"Tebartz-van Elst nimmt nicht teil"
Zollitsch betonte, dass das Bistum Limburg bei der Versammlung stattdessen von Weihbischof Thomas Löhr vertreten werde, der als solcher vollwertiges Mitglied der Bischofskonferenz ist. Mit Blick auf die seit Monaten andauernde Krise in der Diözese äußerte Zollitsch die Hoffnung, dass sich die Entscheidung über die Zukunft von Bischof Tebartz-van Elst nicht mehr allzu lange hinauszögern werde. Der vatikanischen Bischofskongregation liegt seit 3. März der von einer Kommission erarbeitete Prüfbericht über Kosten und Finanzierung des umstrittenen Neubaus des Limburger Bischofssitzes vor. Der Bericht soll Grundlage für die Entscheidung des Papstes über die Zukunft von Bischof Tebartz-van Elst sein.
Wichtigster Programmpunkt der Vollversammlung wird am Mittwoch die Wahl eines neuen Vorsitzenden sein. Erzbischof Zollitsch gibt das Amt nach sechs Jahren altersbedingt ab, die Auftakt-Pressekonferenz war somit einer seiner letzten Auftritte als Vorsitzender. Der 75-Jährige betonte mit Blick auf die Wahl noch einmal die Bedeutung des so genannten "Vorkonklaves". Am Dienstag, einen Tag vor der Wahl, wollen die 66 Bischöfe und Weihbischöfe im offenen Gespräch über aktuelle Herausforderungen für die Kirche und künftige Aufgaben des neuen Vorsitzenden diskutieren.
"Wir brauchen mehr Verbindlichkeit"
Bei dem Gespräch, für das rund zweieinhalb Stunden eingeplant sind, solle jedoch kein Profil des neuen Vorsitzenden erarbeitet werden, sagte Zollitsch. Vielmehr solle es darum gehen, "das in den Blick zu nehmen, was an Herausforderungen vor uns liegt". Der emeritierte Freiburger Erzbischof kündigte an, die Aussprache einleiten zu wollen.
Zollitsch will dabei nach eigenen Angaben auch auf die Kollegialität unter den deutschen Bischöfen und die Bedeutung gemeinsamer Entscheidungen der Bischofskonferenz hinweisen. "Wir brauchen mehr Verbindlichkeit", betonte der Vorsitzende. Er habe in den vergangenen Jahren gespürt, wie schwer die Umsetzung gemeinsamer Entscheidungen innerhalb der Konferenz gewesen sei. "Da können wir besser werden", mahnte Zollitsch, der zugleich jedoch auf die eigene Verantwortung der Diözesanbischöfe für ihre Bistümer hinwies.
Kirchenfinanzen als weiteres Thema
Zusätzlich zu dem vorab bekannt gewordenen Programm der Vollversammlung kündigte Zollitsch bei der Pressekonferenz an, in den kommenden Tagen auch über die Kirchenfinanzen sprechen zu wollen. Ziel sei es, bei diesem Thema noch mehr Transparenz herzustellen und das Vermögen der Kirche für jeden verständlich darzustellen. Wie schwierig dies im Einzelfall sein kann, verdeutlichte Zollitsch am Beispiel kirchlicher Gebäude. So sei der münstersche St.-Paulus-Dom zwar ein großartiges Kunstwerk, doch einen Materialwert könne man für das Gotteshaus nicht angeben. "Abgesehen davon können sie davon nichts abschneiden", so der Erzbischof; stattdessen koste dieser Besitz Geld, weil er unterhalten werden müsse.
Mit Blick auf einen möglichen Umzug des Sekretariats der Bischofskonferenz von Bonn nach Berlin zeigte sich Zollitsch skeptisch. "Es wird in dieser Frage keinen Schnellschuss geben", betonte er. Es gebe hierbei einiges zu bedenken, auch mit Blick auf die Mitarbeiter des Sekretariats. Allerdings werde das Thema, das in den vergangenen Wochen zuerst vom Augsburger Bischof Konrad Zdarsa in die Diskussion gebracht und später unter anderem von Kurienerzbischof Georg Gänswein aufgriffen worden war, ebenfalls Inhalt der Beratungen der Bischöfe sein.
Umzug der Bischofskonferenz nach Berlin?
Zollitsch betonte in diesem Zusammenhang, er sei in den sechs Jahren seiner Amtszeit als Vorsitzender "nicht unglücklich über die Zweiteilung" zwischen der alten und neuen Hauptstadt gewesen: "Es ist nach meiner Erfahrung gar nicht schlecht, das Sekretariat in Bonn und eine politische Vertretung in Bonn zu haben." Aus Gesprächen mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, wisse er zudem, dass die EKD nicht an einen Umzug von Hannover nach Berlin denke.
Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine forderte Zollitsch eine diplomatische Lösung. Die Gefahr eines bewaffneten Konflikts, die durch das Vorgehen Russlands entstanden sei, müsse unbedingt abgewendet werden. Zudem müssten die Rechte der betroffenen Minderheiten beachtet und geschützt werden.