"Warum dauert das so lange?"
Er sei irritiert über die Wahl von Kardinal Woelki zum neuen Erzbischof von Köln, ließ Feige über die Internetseite seiner Diözese verlauten (katholisch.de berichtete). "Angesichts dessen, dass für Köln in noch nicht einmal einem halben Jahr ein neuer Erzbischof gefunden werden konnte, wirkt es umso befremdlicher, dass Erfurt schon fast zwei Jahre auf einen neuen Bischof warten muss", so der Oberhirte, der Woelki für seine neue Aufgabe gleichwohl "Gottes Segen" wünschte.
Zudem sei es kein ermutigendes Signal für den Osten Deutschlands, wenn mit Kardinal Woelki ein "aus dem Rheinland gekommener Hoffnungsträger" bereits nach nur drei Jahren in Berlin wieder in seine Heimat zurückkehre. Offensichtlich, so Feige, sei Berlin als Hauptstadt für die katholische Kirche in Deutschland doch nicht so bedeutungsvoll, wie dies zuletzt immer wieder betont worden sei.
Ipolt: Situation im Bistum Erfurt ist "verwunderlich"
Vor allem Feiges Kritik an der langen Sedisvakanz in Erfurt findet auch bei den anderen ostdeutschen Bischöfen Zustimmung. Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt bezeichnete die Situation im Bistum Erfurt am Montag gegenüber katholisch.de als "verwunderlich". "Die Zeit, die die Gläubigen in Erfurt schon warten, ist wirklich schon sehr lang. Ich halte das auch für einen zu großen Zeitraum", so Ipolt. Allerdings sei die Besetzung des Bischofsstuhls in einer größeren Diözese wie Köln aus Sicht des Vatikan möglicherweise wichtiger, vermutet der Görlitzer Oberhirte.
Der Dresdner Bischof Heiner Koch, der wie Kardinal Woelki vor wenigen Jahren aus dem Erzbistum Köln nach Ostdeutschland gekommen war, sieht zwar keinen Zusammenhang zwischen der langen Sedisvakanz in Erfurt und der nun erfolgten Ernennung von Kardinal Woelki zum neuen Erzbischof von Köln. Trotzdem äußert auch er Verständnis für die wachsende Ungeduld der Erfurter Katholiken. "Ich verstehe, dass die Menschen im Bistum Erfurt ungeduldig sind und inzwischen auch etwas unwillig, weil das so lange dauert", sagte Koch am Montag zu katholisch.de.
Eine generelle Benachteiligung der ostdeutschen Diözesen, wie sie Feige angedeutet hatte, sieht Koch aber nicht: "Ich glaube nicht, dass das von den verantwortlichen Stellen in Rom so gemeint ist. Aber natürlich kann das als eine Ungleichbehandlung von Ost und West interpretiert werden." Ähnlich äußert sich auch Bischof Ipolt. Es sei nun einmal so, dass es aus der Perspektive des Vatikan große und kleine, wichtige und weniger wichtige Diözesen gebe.
Und die Erfurter selbst? Während Köln nach nicht einmal fünf Monaten einen neuen Oberhirten bekam, warten die Thüringer nach dem aus gesundheitlichen Gründen erfolgten Rücktritt von Joachim Wanke im Oktober 2012 bereits seit fast zwei Jahren auf einen neuen Bischof. Dies sei eine "verdammt lange Zeit", betont Bistums-Pressesprecher Peter Weidemann. Und weiter: "Alle fragen sich: Warum dauert das so lange?"
Beten für einen neuen Bischof
Auch der Erfurter Diözesanadministrator Reinhard Hauke hatte sich zuvor ähnlich geäußert. Zwar könne man für die schnelle Besetzung des erzbischöflichen Stuhls in Köln "nur dankbar sein". Da die katholische Kirche jedoch auf dem Fundament der Apostel gebaut sei, könne kein Bistum ohne Bischof bleiben, erklärte Hauke. Er bete und hoffe deshalb, dass sich neben Köln auch die anderen vakanten Bistümer in Deutschland bald über die Ernennung eines neuen Bischofs freuen könnten. "Gerade im Bistum Erfurt warten wir schon sehr lange darauf", so der Diözesanadministrator.
Allerdings: Weiterhin ist nicht absehbar, wann Erfurt tatsächlich einen neuen Bischof bekommt. Klar ist nur das Verfahren: Grundlage für die Besetzung des Bischofsstuhls ist - wie auch im Erzbistum Köln - das Preußenkonkordat von 1929. Demzufolge schicken das Domkapitel des Bistums sowie die Bischöfe der anderen Diözesen im Geltungsbereich des Konkordats Listen mit geeigneten Kandidaten an den Vatikan. Unter Würdigung dieser Listen benennt der Papst drei Personen, aus denen das Domkapitel den neuen Bischof wählt. Die thüringische Landesregierung kann bei "Bedenken politischer Art" Einwände gegen die Wahl erheben.