Trotz Freispruch: Gericht fordert Maßnahmen gegen Priester
Im kirchenstrafrechtlichen Verfahren gegen einen Priester aus dem mittelfränkischen Landkreis Ansbach gibt es ein Urteil. Es geht in dem Fall um Vorwürfe des Fehlverhaltens gegenüber jungen Frauen. Das Metropolitangericht Bamberg hat auf Freispruch aus Mangel an hinreichender Gewissheit entschieden, zugleich aber Maßnahmen gegen den Mann empfohlen. Das teilte das für den Geistlichen zuständige Bistum Eichstätt am Mittwoch mit. "Es konnte weder die Schuld noch die Unschuld zweifelsfrei festgestellt werden", hieß es. Das Urteil sei nicht rechtskräftig. Es werde dem Vatikan zur Überprüfung vorgelegt. Der Betreffende bestreite jedes Fehlverhalten.
Das Metropolitangericht forderte das Bistum nach dessen Angaben dazu auf, Maßnahmen gegen den Priester zu ergreifen. Es sei von einem schwerwiegenden Fehlverhalten des Geistlichen gegenüber jungen Frauen überzeugt. "Es empfiehlt insbesondere eine Geldbuße sowie den Ausschluss vom Seelsorgedienst gemäß der Interventionsordnung", so das Bistum. Man prüfe nun das Urteil und die Empfehlungen. Die vorläufigen disziplinarischen Maßnahmen – darunter die Freistellung – blieben bis zur Rechtskraft des Urteils bestehen. Endgültige Maßnahmen würden im Anschluss verhängt.
Verfahren wegen Verjährung eingestellt
Die unabhängigen Ansprechpersonen hatten das Bistum Eichstätt im Dezember 2022 von den Vorwürfen in Kenntnis gesetzt, wie es hieß. Daraufhin sei der Priester freigestellt und bei den staatlichen Behörden angezeigt worden. Diese hätten ihr Verfahren wegen Verjährung eingestellt. Weiter hieß es: "Das Bistum dankt den Betroffenen für ihre Hinweise und ihren Mut, zugleich bedauert das Bistum das ihnen zugefügte Leid. Das Bistum wird weiterhin alles unternehmen, um Betroffene zu unterstützen und Schutzmaßnahmen umzusetzen."
Die Diözese bot ferner etwaigen Missbrauchsbetroffenen an, sich bei den externen Ansprechpersonen oder dem Betroffenenbeirat zu melden: Werner Merkle, Facharzt für Psychiatrie, Innere Medizin und Psychotherapie in Eichstätt, Telefon 08421-97070; Felizitas Schweitzer, Bereichsleiterin Psychologie und weitere Dienste im Zentrum für Psychische Gesundheit in Ingolstadt, Telefon 0841-8803060; Udo Holy, Mitglied des Betroffenenbeirats und der Unabhängigen Aufarbeitungskommission Eichstätt, Telefon 0179-4650857. (KNA)