Timmerevers: Hatte als Pfarrer größere Freiheiten denn als Bischof
Laut dem Dresdener Bischof Heinrich Timmerevers wird die tatsächliche Entscheidungsfreiheit von Bischöfen oft falsch eingeschätzt. Auf die Frage nach seiner Machtfülle sagte Timmerevers am Mittwochabend in Zwickau, er habe als Pfarrer eine größere Freiheit gehabt. "Als Bischof kann ich nur wenige Entscheidungen ganz allein treffen. Ich bin eingebunden in viele Teams und Gremien. Alleingänge gibt es ganz, ganz wenige", so der Bischof bei einer Veranstaltung der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen zum Thema "Macht".
Weiter sagte Timmerevers, er könne sich eine Befristung des Bischofsamtes auf eine bestimmte Zahl von Amtsjahren durchaus vorstellen: "Bei vielen Orden ist es ja schon Praxis, Äbte für eine bestimmte Zeit zu wählen." Seiner Ansicht nach besteht die größte Macht der Kirche darin, "mit allen Getauften die frohe Botschaft zu verkünden und damit im Idealfall den Menschen zum Leben, zur Freiheit, zur Sinnhaftigkeit zu verhelfen".
Der "riesige Vertrauensverlust" im Zuge des Missbrauchsskandals sei ein nicht zu leugnendes Faktum, so der Bischof weiter. "Das erschüttert die katholische Kirche im Innersten." Die entscheidende Frage sei aber, wie die Kirche damit umgehe: "Und da sage ich: Wir brauchen Hilfe - denn ich weiß nicht, ob wir uns selbst daraus befreien können, um es aufzuarbeiten, um neues Vertrauen zu gewinnen." Das sei ein sehr langer und mühsamer Weg.
Schäuble: Für hohe Amtsträger gelten höhere Maßstäbe
Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble entgegnete auf Timmerevers' Ausführungen: "Bei allem Respekt, Sie haben natürlich auch Macht als Bischof. Sie treffen viele Entscheidungen und müssen das auch, sonst machen Sie keine gute Arbeit." Hohe Amtsträger müssen seiner Ansicht nach auch höhere Maßstäbe an sich anlegen lassen. "Wer Macht hat, sollte sich immer wieder prüfen: Kann ich in diesem Amt noch einen Beitrag leisten und habe ich die Kraft für dieses Amt und die Last des Amtes", sagte er. "Man steht im Amt unter ständiger Beobachtung. Das ist aber auch eine gute Vorkehrung, Macht nicht zu missbrauchen." Schäuble ist seit 2017 Bundestagspräsident, davor hatte er Ministerämter auf Bundesebene inne. Bei der kommenden Bundestagswahl kandidiert der 78-Jährige erneut für die CDU.
Schäuble betonte, es gebe kein Machtmonopol des Staates, lediglich ein Gewaltmonopol. "Man kann ja schlecht sagen, dass etwa die Kirche keine Macht hat." Es sei aber schwierig und "schlimm", wenn das Vertrauen in eine Institution verloren gehe, wie in die Bundeswehr oder die Kirche. "Die katholische Kirche macht eine wirklich schwierige Phase durch, und ich leide da auch mit, selbst wenn ich evangelisch bin", so Schäuble, der mit einer Katholikin verheiratet ist. "Ich habe großen Respekt vor der Bürde der Verantwortungsträger in dieser Situation." (tmg/KNA)