Timmerevers: Wiedervereinigung als Gabe Gottes sehen
Mit einem Gottesdienst in der Dresdner Frauenkirche haben am Montag die zentralen Feiern zum Tag der Deutschen Einheit begonnen. Vor Spitzenvertretern aus Politik und Gesellschaft riefen Bischof Heinrich Timmerevers und der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing dazu auf, sich auch 26 Jahre nach der Wiedervereinigung weiter für Frieden und Gerechtigkeit zu engagieren sowie allen Menschen in Not beizustehen.
An der ökumenischen Feier nahmen neben Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (CDU) sowie zahlreiche Länderchefs und Minister teil.
Timmerevers würdigte die Wiedervereinigung als "atemberaubendes Ereignis". Der Bischof von Dresden-Meißen fügte hinzu: "Dass die Sehnsucht nach Freiheit sich ohne Blutvergießen eine Bahn brechen konnte, ist ein solches Geschenk, das wir als gläubige Menschen bei all unserem Mühen als Gabe Gottes sehen dürfen." Timmerevers nannte das Leben in Freiheit "ein großes Geschenk". Er erinnerte daran, dass 70 Prozent aller Menschen in Staaten lebten, in denen die Religionsfreiheit "großen Bedrängnissen" unterworfen sei. "Vielleicht suchen auch deswegen so viele Menschen Schutz und Geborgenheit in Europa." Vor allem Christen seien herausgefordert, "helfend und heilend sich dem Menschen zuzuwenden, der in Not ist".
Landesbischof mahnt zur Selbstkritik
Auch Rentzing betonte, der Friede sei "keine Selbstverständlichkeit" und "mehr als die Abwesenheit von Krieg". Zu einem wahren Frieden gehörten auch Gerechtigkeit und Freiheit, betonte Sachsens evangelisch-lutherischer Landesbischof. Er mahnte, sich vor allem am Nationalfeiertag "selbstkritisch zu fragen, was wir zum Frieden beitragen, wenn Menschen beleidigt und ausgegrenzt werden".
Frauenkirchen-Pfarrer Sebastian Feydt hatte zuvor daran erinnert, dass die friedliche Revolution in der DDR und die Wiedervereinigung für viele "Erfahrungen von Verlust und Zukunftsangst" mit sich gebracht hätten. Dies führe auch zu Aggression und Gewalt, so Feydt mit Hinweis auf die Sprengstoffanschläge vor einer Woche auf eine Moschee und ein Kongresszentrum in Dresden. An dem Gottesdienst wirkten unter anderen auch der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos und Schüler des katholischen Dresdner Sankt-Benno-Gymnasiums mit. (KNA)
Die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit findet in diesem Jahr in Dresden statt. Mit dabei sind Vertreter von sechs Religionen und deren gemeinsamer Wunsch: das Recht auf Religionsfreiheit.