Ungewöhnliche Entdeckung in Mainzer Kirche
In der Mainzer Johanniskirche, dem frühmittelalterlichen Mainzer Dom, hat es bereits zur Zeit von Bischof Bonifatius eine Fußbodenheizung gegeben. Archäologen hätten das 1.300 Jahre alte strahlenförmiges Kanalsystem bei Grabungsarbeiten freigelegt, berichtete der SWR am Donnerstag.
Grabungsleiter Guido Faccani sprach laut Bericht von einem besonderen Fund, welcher die enorme Bedeutung der Kirche unterstreiche. Sankt Johannis sei die älteste frühmittelalterliche Großkirche nördlich der Alpen mit großflächig erhaltenem Originalmauerwerk.
2013 hatten Archäologen mit Grabungen im Innenraum der Kirche begonnen; sie haben fast den kompletten Boden bis in drei Meter Tiefe ausgehoben. Diese Arbeiten sollen bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Ein kleineres Team soll anschließend nur noch an einigen Stellen in der Kirche und im Außenbereich weitere kleinere Grabungen vornehmen.
Funde reichen bis in die Steinzeit zurück
Insgesamt wurden laut SWR mehr als 400.000 Stücke gefunden, darunter waren mehrere Zentner schwere Teile von Grabplatten und wenige Kubikmillimeter große Spielwürfel. Die Funde reichen bis in die Steinzeit zurück, auch Reste aus der Römerzeit wurden entdeckt.
Die Grabungen ergaben, dass der Kirchenkörper zwölf bis sechzehn Meter hoch war. Zudem wurden großflächige Teile eines gotischen Fliesenfußbodens gefunden. Die ältesten freigelegten Bauelemente werden auf das 5. oder 6. Jahrhundert zurück datiert. Laut Bericht erreichte vor circa 1.300 Jahren die später noch verlängerte Kirche ihre heutige Höhe. Der Trierer Dom sowie das karolingische Kloster von Müstair im Schweizer Kanton Graubünden sind laut Faccani eine der wenigen vergleichbaren Bauten zur Mainzer Johanniskirche. Nach Angaben der Archäologen handelt es sich bei der Kirche um den in Urkunden erwähnten "Alten Dom", der in Mainz vor dem 975 durch Willigis erbauten Dom als Bischofskirche diente.
Wie die Johanniskirche in Zukunft genutzt wird ist noch unklar. Für das kommenden Jahr kündigte der evangelische Dekan Andreas Klodt ein Nutzungskonzept an, in dem die Geschichte der Kirche berücksichtigt werden soll. Bislang haben die archäologischen Arbeiten 4,4 Millionen Euro gekostet. Diese wurden hauptsächlich von Kirchensteuern finanziert. Seit vier Jahren feiert die evangelische Gemeinde ihren Gottesdienst in der nahe gelegenen Kirche des katholischen Priesterseminars. (KNA)