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Hans-Joachim Höhn über die Liebe und den Tod

Unverbrüchlich

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Schachfigur
Bonn - Hans-Joachim Höhn über die Liebe und den Tod

Es vergeht kaum ein Tag, an dem die kirchliche Ehelehre nicht unter Beschuss genommen wird. Der Vorwurf ist stets der gleiche: Sie steht nicht im Einklang mit der heutigen Lebenswirklichkeit. Gemeint ist damit vor allem die Rede von der Unauflöslichkeit der Ehe. Sie verkennt offensichtlich die Tatsache, dass es Beziehungskonflikte gibt, die nur durch die Aufkündigung der Beziehung gelöst werden können.

Eher selten ist der Vorwurf zu hören: Die kirchliche Lehre steht nicht im Einklang mit ihren eigenen Prinzipien! Zu diesen Prinzipien gehört die Überzeugung, dass der Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen ist, der selbst Liebe ist: "Da ihn Gott als Mann und Frau geschaffen hat, wird ihre gegenseitige Liebe ein Bild der unverbrüchlichen, absoluten Liebe, mit der Gott den Menschen liebt" (Katechismus der Katholischen Kirche nr. 1604). Diese Liebe ist "absolut", weil sie dem Menschen bedingungslos, ohne Wenn und Aber, geschenkt wird. Es gibt auch nichts, was diese Liebe nachträglich aufheben könnte. Keine Macht der Welt – auch nicht der Tod – kommt gegen sie an. Sie ist unüberbietbar. Einem Menschen kann nichts Besseres passieren, als in dieser Liebe an guten wie an schlechten Tagen, in Gesundheit und in Krankheit geborgen zu sein.

Vor einiger Zeit verblüffte mich ein junges Liebespaar, als es diese Grundsätze einer Theologie der Ehe jenem Schlußsatz entgegengesetzte, mit dem das sakramentale Ja-Wort endet: "… bis der Tod Euch scheidet!" Ihr Einspruch geht mir noch immer nach: "Wir möchten, dass unsere Liebe so groß ist, dass auch der Tod sie nicht zerstören kann. Ist nicht die Ehe die Bestärkung und Bestätigung dieses Wunsches?" Ihr Argument klang überzeugend. Wenn die Ehe die Gleichnisgestalt der unverbrüchlichen Liebe Gottes zu den Menschen ist, warum gilt dann für die Liebe zweier Menschen nicht, was für die Liebe Gottes gilt: Diese Liebe hat über den Tod des Menschen hinaus Bestand!?

Ist also die Kirche inkonsequent bei der Umsetzung ihrer Grundsätze? Warum räumt sie dem Tod gegenüber der Liebe zweier Menschen eine Macht ein, die sie ihm gegenüber der Liebe Gottes abspricht? Versieht sie die Ehe als zwischenmenschliche Entsprechung und Übersetzung der vorbehaltlosen Liebe Gottes mit einem Vorbehalt?

Oder erinnert sie lediglich daran, dass wir in einem endlichen Leben jeden Schatz nur "in zerbrechlichen Gefäßen tragen" (2 Kor 4,7)? Dann wäre die Liebe zweier Menschen die zerbrechliche Gestalt der unverbrüchlichen Liebe Gottes – nicht mehr, aber auch nicht weniger. In diesem Fall müsste aber das Wort "unauflöslich" eine andere Verwendung finden: Unauflöslich ist letztlich allein Gottes Ja-Wort zum Menschen.

Zur Person

Dr. Hans-Joachim Höhn ist Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Köln.

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