Unter Verdacht
Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz hat die Internetseite im Blick. Man sichte kreuz.net regelmäßig und leite Hinweise auf Straftaten an die Polizei und das Bundeskriminalamt weiter, sagt eine Sprecherin katholisch.de. Ebenso habe die Behörde Maßnahmen eingeleitet, um die Seitenbetreiber auszumachen. Ein Vorgehen gegen die Seite ist schon deshalb schwierig, da sie auf Internetservern im Ausland liegt.
Kirchenpolitische Themen aus konservativer Sicht
Im Verlauf der Suche nach Betreibern und Autoren der Seite ist unter anderem der katholische Pfarrer Hendrick Jolie ans Licht der Öffentlichkeit geraten. Jolies Name taucht auf verschiedenen Seiten von kreuz.net auf. Bereits Ende Oktober hatte das konservative "Netzwerk katholischer Priester", dem Jolie angehört, erklärt, dass der Geistliche "kein ausgewiesener Autor" des Internetportals sei. Kreuz.net greife häufig auf bereits an anderer Stelle im Internet publizierte Texte zurück und gebe sie direkt oder paraphrasiert wieder, so zum Beispiel auch die Veröffentlichungen Jolies. - Seine Artikel befassten sich vor allem mit kirchenpolitischen Themen aus erzkonservativer Sicht.
Am Donnerstag hatte Jolie auf der Seite des Netzwerks diese Bekräftigung wiederholt. "Die Klarstellung des Priesternetzwerks behält auch insoweit uneingeschränkt ihre Gültigkeit, als ich von 'leichtfertigem' Umgang mit kreuz.net gesprochen habe", schreibt er. Mit "leichtfertig" meine er, dass er gegen die Veröffentlichung seiner Artikel auf den Seiten des anonymen Portals nicht früher eingeschritten sei. "'Leichtfertig' meint auch den Umstand, dass ich durch Postings im Kommentarbereich möglicherweise den Eindruck erweckt habe, Stil und Inhalt dieser Seite zu billigen", ist in der Stellungnahme weiter zu lesen.
Bistum Mainz will Vorwürfe prüfen
Am Freitag kündigte das Bistum Mainz eine Prüfung der Vorwürfe gegen Jolie an. In der kommenden Woche sei "ein amtliches, förmliches Gespräch" mit ihm angesetzt, teilte das Bistum mit. Erst danach sei eine verantwortliche Bewertung möglich. Es müsse geklärt werden, ob die jüngste Klarstellung des Pfarrers einen unmittelbaren Verkehr mit der Redaktion von kreuz.net bedeute, welchen Umfang die Kontakte hätten und welche Inhalte berührt seien.
In den der Bistumsleitung bisher bekannten Texten des Priesters sei "nie eine Hetze" gegen Ausländer, Juden oder Homosexuelle festzustellen gewesen, ebenso wenig wie eine "Vermischung" mit rechten oder gar nazistisch orientierten Parolen.
Der Grünen-Politiker Volker Beck fordert unterdessen von der katholischen Kirche Schritte gegen den Pfarrer. Jolie sei "als Autor, Unterstützer und Kontaktmann von kreuz.net überführt", schreibt er in einem Brief an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. In dem Brief, über den Spiegel Online am Freitag berichtete, verlangt Beck "kirchenrechtliche Konsequenzen".
Deutsche Bischofskonferenz hat sich distanziert
Die kreuz.net-Betreiber bezeichnen sich als "Initiative einer internationalen privaten Gruppe von Katholiken in Deutschland und Übersee, die hauptamtlich im kirchlichen Dienst tätig sind". Die Website verbreitet Hetze gegen Protestanten und Homosexuelle, aber auch gegen katholische Bischöfe und Laien, die dem liberalen Denken nahestehen.
Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat sich wiederholt von der Website distanziert. Ihr Sekretär Pater Hans Langendörfer schrieb bereits früher an Beck: "Es muss unser gemeinsames Ziel sein, diesem Portal ein rasches Ende zu bereiten". DBK-Sprecher Matthias Kopp erklärte am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur, der Brief des Politikers sei dort bisher nicht eingegangen. Die Forderung an die Bischofskonferenz nach Maßnahmen gegen Jolie zeuge jedoch von Unkenntnis der kirchlichen Strukturen. Über entsprechende Schritte habe das Bistum Mainz zu befinden, in dem der Priester tätig ist. (meu mit Marterial von KNA)