Vermeintliche Gebeine von Heinrich I. stammen wohl von Stiftsdame
Neue Forschungen haben ergeben, dass vermeintliche Gebeine von König Heinrich I. (um 876–936) wohl der 1533 gestorbenen Stiftspröpstin Anna von Tautenberg zugeordnet werden können. Das teilte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt am Dienstag mit. Sie befinden sich in der Sankt-Servatii-Kirche in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt.
SS-Chef Heinrich Himmler hatte im Jahr 1936 Pläne entwickelt, die Kirche in eine nationale Weihestätte umzugestalten. Im Zentrum sollten die Gebeine des Königs Heinrich I. stehen, den man als ideologischen Vorläufer des NS-Regimes präsentieren wollte. Tatsächlich fand man Gebeine.
Keine absolute Sicherheit
Neue Forschungen legen nun nahe, dass ein Textil, Leder und Ösenringe an der Stirn zu einer Totenhaube gehörten. Diese fänden sich insbesondere in Gräbern von Frauen. Andere anthropologische Merkmale wiesen ebenfalls auf eine Frau hin. Da bis in das Jahr 1878 die Grabplatte der Stiftspröpstin Anna von Tautenburg über dem Grab lag, sei es naheliegend, sie mit dem Schädel in Verbindung zu bringen.
Absolute Sicherheit lässt sich allerdings nur durch eine Nachgrabung und eine aDNA-Analyse erzielen. Insgesamt sprächen aber alle Indizien dafür, dass Himmler die sterblichen Überreste einer Stiftsdame zum Mittelpunkt seines "Schädelkultes" bei den König-Heinrich-Feiern inszenieren ließ. (KNA)