Von der Kathedrale bis zum Bahnhof
Hamburg
Die Krippenfeier im Hamburger St. Marien-Dom passt sehr gut zu Deutschlands jüngster Diözese. Denn das 1995 gegründete Erzbistum Hamburg ist stark geprägt durch die Internationalität seiner Mitglieder.
Vorbereitet wird der Gottesdienst an Heiligabend um 15.Uhr vom Team des Kindertagesheims St. Marien. Am Krippenspiel und der musikalischen Begleitung durch Chor und Instrumentalgruppe sind stets Dutzende Jungen und Mädchen vom Vorschul- bis zum Teenageralter beteiligt. Es ist eine immer aktuelle Deutung der Weihnachtsgeschichte für Heranwachsende von heute, die aber trotz ihrer Munterkeit nie ins Alberne, Beliebige abgleitet. Der Dompfarrer - bis 2012 Georg von Oppenkowski, inzwischen Monsignore Peter Mies - setzt in einer kurzen Ansprache einige geistliche Akzente, die die Kinder nicht allzu lange auf die Folter spannen, von denen aber auch die Erwachsenen etwas mit nach Hause nehmen können.
Den traditionellen Abschluss bildet das Lied "Stille Nacht" – nacheinander vorgetragen von Mädchen und Jungen des Kindertagesheims in ihrer jeweiligen Muttersprache: Polnisch, Englisch, Französisch, Russisch, Griechisch, Portugiesisch, Spanisch, afrikanischen Sprachen und noch mehr. Wer jetzt nicht die wärmende, weltumspannende Botschaft von Weihnachten spürt, war nie Kind. (Sabine Kleyboldt, KNA)
Rheine
Seit früher Kindheit habe ich nahezu jedes Weihnachten in der St. Antonius Basilika in Rheine verbracht. Ob als hochschwangere Maria, als Sängerin oder als Messdienerin: Meine gesamte Jugend über hatte ich immer eine spezielle Funktion in der Gestaltung des Weihnachtsgottesdienstes. Das hat von meinen Eltern manchmal höchste logistische Planungen erfordert, denn wenn ich im 17-Uhr-Gottesdienst in Aktion war, dann war mein Bruder gerne mal in der Christmette als Messdiener eingeplant. Seit einigen Jahren nun zähle ich mich zu den "normalen" Gottesdienstbesuchern. Zu Weihnachten reise ich in meine Heimat und freue mich jedes Jahr auf den Besuch der Basilika mit ihrem 102,5 Meter hohen Kirchturm. Dort habe ich schon so viel erlebt– ob freudige oder traurige Ereignisse. Zu Weihnachten ist die Kirche immer ganz besonders geschmückt. Den Raum vor dem Hochaltar schmücken vier Meter hohe Tannen und die Krypta beherbergt die größte Kirchenkrippe Westfalens mit lebensgroßen Krippenfiguren.
Auch wenn die Pfarrgemeinde mittlerweile den Namen gewechselt hat, meine Funktion nicht mehr die gleiche ist und die familiäre Besetzung leider nicht mehr vollständig ist, einer Sache kann ich mir gewiss sein: die Kirche bleibt. (Sarah Schortemeyer, katholisch.de)
Münster
Mein Lieblingsweihnachtsgottesdienst findet in der kleinen Dorfkirche St. Agatha in Angelmodde bei Münster statt. Das Gotteshaus ist eines der wenigen romanischen im Münsterland, Ende des 12. Jahrhunderts erbaut, mit trutzigen Turm und kleinem Saal mit Gewölbedecke. Es bietet knapp 80 Menschen Platz. Die Bänke haben noch Türchen zum Gang, knarzen bei jeder Bewegung und tragen die Spuren vieler Generationen. Wände und Decke sind gekalkt, der Schein der Kerzen flackert hier ganz besonders romantisch. Die Orgel ist die älteste von Münster, 1842 gebaut, hat acht Register, ein Manual und ist sicher nicht die wuchtigste. Aber die Angelmodder sind auch nicht die Thomaner. Doch wenn hier "Stille Nacht" erklingt, ist für mich Weihnachten. Und der Weihnachtsgruß beim Hinausgehen gilt Nachbarn, Verwandten und Freunden. (Johannes Schönwälder, KNA)
Oldenburg/Köln
Ich bin ein Kind der Diaspora. In Oldenburg, Deutschlands nordwestlichster Großstadt, sind nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung katholisch; nahezu 80 Prozent dagegen sind evangelisch. Entsprechend dünn gesät ist das Angebot an katholischen Gottesdiensten. Deshalb bin ich viele Jahre lang an Heiligabend immer in die evangelische Christmette in St. Lamberti, Oldenburgs evangelische Bischofskirche, gegangen. Trotzdem waren dies immer besonders schöne Erlebnisse: die festlich geschmückte Kirche, "O du fröhliche" bei Kerzenschein und viele (evangelische) Freunde, die ich so auch an Heiligabend traf. Inzwischen wohne ich im mehrheitlich katholischen Köln. Und da werde ich in diesem Jahr einen ganz besonderen Weihnachtsgottesdient besuchen: Um Mitternacht, wenn der Heilige Abend in den ersten Weihnachtstag übergeht, nehme ich in der beeindruckenden Atmosphäre des Kölner Doms am letzten Weihnachts-Pontifikalamt mit Kardinal Joachim Meisner teil. Und vielleicht singen wir dem Kardinal dann ja auch ein Ständchen: Schließlich wird er am ersten Weihnachtstag 80 Jahre alt. (Steffen Zimmermann, katholisch.de)
Bonn I
Die Christmette in der Pfarrkirche St. Servatius im Bonner Stadtteil Friesdorf ist eigentlich nichts Besonderes. Unser in Tansania geborener Pater predigt afrikanisch-rheinische Freude zum Fest. Dazu wird gesungen – die Klassiker: "Stille Nacht", "O du fröhliche", "Heilige Nacht". So wie in jedem Jahr. Um mich herum sitzen Verwandte, Freunde, Bekannte – Menschen, die mich über das Jahr begleitet haben, mit denen ich gerne Weihnachten feiern will. Darum gehen wir nach der Messe auch nicht sofort auseinander. Wir stehen vor der Kirche, wünschen uns ein frohes Fest und reden noch ein wenig miteinander. Weihnachten, das bedeutet nach Hause kommen. Und das gilt natürlich auch für die Christmette. Nichts Besonderes. Oder doch? (Christoph Meurer, katholisch.de)
Bonn II
Weihnachten ist ein schwieriges Fest, ist es doch mehr als Glühwein und Geschenke. Längst nicht jeder aber weiß noch, was an diesen Tagen eigentlich gefeiert wird – auch in katholischen geprägten Gegenden wie dem Rheinland nicht. Und dennoch sind auch Menschen, die vielleicht schon länger keinen Gottesdienst mehr besucht haben, auf der Suche nach dem tiefen Sinn des Festes. Aus diesem Grund richtet das Stadtdekanat Bonn in diesem Jahr erstmalig an Heiligabend (21 Uhr, St. Remigius, Brüdergasse 9) eine Weihnachtsfeier für Kirchenferne und Suchende an. "Mit dem Weihnachtslob möchten wir uns für all jene Menschen öffnen, die dem Geheimnis von Weihnachten auf der Spur sind", sagt Stadtdechant Wilfried Schumacher. Er hat dabei jene Menschen in den Blick, die am Heiligen Abend eine geistliche Feier suchen, aber denen der Ablauf der Christmette nicht vertraut ist. "Diesen Menschen möchten wir bewusst ein Angebot machen, ob getauft oder ungetauft, glaubend oder nicht glaubend", so Schumacher. (Christoph Meurer, katholisch.de)
Koblenz
Wenn ich an Heiligabend bei meinen Eltern in Koblenz bin, was seit meinem Umzug in die Köln-Bonner Region noch hin und wieder vorkommt, gehen wir zur Christmette in den Nachbarort. Es ist eine moderne Kirche mit einem modernen Pfarrer, der auch im Alter nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt hat. Vor einigen Jahren schon wollte er sich zur Ruhe setzen. Die Gemeinde holte ihn wieder zurück. Pfarrer Utters sammelt nicht nur an Weihnachten die Menschen in seiner Kirche, auch übers Jahr sind die Gottesdienste gut besucht, kommen seine "Fans" aus den unterschiedlichsten Koblenzer Stadtteilen. Denn seine Predigt ist wie ein Zwiegespräch. Man fühlt sich persönlich angesprochen und zum Nachdenken gebracht. Dieser Pfarrer ist in seiner Toleranz und seinem offenen Denken unbequem. Und genau das macht es so besonders ihm zuzuhören. Gerade an Weihnachten. (Janina Mogendorf, katholisch.de)
Hinweis: Die Christmette findet am 24.12. um 18 Uhr in der Pfarrkirche Sankt Martin in Koblenz-Pfaffendorfer Höhe statt.
Trier I
Die Christmette in Sankt Paulin, der großen Barockkirche im Norden der ältesten deutschen Bischofsstadt, ist seit jeher ein besonders festlicher Gottesdienst. Dazu trägt die prächtige Ausmalung des Innenraums, an dessen Gestaltung der legendäre Barockbaumeister Balthasar Neumann mitwirkte, ebenso bei wie die musikalische Umrahmung. Regionalkantor und Organist Volker Krebs sorgt nach einer halbstündigen "musikalischen Einstimmung" in dem um 22 Uhr beginnenden Gottesdienst dafür, dass die weihnachtliche Freude über die Geburt Jesu auch in musikalischem Jubel angemessen zum Ausdruck kommt. Dabei erklingen nicht nur die weihnachtlichen "Standards", sondern auch musikalisch anspruchsvolle Stücke. Pfarrer Joachim Waldorf ist ein Garant für eine theologisch solide Predigt, die seine Zuhörer auch zu später Stunde noch zum Nachdenken über das Geheimnis der Menschwerdung Gottes anregt. (Ludwig Ring-Eifel, KNA)
Trier II
Wie sieht mein Lieblingsweihnachtsgottesdienst aus? So richtig kann ich diese Frage eigentlich nicht beantworten. Denn: Meine Familie und ich sind an Weihnachten sozusagen "Gottesdienstouristen". Statt jedes Jahr in dieselbe Christmette in unserer Heimatgemeinde zu gehen, suchen wir uns jedes Jahr spontan einen neuen Ort für unseren Gottesdienstbesuch aus. Mal groß und feierlich im Trierer Dom, mit Chor und Bläsern in St. Paulin oder auch mal kleiner und traditioneller wie in St. Martin, im alten Trierer Maarviertel. Je nach Stimmung eben. Das schöne dabei: Jedes Jahr ist anders und dennoch treffen wir, wie es in kleinen Städten so üblich ist, jedes Jahr bekannte Gesichter. (Christina Weyand, katholisch.de)
Fulda
Wie unsere Familie das Weihnachtsfest gestaltet, das hat sich in den gut 30 Jahren meines Lebens stark gewandelt: Neue Familienmitglieder sind hinzugekommen, wir feiern am Heiligabend deutlich später, die Bescherung ist in den Hintergrund getreten.
Eines aber ist immer gleich geblieben. Am ersten Weihnachtsfeiertag gehen wir um 9:30 Uhr in den Fuldaer Dom. Dieser Gottesdienst gehört für mich zu Weihnachten, seit ich denken kann. Einmalig ist die Atmosphäre, wenn die Orgel zum Einzug festlich spielt und das Gotteshaus bis auf den letzten Platz besetzt ist. Der Bischof hält die Predigt, viel Weihrauch ist im Spiel und der Chor singt eine Messe, manchmal sogar mit Orchester und Solisten. Am Ende schmettern alle zusammen "O Du fröhliche". Dann, erst dann, ist für mich Weihnachten. (Gabriele Höfling, katholisch.de)
Hauptbahnhof Frankfurt
Der ICE nach Berlin fährt wenige Minuten verspätet auf Gleis neun ein. Reisende hetzen über den Bahnsteig, um ihren Anschluss zu erreichen. Viele Koffer werden durch die Bahnhofshalle des Frankfurter Hauptbahnhofs gezogen: Studenten wollen nach Hause, Familien zu den Großeltern, Angestellte zu ihren Partnern – Eile ist geboten. Man will ja Heilig Abend nicht verpassen.
Mittendrin sitzt ein kleines Grüppchen unter der Anzeigetafel der Zugabfahrten bei Gleis vier und stimmt sich mit Weihnachtsliedern auf den Gottesdienst gleich um 12.30 Uhr ein. Weihrauch steigt auf, ein offensichtlich Wohnsitzloser hält das Liedblatt für eine ältere Frau, die hier im Bahnhofsviertel wohnt. Ein Vater mit zwei kleinen Kindern stellt sich dazu, weil der Anschlusszug erst in 50 Minuten geht. Die Bahnhofsmission spielt Saxophon und E-Piano.
Immer wieder bleiben eilige Reisende verdutzt stehen; es scheint, als könnte der eine oder andere auch für einen kurzen Moment, vielleicht für die Strophe eines bekannten Weihnachtsliedes, den Weihnachtsstress am Bahnsteig liegen lassen. Die Feier wird so manchem zur kleinen Rast auf dem Weg zur Weihnacht. (Harald Oppitz, KNA)
Hinweis: Jedes Jahr findet im Frankfurter Hauptbahnhof um 12:30 Uhr bei Gleis 4/5 ein Ökumenischer Weihnachtsgottesdienst statt, gemeinsam gestaltet von Caritas und Diakonie.