Unappetitliche Debatte
Nun haben sie es doch getan. Sieben Seiten lang ist das Dokument, das die Bischofskonferenz zur Zukunft der Ehe- und Familienpastoral heraus gegeben hat. Doch in der Diskussion ist nur knapp die Hälfte davon. Wie zu erwarten, gehen neben dem Kapitel über Wiederverheiratete Geschiedene die anderen drei Abschnitte zu Ehevorbereitung, Ehebegleitung und Familie als Lernort des Glaubens fast unter.
Das ist bedauerlich. Schließlich ist die Gruppe der Gläubigen, die heiraten, über Jahrzehnte eine Ehe führen und Kinder bekommen, nicht nur zahlenmäßig ungleich größer als die doch recht überschaubare Zahl wiederverheirateter Geschiedener. Sie gehört außerdem zur Kernklientel der Kirche. Sich hier intensiv zu kümmern, wäre eine der größten Aufgaben der Kirche angesichts des häufig fehlenden Wissens über das Ehesakrament und der Tatsache, dass Glaube kaum mehr selbstverständlich an die nächste Generation weitergegeben wird.
Die verzerrte Wahrnehmung des Bischofsworts ist jedoch hausgemacht – und Ergebnis einer unsäglichen Diskussion, die sich höchste Kirchenvertreter seit Herbst vergangenen Jahres über "Amoris laetitia" leisten. Auf der einen Seite agieren die vier Kardinäle Brandmüller, Burke, Caffarra und Meisner. Mit ihrem Brief an Papst Franziskus beanspruchen sie, Hüter der kirchlichen Lehre zu sein und sprechen aus diesem Bewusstsein Menschen anderer Meinung das rechte Christsein oder schlicht die Intelligenz ab. Mehrfach sah sich der deutsche Kurienkardinal Müller genötigt, wie eine Feuerwehr einzuspringen und Franziskus den Rücken zu stärken. Auf der anderen Seite Theologen und Bischofskonferenzen wie in Malta, die sich beeilten, "Amoris laetitia" möglichst liberal auszulegen und so Fakten zu schaffen.
Auch wenn der Vergleich hinkt: Für eine politische Partei hätte eine solch unappetitliche Debatte zu starkem Stimmenverlust und dem ein oder anderen Parteiausschluss geführt. Und ja, auch Fragen an den Vorsitzenden hätte es gegeben. Wenn eine vergleichbare Diskussion also sogar im "schmutzigen Geschäft der Politik" nicht durchgehen würde, warum leistet sie sich dann eine moralische Instanz wie die katholische Kirche?
Umso trauriger ist, dass den Akteuren nicht klar zu sein scheint, wie arm ein solches Agieren bei den engagierten Durchschnittsgläubigen wirkt, die sich nicht täglich mit den theologischen Prinzipien des kirchlichen Lehramts beschäftigen. Ganz zu schweigen von Außenstehenden, die nur noch mit dem Kopf schütteln.
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