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Zur Vorbereitung auf den Eucharistischen Kongress war die Münchener Monstranz auch in Mainz

Von Spirituosen und Spiritualität

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Mainz - Es ist Nacht in Mainz. Um den Hauptbahnhof stehen Jugendliche mit Spirituosen im schummrigen Licht der Straßenlaternen, Obdachlose suchen sich einen Schlafplatz, und ab und zu fährt ein Streifenwagen vorbei. Nur wenige Meter entfernt fällt der Blick auf ein ganz anderes Bild: In der St.-Bonifaz-Kirche sitzen und knien junge Leute; sie haben sich zusammengetan, um zu beten – 24 Stunden lang.

"Mehrere Male haben junge Leute aus der Gemeinde darauf hingewiesen, dass es kaum Gelegenheit zur Eucharistischen Anbetung gebe", berichtet der Dominikaner Jonas Golla. Daraufhin hat er sie alle zusammengerufen. Das erste Treffen war zu Jahresbeginn; binnen weniger Tage hatten sich 25 Interessierte angemeldet. "Und dieses Mal sind es sogar 40", berichtet der 23-Jährige zufrieden. Unter dem Leitwort "Wachen und Beten" sind sie zusammen gekommen, um genau das zu tun: wachen und beten.

Die Eucharistische Anbetung ist eine liturgische Gebetsform, in der die Gläubigen in Gebet und Meditation vor dem Leib Christi in Form der in der Eucharistiefeier gewandelten Hostie verweilen. In Mainz haben sich die Gläubigen stündlich abgewechselt, und jeder konnte seine eigenen Ideen einbringen.

Vorbereitung für den Eucharistischen Kongress

Die Gruppe der "Beter" ist bunt gemischt. Unter ihnen gibt es laut Golla Handwerker, Krankenschwestern und Studierende aller möglichen Fächer. Die Theologiestudentin Hannah Hassanein hat sich an diesem Wochenende für eine "Nachtschicht" gemeldet. "In der Nacht fällt es mir leichter, zur Ruhe zu kommen. Auch wenn es sich komisch anfühlt, weil ich weiß, dass meine Freunde gerade feiern", erzählt die 24-Jährige.

Ein junger Mönch im weißen Habit steeht vor einer kargen Landschaft.
Der 23-jährige Dominikaner Jonas Golla hat zur Vorbereitung auf den Eucharistischen Kongress im Juni in Köln die Eucharistische Anbetung in Mainz organisiert.

Es sind Gottesdienste wie "Wachen und Beten", die Erzbischof Robert Zollitsch wohl vorschwebten, als er zu Beginn des geistlichen Vorbereitungsweges für den Eucharistischen Kongress Anfang Juni in Köln predigte: "Und wenn die Eucharistiefeier auch Höhepunkt unseres kirchlichen Lebens ist, dann muss sie eingebettet sein in eine Vielzahl und Vielfalt liturgischer und anderer Vollzüge". Der Sekretär des Kongresses, Robert Kleine, erhofft sich davon eine Erneuerung Glaubens in Deutschland.

Umstrittene Praxis

Als Vorbereitung auf dieses Ereignis wurde am ersten Advent die so genannte "Münchener Monstranz" von Freiburg aus auf eine Reise durch Deutschland geschickt: Seitdem steht die Monstranz für jeweils eine Woche in einem anderen Bistum zur Verfügung – wie schon 2005 das Weltjugendtagskreuz. Der Malteser Hilfsdienst kümmert sich darum, dass der kostbaren Monstranz nichts passiert. Bereits am Freitag hat Johannes Hilse das Gefäß sicher über den Rhein von Wiesbaden nach Mainz gebracht: "Als kleiner Teil der großen Reise", sagt der 64-jährige Ehrenämtler.

Theologisch ist die Eucharistische Anbetung umstritten: "Die einen halten das für eine antiquierte, magische Schaufrömmigkeit und die anderen halten es für ein der Gegenwart Gottes adäquates Symbol", erklärt der Theologe Günter Kruck von der Katholischen Akademie Frankfurt (Haus am Dom). Er betont die zentrale Bedeutung, die die Eucharistiefeier seiner Meinung nach für Eucharistische Anbetung hat: "Für mich besteht sonst die Gefahr in der Abkopplung von der sonstigen liturgischen Praxis", so der Theologe. Auch Jonas Golla sieht diese Gefahr und hat Wert darauf gelegt, dass zu Beginn und am Ende des 24-stündigen Gottesdienstes die Eucharistie gefeiert wird.

Konservative Form der Frömmigkeit

Viele sind überrascht, dass diese eher konservative Form der Frömmigkeits so viele junge Menschen anspricht. Kruck zufolge suchen sie die unmittelbare Begegnung mit sich - und damit untereinander - und Gott. Tatsächlich trifft sich seine Analyse mit dem, was Hannah Hassanein über die Anbetung sagt: "Es ist die Stille, die mich bei Wachen und Beten reizt."

Bleibt am Ende nur die Frage, was die Kirche am Rand des Bahnhofsvorplatzes den Menschen draußen auf der Straße noch zu sagen hat. Was haben die Menschen draußen, mit ihren Spirituosen, mit den Menschen drinnen, und ihrer Spiritualität gemein? Diese Frage hat sich auch die Gruppe von "Wachen und Beten" gestellt und versucht, sie in ihrem Grundsatzpapier zu beantworten. Sie schreiben: "der Wächter wacht nicht nur für sich selbst, sondern er weiß die ganze Stadt in seinem Rücken. Also nehmen wir sie mit hinein ins Gebet."

Von Tobias Schrörs

Münchener Monstranz

Erstmalig wurde die so genannte "Münchener Monstranz" auf dem Eucharistischen Weltkongress 1960 in München liturgisch eingesetzt. Die Monstranz ist das liturgische Gerät, in dem die konsekrierte Hostie, in der nach katholischem Glauben der Leib Christi gegenwärtig ist, den Gläubigen gezeigt wird. Zur Vorbereitung auf den Eucharistischen Kongress 2013 in Köln ist die Münchener Monstranz seit dem ersten Advent für jeweils eine Woche in einem deutschen Bistum zu Gast. Die Veranstalter möchten auf diese Weise das Bewusstsein dafür wecken, dass der Eucharistische Kongress ein nationales Ereignis ist.

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