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Gottesdienstform wird in einigen Bistümern erprobt

Theologe zu Baby-Segnungen: Gefahr eines "Zwei-Klassen-Christentums"

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Segensfeiern für Neugeborene
Münster - Um auch frischgebackene Eltern zu erreichen, die nicht kirchlich sozialisiert sind, erproben einige Diözesen Segensfeiern für Neugeborene. An sich begrüßt der Liturgiewissenschaftler Andreas Odenthal das – doch es gebe einige theologische Anfragen.

Der Bonner Liturgiewissenschaftler Andreas Odenthal sieht im Hinblick auf die in manchen Bistümern angebotenen Segenfeiern für Neugeborene die Gefahr, ein "Zwei-Klassen-Christentum" zu etablieren. Ein "Segen für alle, aber die Taufe nur für den Kreis der Auserlesenen" könne "leicht abwertend werden, und dann trauen wir den Menschen und auch Gott einfach zu wenig zu", schreibt der Theologe am Mittwoch in einem Gastkommentar für das Münsteraner Internetportal "Kirche+Leben".

Generell begrüße er zwar, dass ein niederschwelliges Gottesdienstformat erprobt werde, das im Vorfeld der Taufe, aber auch unabhängig davon Eltern erreichen könne, die sich ansonsten mit der Kindertaufe schwertäten, so Odenthal weiter. Allerdings gebe es einige theologische Anfragen. So kritisiert der Liturgiewissenschaftler, dass die Segensfeier unter anderem mit der Ansicht begründet werde, die Taufe bringe eine zu hohe Hürde mit sich, da sie eine lebenslange Bindung an Jesus Christus sei: "Die Taufe ist meines Erachtens genau aus gegenteiligem Blickwinkel wahrzunehmen: Nicht lebenslange Bindung des zu Taufenden an Jesus, sondern gerade umgekehrt, lebenslange Bindung Christi an den Täufling."

"Taufe das niedrigst-schwellige Ritual der Kirche"

Mit Blick auf die Säuglingstaufe geschehe die Bindung Jesu sogar ohne jede Voraussetzung, unterstreicht Odenthal. So ungefragt der Mensch ins Leben geworfen werde, so ungefragt schenke ihm Gott seine Gnade. "Damit ist die Taufe das niedrigst-schwellige Ritual der Kirche." Daher könne sie im Notfall auch jeder Mensch spenden, selbst ein Nicht-Glaubender. "Das ist großartig, weil hier deutlich wird, wie sehr Gott – und seiner Kirche – das Heil der Menschen am Herzen liegt", so der Theologe.

Auch wenn es bei dieser Thematik noch viel zu diskutieren gebe, sei die Perspektive eines "Zwei-Klassen-Christentums" nicht die Perspektive des Evangeliums, schreibt Odenthal. Jesus schenke ohne Vorbedingung, Gott verausgabe sich in Liebe und Gnade. "Das möchte ich gerne für die Neugeborenen haben: Segen immer, aber in Form sakramentlicher Gnade, einer lebenslangen irreversiblen Bindung Jesu an die getauften Menschen."

Segensfeiern für Neugeborene werden inzwischen in einigen deutschen Diözesen angeboten. Im Bistum Essen etwa wurden sie im Rahmen des diözesanen "Zukunftsbild"-Prozesses 2017 auf Diözesanebene eingeführt. Dabei wird Babys und ihren Familien in einem ökumenischen Gottesdienst mit einem eigens konzipierten Ritus der Segen Gottes zugesprochen. Die Feierform ist unabhängig von der Taufe. (mal)

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