Von Glaube und Reformen
Für Glück steht fest, dass die Kirche in Deutschland zunehmend Einfluss sowohl auf den einzelnen Menschen als auch auf die Gesellschaft verliert. Die damit schwindende Bedeutung von Institution und Ämtern sei schmerzlich, zugleich aber auch eine Chance, einen Weg "als hörende und dienende Kirche zu finden", so Glück. Dafür brauche es die Fähigkeit zum Dialog. "Selbstgerechte Demonstrationen der eigenen hohen Moral mit entsprechender Anklage an alle Andersdenkenden überzeugen nicht", befand er. Christliche Werte hätten in der heutigen Gesellschaft noch immer eine Chance.
Limburg ist keine regionale Krise
Der Kirche attestierte Glück eine "Zeit ungewöhnlicher innerkirchlicher Dynamik" – sei es der Stil von Papst Franziskus, die Vorfälle im Bistum Limburg oder die Debatte um wiederverheiratete Geschiedene. Dabei stellte Glück fest: "Die Vertiefung des Glaubens und notwendige Reformen sind kein Gegensatz."
Die Ereignisse im Bistum Limburg sind laut ZdK-Präsident keine regionale Krise. Der Vertrauensverlust belaste alle, auch die evangelische Kirche. Es gelte nun, "völlige Transparenz" herzustellen, so Glück weiter. Deshalb müsse der Bericht der Prüfkommission der Bischofskonferenz auch unbedingt veröffentlicht werden, wenn er vorliegt. Überdies zeige die Erfahrung in Limburg, "wie wichtig eine korrekte Gremienarbeit und die Beteiligung von Laien ist."
Die nun herrschende Debatte um Kirche und Geld sollten Bischöfe und Laien gemeinsam aktiv mitgestalten und nicht "mit Selbstmitleid lediglich erleidend hinnehmen". Man dürfe nie vergessen, wie außerordentlich der Beitrag der christlichen Kirchen zum Wohl des Gemeinwesens ist.
Anderer Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen gefordert
Lobende Worte fand Glück im weiteren Verlauf für Papst Franziskus und die Handreichung aus dem Erzbistum Freiburg zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Der Fragebogen aus dem Vatikan zu Ehe und Familie sei "eine große Chance und ein Signal für den Dialog in unserer Kirche", so Glück. Die Freiburger Handreichung wiederum hätte viele "ermutigt", wobei diese in keiner Weise den "Grundsatz der Unauflöslichkeit der Ehe" aufhebe. Anstelle einer "Starrheit im Gesetz" müsse es zuerst um die "Zuwendung zu den Menschen" und "die Vermittlung der Liebe Gottes" gehen.
Die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken dauert noch bis Samstag. Auf dem Programm stehen unter anderem der Katholikentag 2016 in Leipzig, die Lage der Christen im Nahen Osten und die Situation von wiederverheirateten Geschiedenen. Am Freitagmittag wurde der ZdK-Präsident Alois Glück mit 177 von 182 Stimmen für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt.
Von Christoph Meurer