Treffen in stürmischer Zeit
Bei der heute beginnenden Frühjahrs-Vollversammlung in Trier müssen die 66 Bischöfe nun jedoch einige Abweichungen vom Protokoll hinnehmen. Der Grund: Wohl selten zuvor standen die Hirten und ihre Kirche unmittelbar vor einer Vollversammlung so im Fokus der Öffentlichkeit.
Die Gründe dafür sind vielfältig: Da ist zum einen die überraschende Rücktritts-Ankündigung von Papst Benedikt XVI., die in der vergangenen Woche weltweit für Aufregung sorgte. Bei den Gesprächen der deutschen Bischöfe dürfte der bevorstehende Abgang des Kirchenoberhaupts ein beherrschendes Thema sein - ebenso wie die Frage, wer Benedikt XVI. auf dem Papstthron nachfolgen wird. Mit den Kardinälen Karl Lehmann (Mainz), Reinhard Marx (München und Freising), Joachim Meisner (Köln), Rainer Maria Woelki (Berlin) und Kurienkardinal Walter Kasper werden fünf der sechs deutschen Papstwähler kurz vor dem im März beginnenden Konklave an der Vollversammlung teilnehmen.
Ein anderer Grund für die erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit sind die jüngsten Vorfälle innerhalb der deutschen Kirche. So haben der Streit um die wissenschaftliche Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, die Zurückweisung einer mutmaßlich vergewaltigten Frau durch zwei katholische Krankenhäuser in Köln sowie die wenig ermutigenden Ergebnisse einer Studie über die Lage der katholischen Kirche in Deutschland bereits in den ersten Wochen des Jahres für eine Fülle an Negativ-Schlagzeilen gesorgt.
Diskussion über die "Pille danach"
Einfluss auf die Tagung werden diese Vorfälle wohl vor allem in Form einer intensiven Diskussion über die "Pille danach" haben. Hier war Kardinal Joachim Meisner nach dem Kölner Klinik-Fall Ende Januar mit einer modifizierten Sichtweise vorgeprescht. Nach einer Vergewaltigung seien unter gewissen Umständen auch in katholischen Krankenhäusern Präparate ethisch vertretbar, mit denen die Verhinderung einer Befruchtung beabsichtigt werde, so der Kölner Erzbischof.
Weil die Bischofskonferenz in dieser Frage noch Klärungsbedarf sieht und eine einheitliche Linie anstrebt, wurde das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt. Dabei geht es auch darum, welche Signale die Oberhirten an die Politik senden. Denn je nachdem steht der Verbleib katholischer Klinken in den Krankenhausbedarfsplänen zur stationären Gesundheitsversorgung in einzelnen Regionen zur Debatte.
Jenseits der aktuellen Vorfälle werden sich die Bischöfe bei einem Studientag zudem mit der Rolle der Frauen in der Kirche beschäftigen. Unter dem Titel "Das Zusammenwirken von Männern und Frauen im Leben und Dienst der Kirche" wird eine praxisnahe Sicht der Dinge angestrebt, allerdings ohne Reizthemen wie etwa das Diakonat für Frauen.
Bischöfe wollen die Position von Frauen in der Kirche verbessern
Der Fokus des Tages richtet sich fast vollständig auf Frauen, die bereits in der Kirche beheimatet sind: Frauen in kirchlichen Führungspositionen und im Ehrenamt, Gemeinde- und Pastoralreferentinnen sowie Studentinnen und Doktorandinnen im Fach Theologie. Das Ziel der Vollversammlung: die Position von Frauen in der Kirche zu verbessern – und zwar auf Basis der geltenden Ordnung.
Weitere Themen der Versammlung sind der bereits mehrfach verschobene Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, die Arbeit der Caritas sowie die überarbeitete Einheitsübersetzung des Alten Testaments. Außerdem wollen die Bischöfe über das neue Gebet- und Gesangbuch "Gotteslob", die jüdisch-katholisch Beziehungen in Deutschland sowie den Stand der Vorbereitungen für den Eucharistischen Kongress in Köln (5. bis 9. Juni) sprechen.
Reichlich Stoff also für spannende Debatten, zumal auch der Missbrauchsskandal am Sitz des katholischen Missbrauchsbeauftragten, Bischof Stephan Ackermann, sicher eine Rolle spielen wird. So hat ein kirchenkritisches Bündnis bereits angekündigt, unter anderem gegen angebliche Aktenvernichtungen im kirchlichen Bereich demonstrieren zu wollen.
Von Steffen Zimmermann
Es ist ein historisches Ereignis: Am 11. Februar hat Benedikt XVI. angekündigt, zum 28. des Monats zurückzutreten. Dass ein Pontifex nicht durch den Tod aus dem Amt scheidet, hat es seit 1294 nicht mehr gegeben. Katholisch.de dokumentiert die Rücktrittserklärung im Wortlaut und präsentiert weitere Informationen und Hintergründe.