifel und Hoffnungen in Worte zu fassen. "Dabei möchten wir den Glauben nicht aufdrängen, sondern ihn als Deutungshorizont anbieten", so Timmerevers. Darin sehe er einen wesentlichen Beitrag zum Synodalen Weg. (stz)