Suche
Evangelische Kirche erkennt das Jawort zweier Männer an

Vorgeprescht

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Ein homosexuelles Paar steckt sich gegenseitig Eheringe bei der Eheschließung an.
Seligenstadt - Erstmals ist in Deutschland eine homosexuelle Partnerschaft in einer evangelischen Kirche nicht nur gesegnet, sondern auch kirchenrechtlich beurkundet worden. Am Samstag gaben sich zwei zuvor standesamtlich getraute Männer in Seligenstadt bei Offenbach im Gottesdienst das Ja-Wort.

Dass die Evangelische Kirche in Hessen diesen Schritt wagt, verärgert Konservative in ihren eigenen Reihen. "Meiner Meinung nach wird hier die Heilige Schrift zurechtgebogen", sagte Eberhard Hoppe vom Evangelischen Gemeinschaftsverband Herborn am Samstag der ARD. Die Bibel sage klipp und klar, dass die Ehe einzig für die Beziehung zwischen Mann und Frau bestimmt sei.

Kirchliche Amtshandlung

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, verteidigte die Trauung. Die Bibel habe Homosexualität tatsächlich als Krankheit und Sünde bewertet, sagte er der ARD. Aber das sei zeitbedingt. "Wir denken, dass Homosexualität zur Schöpfung gehört und dass wir uns Menschen zuwenden müssen, die ihre Homosexualität verantwortungsbewusst leben wollen", sagte Jung. Das sei ganz im Geist und Sinne Jesu.

Meiner Meinung nach wird hier die Heilige Schrift zurechtgebogen.

Eberhard Hoppe, Evangelischer Gemeinschaftsverband Herborn

Bereits im Juni hatte die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die weitgehende Gleichstellung der Segnung homosexueller Paare mit der Trauung von Mann und Frau beschlossen, was bei Vertretern der katholischen Kirche auf einhellige Kritik gestoßen ist. In dem Papier wird auch die seit zehn Jahren mögliche Segnung homosexueller Paare als kirchliche Amtshandlung beurkundet. Im mit großer Mehrheit beschlossenen Regelwerk heißt es unter anderem: "Heute wird davon ausgegangen, dass die gleichgeschlechtliche Orientierung zu den natürlichen Lebensbedingungen gehört. Homosexualität kann als Teil der Schöpfung gesehen werden."

In der Frage der Gleichstellung übernimmt die Landeskirche damit eine Vorreiterrolle in der Kirche. "Die EKHN ist sich bewusst, dass diese Sichtweise in manchen anderen Kirchen abgelehnt wird", heißt es in dem Papier. Die Segnung ist in der EKHN seit 2003 möglich und wurde seither rund 120-mal praktiziert.

Belastung für die Ökumene

Der evangelische Ökumene-Bischof Friedrich Weber sorgt sich, dass durch die Trauuung die Beziehung zur katholischen Kirche belastet werde. "Der Dialog ist schwieriger geworden", sagte der Braunschweiger Bischof am Montag. Die Katholiken könnten das nicht nachvollziehen. Weber halte die Entwicklung für problematisch: "Die Ehe zwischen Mann und Frau muss deutlich als etwas anderes erkennbar bleiben." Statt dem Vorpreschen einzelner Landeskirchen müsse eine einvernehmliche Regelung durch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gefunden werden.

In der katholischen Kirche hatte vor einigen Jahren schon die öffentliche Segnung eines homosexuellen Paares im Wetzlarer Dom zu Konsequenzen für den Pfarrer geführt. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst berief den zuständigen Geistlichen im Sommer 2008 ab. Die Lehre der katholischen Kirche erfordere es, Einspruch gegen die Anerkennung solcher Lebenspartnerschaften zu erheben. (mir/dpa/KNA)

kna-katholisch-swarm-node1 (0.014s)