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Eine nachdenkliche Allerheiligen-Doku im Bayerischen Fernsehen

"Was bleibt, wenn jemand geht"

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Ewige Lichter auf einem Friedhof.
München - Zum Titel der Dokumentation, die das Bayerische Fernsehen am Allerheiligentag um 18.00 Uhr erstmals ausstrahlt, gehört eigentlich ein Fragezeichen: "Was bleibt, wenn jemand geht"? - Filmemacher Volker Wild hat sie ganz normalen Menschen in Bayern gestellt, die mit Tod und Sterben zu tun haben, jeder auf seine Weise: ein Friedhofswärterpaar, eine hochbetagte Bauersfrau, zwei Nachlasspflegerinnen, ein wohlhabender Stifter, eine 72-jährige Urgroßmutter.

Entstanden ist ein meditatives Mosaik, das dazu einlädt, etwas zu tun, was man gern verdrängt: nachzudenken über die eigene Vergänglichkeit und die Kostbarkeit von Erinnerungen. Was bleibt, wenn jemand geht - manchmal nicht mehr als die Schatten der Bilderrahmen an der Wand und der Umriss des Körpers, den die Leiche auf den Fußboden gezeichnet hat. Und auch diese Spuren werden nach der Renovierung verschwunden sein. Sechs Monate lag der Rentner leblos in seiner Münchner Mietwohnung. Niemand hat ihn vermisst. Der Filmemacher begleitet zwei Nachlasspflegerinnen, wie sie das Polizeisiegel an der Wohnungstür aufbrechen.

Die Frauen wappnen sich mit Mundschutz und Handschuhen, bevor sie die Hinterlassenschaften des Toten sichten. Um offene Rechnungen zu bezahlen, suchen sie nach Vermögenswerten. Was sie finden, ist zu wenig. Dafür stoßen sie in den Unterlagen des Mannes auf eine Schwester, die ihn zwar mehrfach angerufen haben will, aber sich nichts dabei dachte, als niemand abhob.

Unterschiedliche Protagonisten

Das Bad Reichenhaller Friedhofswärterpaar Unterholzner stellt seit einiger Zeit fest, wie sich die Reihen der Gräber lichten. Anonyme Bestattungen nehmen zu. Auch wenn kein Angehöriger teilnimmt, versuchen sie den Verstorbenen ein Stück Würde auf ihrem letzten Weg zu geben. Per Fernbedienung wird die Totenglocke eingeschaltet. "Wir lösen mehr Gräber auf als wir verkaufen", berichtet Franz Unterholzner. Das mache ihn traurig. Die Grabsteine landen im Container, bevor sie zu Schotter zermahlen werden - für den Straßenbau.

Franz Schmid (89) hat sich um seine Heimatgemeinde Marktoberdorf verdient gemacht. Ein Museum für moderne Kunst und ein Theater hat der Altbürgermeister und Erbe einer Ziegelei gestiftet. Auch seiner Familie setzt er ein Denkmal: ein Haus der Erinnerung mit einem handgemalten Stammbaum, mit Ölbildern seiner Vorfahren - und dem einzigen Sohn, der vor Jahrzehnten an Herzversagen starb, im Alter von 27 Jahren. Schmid ist bis heute nicht über diesen Verlust hinweg. Er scheint ihn mehr zu schmerzen als der Tod seiner insgesamt drei Ehefrauen. Auf dem Friedhof verweilt er vor der Ruhestätte seiner Familie. Bald, ist er überzeugt, wird auch sein Name dort stehen.

Klare Vorstellung von der eigenen Beerdigung

Gertrud Vogl aus Schöffelding ist nur hin und wieder auf dem Friedhof, um "nach dem Rechten" zu sehen. Der Grabstein ihres Mannes ist vom Efeu völlig überwuchert. Man muss das Gestrüpp beiseiteziehen, um den Namen zu entdecken. "Da, wo mein Mann bei mir ist, ist im Herzen, da muss ich nicht am Grab stehen", sagt sie. Für ihre eigene Beerdigung hat sie klare Vorstellungen. Auf einem Hügel über dem Ammersee sei "der richtige Platz zum Loslassen". Dort soll eines Tages ihre Asche verstreut werden, "bei Sonnenschein, mit viel Freude", sagt sie. "Das stelle ich mir wunderbar vor."

"Was bleibt, wenn jemand geht" ist ein unaufdringlicher Film darüber, wie sich der Umgang mit dem Tod in einer immer mobiler, individueller und auch anonymer werdenden Gesellschaft verändert. Volker Wild hält sich mit Wertungen völlig zurück, überlässt seinen Protagonisten das Feld. Über den einen oder anderen hätte man gern noch mehr erfahren, als die 45 Minuten Raum lassen.

Von Christoph Renzikowski (KNA)

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