Umfrage: Mehrheit würde Weihnachtsgottesdienste nicht vermissen
Zwei Drittel der Deutschen würden laut einer Umfrage bei Corona-bedingten Absagen den Weihnachtsgottesdienst nicht vermissen. Nur bei einem Fünftel der Befragten ist das der Fall, wie eine am Donnerstag veröffentlichte repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts "INSA Consulere" im Auftrag der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost" ergab. Kaum Unterschiede gibt es demnach zwischen Ost (18 Prozent) und West (21 Prozent).
Überdurchschnittlich vermissen würden Christen eine abgesagte Feier: Unter den befragten Katholiken gaben dies den Angaben zufolge 29 Prozent an, bei den Protestanten 31 Prozent. Unter den freikirchlichen Anhängern waren es zwei von fünf Befragten. Das Erfurter Meinungsforschungsinstitut konfrontierte demnach vom 16. bis 19. Oktober 2.074 erwachsene Personen mit der Aussage: "Ich würde den Besuch des Weihnachtsgottesdienstes vermissen, sollte er wegen der Corona-Situation nicht möglich sein."
Soziologin sieht Weihnachten als Chance für die Kirche
Die Bochumer Religionssoziologin Anna Neumaier sieht in einem Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen auch Chancen für die Kirche. "Krisenzeiten sind Zeiten, in denen jetzt religiöse Tradition zur Hochform auflaufen könnte", sagte die Wissenschaftlerin am Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP) am Mittwoch dem Kölner Online-Portal "domradio.de". "Die allermeisten Menschen leiden gerade sehr unter einer außergewöhnlichen Belastung." In dieser Lage seien Weihnachtsgottesdienste ein potenzieller Kontaktpunkt zur Kirche.
Neumaier riet den Pfarreien dazu, früh und klar zu kommunizieren, ob und in welcher Form Weihnachtsfeiern stattfinden. Allein auf einen Aushang an der Kirchentür zu setzen, sei zu optimistisch. Nichtsdestotrotz werde es Menschen geben, die aus Vorsicht keine Gottesdienste besuchen. "Da ist die Frage: Wie kann man den Kontakt halten?", sagte die Religionssoziologin. Sie schlug Briefe an die Daheimgebliebenen, Empfehlungen für Alternativangebote sowie Aktionen für Zuhause vor.
Für viele Familien sei der Weihnachtsgottesdienst der einzige Kontakt zur Kirche, sagte Neumaier. Sie stellte die Frage, ob diese Menschen im kommenden Jahr wieder in die Kirche gehen oder zuhause bleiben, wenn in diesem Jahr Weihnachtsgottesdienste ausfallen. Sobald Traditionen ihre Selbstverständlichkeit und ihren Zauber verlören, könnten Kirchenbindungen beeinträchtigt werden, vermutete die Soziologin. (tmg/KNA)