Warum man in der Erstkommunionvorbereitung Eltern mitdenken muss
Kathrin Kaulich arbeitet eigentlich als Pfarrsekretärin in der Großpfarrei Heilige Familie Untertaunus im Bistum Limburg. Doch als klar wird, dass aufgrund mehrerer Vakanzen im Pastoralteam die Erstkommunionvorbereitung nicht mehr gesichert ist, beginnt für die Mutter eine neue berufliche Chance. Sie übernimmt diese Aufgabe – aber als Ehrenamt neben Beruf und Familie geht das nicht. So findet die ehemalige Kita-Leiterin beruflich ins Pastoralteam und findet ihre neue Berufung. Sie beginnt ein Onlinestudium an der Frankfurter Hochschule Sankt Georgen und damit eine Ausbildung zur Gemeindereferentin. Das erste Ergebnis ihrer neuen beruflichen Karriere ist ein Konzept zur Erstkommunionvorbereitung. Was der "Gemeinschaftsweg zur Kommunion" beinhaltet und warum die 43-Jährige gerade für diese pastorale Aufgabe brennt, erzählt sie im Interview.
Frage: Frau Kaulich, Sie haben ein neues Konzept für die Erstkommunionvorbereitung erarbeitet. Was ist der größte Unterschied zu dem Konzept, das es vorher in Ihrer Pfarrei gab?
Kaulich: Es haben sich vier wesentliche Dinge verändert. Vorher gab es an jedem der zehn Kirchorte eine eigene Erstkommunionsvorbereitung. Einmal die Woche haben sich Ehrenamtliche und Kinder für den Kommunionsunterricht getroffen. Da ist jetzt anders. Der "Gemeinschaftsweg zur Kommunion" ist ein neues Konzept für die Großpfarrei. Es gibt nun neben Treffen im Kirchort auch größere Veranstaltungen der gesamten Pfarrei. Außerdem ist das Konzept zeitlich flexibler. Die Vorbereitung ist nicht an einen festen Nachmittag pro Woche gebunden. Der Gemeinschaftsweg bedeutet, dass sich nicht nur die Kinder auf das Sakrament vorbereiten: Die Pfarrei und die Eltern als Glaubensstifter der Kinder spielen gemeinsam eine wichtige Rolle. Das Wesentlichste für mich aber: Ich möchte keinen Unterricht. Glaube ist gerade für Acht- oder Neunjährige etwas, was man erfahren sollte.
Frage: Was für Programmpunkte gehören zur Erstkommunionvorbereitung in Ihrer Pfarrei?
Kaulich: Einmal im Monat treffen sich die Kinder an ihren Kirchenorten zu den Gemeinschaftstreffen, also zur Katechese. Das sind sechs Treffen, von denen ich drei übernehme und die anderen drei leiten ehrenamtliche Katecheten und Katechetinnen. Für diesen Umfang findet man genügend Leute. Dazu kommen alle zwei Monate Gemeinschaftsgottesdienste, die an verschiedenen Kirchorten in der Pfarrei stattfinden. Das sind aber keine extra Gottesdienste für die Erstkommunionkinder, sondern reguläre Gottesdienste in der Pfarrei, bei denen die Kinder mitwirken. Der schönste Teil ist für mich die Gemeinschaftshilfe. Die Kinder suchen sich dabei Aktionen aus, bei denen sie ehrenamtlich tätig sind – zum Beispiel pflanzen sie Bäume, sammeln Spenden für die Tafel oder besuchen ein Seniorenheim. Nächstenliebe lernt man nicht, in dem man darüber ein Arbeitsblatt in der Katechese ausfüllt. Die Kinder sollen erleben, wie man im Glauben unterwegs sein kann und dass Kirche mehr bedeutet als die Liturgie am Sonntag zu besuchen. Außerdem gibt es Gemeinschaftsaktionen wie Ausflüge ins Bibelmuseum.
Frage: Gerade wenn Eltern weniger religiös sind, sollte die Wissensvermittlung in der Kommunionvorbereitung umso wichtiger sein. Wie gelingt das bei Ihnen?
Kaulich: In den Gemeinschaftstreffen erfahren die Kinder einiges über die Eucharistie und die Sakramente. Ich glaube aber, der westlichste Punkt, an dem wir den Kindern den katholischen Glauben mitgeben, ist, wenn sie in das Gemeindeleben integriert werden – wenn sie Haupt- und Ehrenamtlichen der Gemeinde kennenlernen.
Frage: Wie kommt die Beichte in Ihrem Konzept vor?
Kaulich: Es gibt eine reguläre Katechese zu dem Thema und dazu kommt dann das Fest der Versöhnung. Im vergangenen Jahr waren rund 300 Leute aus der Pfarrei dabei. Die Erstkommunionkinder durchlaufen verschiedene Stationen, bei denen es um das Thema Vergebung geht. Sie basteln Freundschaftsarmbänder, schreiben Briefe für einsame Menschen und gehen zur Beichte. Wir wollen ihnen damit zeigen, dass es etwas Großartiges ist, dass wir uns Gott anvertrauen können und um Vergebung bitten können. Das soll nichts sein, das wir nur im Verborgenen tun müssen. Die Kinder können an dem Tag frei entscheiden, wann sie zur Beichte gehen wollen. Einige gehen gleich zu Anfang, andere brauchen an dem Tag etwas mehr Zeit, um sich auf diesen Schritt vorzubereiten.
Frage: Wie kommt Ihr Konzept bei den Kindern an?
Kaulich: Natürlich erreiche ich nicht jedes Kind zu jedem Zeitpunkt gleich – Interessen und Zugänge sind einfach unterschiedlich. Aber die allermeisten Kinder erleben die Vorbereitung mit viel Freude und sind sehr aufmerksam und engagiert dabei. Im Vergleich zur Erstkommunionvorbereitung meiner eigenen Kinder vor einigen Jahren habe ich außerdem den Eindruck, dass die Kinder heute insgesamt stärker beteiligt sind. Vielleicht liegt das auch daran, dass unsere Vorbereitung weniger an schulischen Frontalunterricht erinnert und viel mehr vom gemeinsamen Erleben, Ausprobieren und Mitgestalten lebt.
Ich bin überzeugt, wenn man den Kindern etwas Gutes tun will, muss man bei den Eltern anfangen.
Kathrin Kaulich
Frage: Was sind Momente, in denen Sie das Gefühl haben, Ihre Art der Glaubensvermittlung kommt an?
Kaulich: Kinder äußern sich oft beiläufig über ihren Glauben. Als wir zum Beispiel die gesammelten Spenden für die Tafel in ein Auto geladen haben, sagte ein Kind zu mir: "Wir tun jetzt etwas Gutes – so, wie Jesus es auch getan hat." Genau solche Momente sind mir wichtig. Die Kinder sollen nicht nur Geschichten über Jesus hören, sondern erleben, was es bedeuten kann, nach seinem Beispiel zu handeln. Während eines Bibliodramas, bei dem es um die Geschichte vom Sturm auf dem See Genezareth ging, hat ein Kind gesagt, das einen Jünger spielte, dass es keine Angst habe, weil Jesus in ihrer Nähe sei. Bei den Eltern der Erstkommunionkinder gab es im letzten Jahr einen besonderen Fall. Ein Vater beschloss, nach dem Fest der Versöhnung in die Kirche einzutreten. Das hat mich berührt.
Frage: Warum beziehen Sie die Eltern der Kommunionkinder in Ihr Konzept mit ein?
Kaulich: Viele Menschen in meinem Alter, denen ich begegne, haben ihren eigenen Glauben oft aus dem Blick verloren. Für viele ist es unglaublich schwierig, über ihre Beziehung zu Jesus zu sprechen. Ich lade die Erwachsenen deswegen zu Glaubensabenden ein. Im vergangenen Jahr waren von 60 Eltern fast alle da. An den Terminen kochen wir in kleinen Gruppen in der Pfarrküche. Natürlich spricht nicht jeder am Herd sofort darüber, wie man seinen Glauben pflegen kann. Ich gebe dabei Impulse – zum Beispiel kurze Videos, in denen die Eucharistie theologisch erklärt wird. Es geht mir darum, Gelegenheiten zu schaffen, in denen man ganz normal über den Glauben spricht. Ich bin überzeugt, wenn man den Kindern etwas Gutes tun will, muss man bei den Eltern anfangen.
Frage: Seit drei Jahren gestalten Sie die Erstkommunionvorbereitung nun in Ihrer Pfarrei. Bleiben die Familien nach der Kommunionfeier noch in den Gemeinden aktiv?
Kaulich: Ja, das ist uns wichtig. Wir bieten etwa nach der Erstkommunion einen Familienausflug an, zu dem fast alle Familien der Erstkommunionkinder kommen. In diesem Jahr hat eine Kleingruppe beschlossen, sich weiterhin zu treffen. In den regulären Sonntagsgottesdienst kommen dennoch nicht sonderlich mehr. Aber einige Eltern melden sich beispielsweise als Ehrenamtliche für die nächste Erstkommunionvorbereitung.
Frage: Sie stecken viel Zeit und Energie in dieses Konzept und arbeiten mittlerweile sogar beruflich im Pastoralteam. Warum ist es Ihnen so wichtig, mit Erstkommunionkindern zu arbeiten?
Kaulich: Im Grundschulalter entstehen oft erste prägende Erfahrungen mit Kirche und Glauben. Umso wichtiger ist es mir, dass Kinder Kirche als einen Ort erleben, an dem sie sich willkommen fühlen, mitgestalten dürfen und gute Erfahrungen machen können. Ich habe manchmal die Sorge, dass die Kirche sie dabei abschrecken kann. In der Kommunionvorbereitung sollten wir nicht verlangen, dass Kinder jeden Sonntag in die Kirche gehen müssen. Wir haben als Kirche nur wenige Monate während der Erstkommunionvorbereitung Zeit, zu zeigen, wofür wir als Christen brennen. Die heilige Messe bleibt der Höhepunkt des Glaubens, doch ich möchte lieber eine Katechese und Liturgie gestalten, die Kindern Teilhabe ermöglicht und den Glauben erfahrbar macht.