Wahl, Papst, Reformation
Dagegen erscheint das Programm der Tagung zumindest in diesem Jahr eher unspektakulär. Interessant dürfte die Veranstaltung jedoch besonders durch einige Themen jenseits der aktuellen Tagesordnung werden.
Bundestagswahl und Tebartz-van Elst
Da ist zum einen die gestrige Bundestagswahl, zu der sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz , der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, sicher von Fulda aus zu Wort melden wird. Nachdem Papst Franziskus dessen Rücktrittsgesuch aus Altersgründen angenommen hat, dürfte im Hintergrund außerdem die Frage schwelen, wer Zollitschs Nachfolger wird. Für diese Entscheidung haben die Bischöfe jedoch noch Zeit, da der 75-Jährige nach dem Willen des Papstes das Amt des DBK-Vorsitzenden noch bis zum Ende der Amtsperiode im März 2014 fortführt.
Stoff für Diskussionen könnte auch die am Mittwoch anstehende Gesellschafterversammlung der katholischen Verlagsgruppe "Weltbild" bieten. Anfang September hatte ein Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" für Aufregung gesorgt, nach dem eine Insolvenz des Unternehmens kurz bevorstehe. Für Irritationen sorgen zudem Gerüchte, einige der katholischen Eigentümer wollten ihre Anteile an dem Unternehmen verkaufen.
Vor allem dank der anwesenden Journalisten dürfte die Tagung in Fulda auch die Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst begleiten, der wegen seines angeblich autoritäten Führungsstils seit Monaten in der Kritik ist und aus diesem Grund bereits Besuch aus dem Vatikan erhalten hatte. Im Zuge der Visite des päpstlichen Sondergesandten Kardinal Giovanni Lajolo war beschlossen worden, dass die Bischofskonferenz die aus dem Ruder gelaufenen Baukosten für das Diözesane Zentrum und bischöfliche Haus am Limburger Domberg überprüft.
Reformation und Syrien
Neben all diesen Diskussionen lohnt sich auch ein Blick in die Tagesordnung: Am Dienstag, dem ersten vollen Sitzungstag, werden sich die Bischöfe mit dem 2017 anstehenden Reformationsjubiläum beschäftigen. Mit diesem Ereignis verbindet sich für die katholische Kirche vor allem die Frage, in welcher Weise sie sich an den Feierlichkeiten beteiligen will.
Auch die politische Lage in Syrien und vor allem die verzweifelte Situation der Flüchtlinge, die das Land verlassen müssen, beschäftigt die Bischöfe. Die katholische Kirche fordert schon seit längerem, Deutschland müsse sich hier stärker engagieren. Erst am vergangenen Wochenende rief Erzbischof Zollitsch dazu auf, "deutlich mehr als 5.000 syrische Flüchtlinge" aufzunehmen.
Als kircheninternes Thema bespricht die Vollversammlung wie schon bei ihrem letzten Treffen das Wirken von Frauen in der Kirche. Das prominenteste Stichwort in diesem Zusammenhang ist die Diskussion, ob und in welcher Form ein Diakonat von Frauen möglich sein könnte.
Papst-Interview als Auftrag
Dieses Thema spielt auch im Rahmen des auf fünf Jahre angelegten Gesprächsprozesses in der Kirche eine Rolle, für den eine Zwischenbilanz ansteht. Das Stichwort "Dialog" ist vergangene Woche mit dem Interview von Papst Franziskus stärker in den Fokus geraten; darin sprach er sich auch für eine stärkere Stellung der Bischofskonferenzen gegenüber dem Vatikan aus. Das Interview müsse als "Auftrag" verstanden werden, sagte Zollitsch dazu. Schließlich wird auch über die 72-Stunden- Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) gesprochen, an der sich katholisch.de im Juni mit einem durchgehenden Livestream beteiligte.
Jeden Morgen um 7.30 Uhr feiern die Bischöfe zudem im Hohen Dom zu Fulda die Heilige Messe; hinzu kommt der feierliche Eröffnungsgottesdienst und die Schlussandacht am Donnerstagabend. Danach wird der traditionelle Segen mit einer Reliquie des heiligen Bonifatius erteilt. Denn schließlich treffen sich die Bischöfe nicht umsonst in jedem Herbst ausgerechnet in Fulda: Hier liegt der als "Apostel der Deutschen" bekannt gewordene Missionar Bonifatius begraben, der zur Verbreitung des Christentums hierzulande einen wichtigen Beitrag leistete. So ist die Stadt ein besonderer Ort für die katholische Kirche in Deutschland – trotz ihrer Beschaulichkeit.
Von Gabriele Höfling